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Trotz Gutachten zu Münchner Amoklauf Staatsanwaltschaft: OEZ-Täter nicht vordringlich politisch motiviert

Auch nach der Veröffentlichung eines anderslautenden Gutachtens schätzt die Münchner Staatsanwaltschaft das Attentat vom Münchner OEZ weiterhin nicht als vordringlich rechtsextrem motiviert ein. Für die Alternativ-Gutachter hat der Attentäter hauptsächlich aus Fremdenhass gehandelt.

Von: Arne Hell, Christine Kerler

Stand: 03.10.2017

Das Kunstwerk am Erinnerungsort für den Münchner Amoklauf, aufgenommen am 22.07.2017 in München (Bayern) vor Beginn bei einer Gedenkveranstaltung. Der Erinnerungsort wird am ersten Jahrestag nach dem Amoklauf eingeweiht. Foto: Tobias Hase/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Bild: dpa-Bildfunk/Tobias Hase

"Wie von Anfang an gesagt, lag bei David S. ein ganzes Motivbündel vor, darunter auch eine von ihm aufgebaute krude pseudo-nationalsozialistische beziehungsweise rechtsradikale Gedankenwelt", sagte Oberstaatsanwältin Anne Leiding am Mittwoch. Sie reagierte damit auf Gutachter der Stadt München, die offenbar die rechte Gesinnung von David S. als Hauptgrund für den Amoklauf vom OEZ sehen. Somit ist nun eine neue Diskussion um das Hauptmotiv des Täters entbrannt.

David S. sei zwar rechtsextremistisch gesinnt gewesen, es wäre aber verfehlt, seine Motivation auf diesen Aspekt zu verkürzen, so die Ermittlerin weiter. Auch die Anklagebehörde habe forensische Gutachter beauftragt, die sich intensiv und ergebnisoffen mit den Motiven auseinandergesetzt hätten. Diese hätten jedoch die Kränkung des 18-Jährigen durch langjähriges Mobbing im Vordergrund gesehen. Die Stadt München hatte auf einen Stadtratsantrag hin ein neues Gutachten in Auftrag gegeben, das am Freitag vorgestellt werden soll.

Neues Gutachten: Fremdenhass führte zu der Tat

Drei bisher unveröffentlichte Einschätzungen von Extremismusforschern, die von der "Fachstelle für Demokratie" der Stadt München mit einer Einschätzung beauftragt wurden, kommen nach Recherchen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" zu einer anderen Einschätzung: Sie halten es nicht für entscheidend, welche psychischen Kränkungen den Fremdenhass des Täters ausgelöst haben.

Entscheidend für die Bewertung des Verbrechens sei, dass der Hass auf Fremde David S. zu seiner Tat getrieben habe: So kamen alle Todesopfer aus Einwandererfamilien. David S., selbst Sohn iranischer Eltern, rief ausländerfeindliche Beschimpfungen, während er schoss. Außerdem wählte er den Jahrestag des Breivik-Anschlags in Norwegen für die Morde aus. Die Einschätzung in dem neuen Gutachten deckt sich mit früheren Recherchen des Bayerischen Rundfunks.

Amoklauf - eine rechtsterroristische Tat?

Aus Sicht der drei Experten gibt es Merkmale, die die Kriterien der Polizei für rechte Straftaten erfüllen. Einer der Fachleute spricht sich sogar dafür aus, den Amoklauf von München als rechtsterroristische Tat einzustufen.

Staatsanwaltschaft: Täter übernahm womöglich Herkunft seiner Mobber als Feindbild

Die Ermittlungsbehörden hingegen bleiben bei ihrer Bewertung: Dass David S. nur Menschen mit Migrationshintergrund als Opfer ausgesucht habe, dürfte "dem persönlichen, aber verallgemeinerten Feindbild der ehemaligen Mobber geschuldet sein." Der Täter hatte offenbar schlechte Erfahrungen mit türkisch- bzw. albanisch-stämmigen Mitschülern gemacht.

Neun Menschen hatte der Attentäter David S. vor etwas mehr als einem Jahr in München erschossen - in einer McDonalds-Filiale, auf der Straße und im Olympia-Einkaufszentrum. Danach tötete der 18-Jährige sich selbst.


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