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Jahresbilanz Münchner Rück rechnet 2016 mit weniger Gewinn

Die Münchner Rück stellt die Weichen für die Zukunft. Gestern teilte der weltgrößte Rückversicherer mit, dass in gut einem Jahr Joachim Wenning den Chefstuhl von Nikolaus von Bomhard übernehmen wird. 2015 war noch ein sehr gutes Jahr, doch die Aussichten trüben sich ein. Und Kritik gibt es für die Niedrigzinspolitik der EZB.

Von: Rigobert Kaiser

Stand: 17.03.2016

Eingangsportal des Rückversicherers Munich RE (Münchner Rück) | Bild: picture-alliance/dpa

Nikolaus von Bomhard nutzte seine vorletzte Bilanzpressekonferenz, um erneut mit scharfen Worten die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank zu kritisieren. Die mickrigen Zinsen auf Sparbücher, Lebensversicherungen und alle anderen Formen beträfen alle – und zwar mit voller Wucht. "Alt und jung, arm und reich – da kann man nicht an der Seitenlinie stehen und nichts sagen", so von Bomhard. Gemeint ist die Bundesregierung, bei der sich zuletzt weder Kanzlerin Angela Merkel noch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dazu geäußert haben, dass sich deutsche Sparer mit Zinsen abfinden müssen, die kaum noch über null Prozent liegen.

"Die Leute in Deutschland sind ja nicht blöde. Die kriegen ja mit, was passiert, man spürt es nur nicht gleich alles. Aber dass etwas nicht stimmt, bekommen die Menschen ja mit. Da braucht es auch Führung, da braucht es auch Leute, die sich positionieren."

Nikolaus von Bomhard, Chef der Münchner Rück

Aktuelle Geldpolitik führt Laut Bomhard in die Katastrophe

Der einzige, der Position beziehe, so Bomhard, sei Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der aber aus Berlin ebenfalls keine Unterstützung bekomme. Weidmann durfte bei der jüngsten Lockerung der Geldpolitik durch die EZB am vergangenen Donnerstag turnusgemäß nicht mitstimmen. Das sei ein Unding, dass der mit 27 Prozent größte Anteilseigner an der EZB habe tatenlos zusehen müssen. Der Chef der Rück will die politische Unabhängigkeit der EZB nicht beschädigen, aber die aktuelle Geldpolitik führe immer tiefer in die Katastrophe.

Von Bomhard fürchtet sogar einen Währungskrieg zwischen den USA und der Eurozone. Die Geldpolitik der EZB schwäche den Euro so stark, dass er bald eins zu eins gegen den Dollar getauscht werden wird. Einen so starken Dollar werden aber die USA nicht hinnehmen, da er ihre eigene Wirtschaft zu sehr belaste.

Jahresgewinn von 3,1 Milliarden Euro

Der Münchner Rückversicherer ist mit 215 Milliarden Euro selbst ein großer Kapitalanleger, der das Niedrigzinsniveau deutlich zu spüren bekommt. Das wirkt sich auf die Jahresbilanz aus. Die eigenen Zinseinnahmen sinken, die Versicherungstochter ERGO wird komplett umgebaut und schreibt rote Zahlen. Gerettet wurde der Jahresgewinn von 3,1 Milliarden Euro durch den glücklichen Umstand, dass es vergangenes Jahr kaum Großschäden zu regulieren gab. Bomhard sieht sein Haus trotz aller Probleme gut gerüstet und will deshalb 2017 aufhören.

"Es ist eine lange Zeit. Und es spricht für das Unternehmen, dass es das 13 Jahre ausgehalten hat. Auch ich habe es geschafft, so weit so gut."

Nikolaus von Bomhard, Chef der Münchner Rück

Lob für Bomhard-Nachfolger Joachim Wenning

Nachfolger wird in gut einem Jahr Joachim Wenning, der seit 25 Jahren für die Munich Re arbeitet und seit einigen Jahren im Vorstand sitzt. Bomhard ist voll des Lobes über seinen Nachfolger.

"Wir haben mit Herrn Wenning jemand gefunden, der sehr erfahren im Geschäft ist, sehr breit aufgestellt ist von seinem persönlichen Hintergrund. Und der seinen Aktionären, Kunden und Mitarbeitern dann  in einem Jahr allen Grund zur Freude geben wird. Da bin ich absolut sicher."

Nikolaus von Bomhard, Chef der Münchner Rück

Die Aktionäre dürfen sich schon jetzt über eine auf 8,25 Euro angehobene Dividende freuen, obwohl die Rück ihre Prognose für das laufende Jahr auf 2,3 bis 2,8 Milliarden Euro reduziert hat.

  • Rigobert Kaiser | Bild: privat Rigobert Kaiser

    Wirtschaftsjournalist in der Redaktion Wirtschaft und Soziales, Themenbereiche: Börsen-, Finanz- und Unternehmensberichterstattung


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