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Kritik und Rücktrittsforderungen Münchner CSU muckt gegen Seehofer auf

Gab es wirklich ein Hinterzimmertreffen der Münchner CSU zum Thema "personeller Neuanfang"? In den letzten Tagen waren immer wieder heftige Kritik und Rücktrittsforderungen aus der Partei an die Adresse des bayerischen Ministerpräsidenten zu hören.

Von: Eva Lell

Stand: 13.10.2017

Horst Seehofer | Bild: picture-alliance/dpa

Gab es das Treffen der Münchner CSU-Bezirksspitze? Markus Blume, Kreischef der CSU München Ost und CSU-Vizegeneralsekretär, war zumindest nicht eingeladen. Er betont, dass es keine offizielle Sitzung gab und damit auch keinen offiziellen Beschluss:

"Richtig ist auch, dass solche Hinterzimmeraktionen der Partei schaden und nicht für unsere politische Kultur stehen."

Markus Blume, CSU-Vizegeneralsekretär

Partei gespalten

Der Münchner CSU-Bezirkschef und bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle äußerte sich nicht öffentlich, von seinem Staatssekretär und Stellvertreter im CSU-Bezirk München Georg Eisenreich hieß es nur: kein Kommentar. Hinter verschlossenen Türen hat Eisenreich in den letzten Tagen deutliche Kritik an CSU Chef Seehofer geäußert. Auch Friederike Steinberger ist Vizevorsitzende der CSU München. Sie distanziert sich von Rücktrittsforderungen:

"Der Kurs ist für mich nicht richtig, ich finde den zutiefst parteischädigend und ich möchte mich da distanzieren."

Friederike Steinberger, Vizevorsitzende CSU München 

Der Münchner Landtagsabgeordnete Joachim Unterländer hat einen Brief an Spaenle geschrieben. Auch er geht auf Distanz zu Rücktrittsforderungen aus seinem CSU-Bezirksverband:

"Das ist jetzt nicht das Thema, das interessiert die Menschen auch nicht. Die Menschen wollen, dass wir die Probleme lösen und nicht, dass wir Selbstbespiegelung machen. Und deswegen ist es notwendig, damit endlich aufzuhören."

Joachim Unterländer, CSU-Landtagsfraktion

Rückhalt schwindet

Erst die Gespräche in Berlin, dann Personaldebatten, darauf hatten sich die Landtagsfraktion und der Parteivorstand verständigt. Alle CSU-Politiker, die sich heute vor Mikrophonen äußern, betonen diesen Zeitplan. Man könne nicht den Vorsitzenden köpfen und ihn dann mit dem Kopf unterm Arm nach Berlin schicken - so kommentiert ein CSU-Landtagsabgeordneter die Attacken aus München. Dass Seehofer die Verhandlungen in Berlin führt, scheint nicht umstritten, aber - auch das berichten die Abgeordneten - viele an der Basis haben Zweifel, ob er der richtige Spitzenkandidat für die Landtagswahl ist. Florian Herrmann, CSU-Innenpolitiker aus Freising berichtet von den CSU-Mitgliedern:

"Die Basis der CSU wünscht sich nichts sehnlicher, als dass die beiden stärksten in unserer Partei in eine Richtung ziehen."

Florian Herrmann, CSU

Seehofers Konkurrent Markus Söder äußert sich seit Tagen nicht zu Personalfragen. Und Horst Seehofer? Er betont den verabredeten Zeitplan und verweist auf die schwierigen Gespräche in Berlin:

"Das ist jeden Tag ein Kampf um die richtige Position, um die Durchsetzung bayerischer Interessen, da muss man diszipliniert sein, kühlen Kopf bewahren, dann erreichen sie auch was."

Horst Seehofer

Revolution fürs Erste vertagt

Mit seinem Kultusminister will er persönliche über die Medienberichte reden und sich erst dann ein Urteil bilden. Ob es das Treffen gab, ist noch immer nicht klar. Aber die Meldung reichte, die CSU einmal mehr in Unruhe zu versetzen. Aber am Ende des Tages konstatierte CSU Vizegeneral Markus Blume:

"Die Revolution in München ist abgesagt."

Markus Blume

Die Frage ist nur, für wie lange.


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Wieland der Schmied, Freitag, 13.Oktober, 15:47 Uhr

23. Bayern hat`s doch!

Wenn ich mir den 'Deutschlandtag der JU in Dresden anschaue, da hat die Junge Garde der CSU eine entschlossene, verantwortungsvolle und sehr selbstbewußte Vorstellung abgegeben. Bravo dem Land, daß eine solche mutige und gebildete Jugend hat, die offenbar bereit ist Verantwortung zu übernehmen. Je eher, desto besser. Je älter die Mandatsträger, desto größer des Netz der Verstrickungen. Das aufzulösen, heißt Zukunft sichern.

thorie, Freitag, 13.Oktober, 10:18 Uhr

22. werden csu-br-zensurios nach

der anzahl der zensierten beiträge bezahlt?

oder bilden sich was drauf ein ?

thorie, Freitag, 13.Oktober, 10:15 Uhr

21. genau so stellt man sich demokratie vor!

die oberen schreiben den kleinen vor, wie, wo und wann sie sich beraten dürfen !

demokratie gilt also nicht im "hinterzimmer"

wenn die politiik mit der wirtschaft im "hinterzimmer" etwas vereinbart, ist das selbstverständlich etwas gaaaanz anderes !

kommt halt immer drauf an, wems schadet/nützt !

demokratie at its best !

websaurier, Freitag, 13.Oktober, 09:51 Uhr

20. Zitat...


...""Richtig ist auch, dass solche Hinterzimmeraktionen der Partei schaden und nicht für unsere politische Kultur stehen."
Markus Blume, CSU-Vizegeneralsekretär""...

"Kultur" verbinde ich mit Anstand, Ehre, Moral und Offenheit...
Hat also ganz sicher nichts mit CSU zu tun !!

  • Antwort von thorie, Freitag, 13.Oktober, 11:01 Uhr

    "...Anstand, Ehre, Moral und Offenheit......."

    das würde sich auf den staatsfunk und deren zensurverhalten auswirken .... (bedingt durch rundfunkrat....)

    also hat das nicht nur mit der csu etwas zutun, sondern mit "elite-bayern"

Nürnberger, Freitag, 13.Oktober, 08:05 Uhr

19. Aufstand der Zwerge

Das Wahlergebnis im September ist nicht wirklich eine Seehofer-Niederlage. Viel Bürger wollten Merkel einen Denkzettel, vor allem wegen ihrer Flüchtlingspolitik verpassen. Da aber in Bayern das Kreuzchen bei CDU nicht gemacht bzw. versagt werden kann, wurde Seehofer da zum Opfer.

Jetzt als Folge Seehofer aus der Staatskanzlei drängen ist eine Alternative. Was aber kommt danach? Wenn sich Söder als Spitzenkandidat für die Landtagswahl durchsetzt, ist die Mehrheit im Landtag definitiv dahin. Im Raum Nürnberg mag er zwar einen Stimmenzuwachs bewirken. Aber außerhalb Frankens ist der nicht mehrheitsfähig. Und Franken ist der kleinere Teil Bayerns. Man hat vor Jahren gesehen, wohin ein Franke (Beckstein) das CSU-Wahlergebnis führt.