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Mückenwetter Ideale Bedingungen für Stechmücken

Zurzeit bietet das Wetter beste Wohlfühlbedingungen für Mücken, denn sie lieben es feucht und warm. Dieses Jahr waren die Stechmücken besonders früh dran, denn dass ein kalter und strenger Winter auch einen mückenfreien Sommer verspricht, ist ein Irrglaube.

Von: Marlene Riederer

Stand: 22.05.2017

Eine Stechmücke auf einem Finger | Bild: picture-alliance/dpa

Schon im März quälten uns die lästigen Plagegeister, denn der Monat war sehr warm. Die Mücken, die in Winterquartieren wie Kellern oder Dachböden überwintert haben, sind dank des warmen und sonnigen Frühlingswetters früher als sonst aus ihren Schlupflöchern gekrochen. Vor allem bei uns in Süddeutschland sind auch schon frischgeschlüpfte Exemplare unterwegs.

Resistent gegen Kälteeinbruch

Ein Kälteeinbruch - wie im April - führt nicht dazu, dass die Mücken absterben. Sie suchen sich einfach ein gemütliches und geschütztes Plätzchen – zum Beispiel eine Baumhöhle oder einen Holzschober – und warten dort auf wärmere Temperaturen.

"Der Volksmund sagt, dass eine Insektenplage nicht so groß ist, wenn der Winter kalt und knackig war. Das ist ein Irrglaube. Insekten – also auch Mücken – haben ein 'eingebautes Frostschutzmittel'."

Doreen Walther, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf) in Müncheberg

Ob 2017 ein ausgesprochenes Mückenjahr wird oder es gar eine Mückenplage gibt, für so eine Prognose braucht auch Mückenexpertin Doreen Walther eine "Glaskugel“. Denn damit es viele Mücken gibt, müssen zwei Bedingungen gegeben sein: Es muss feucht und warm sein. Feuchtigkeit brauchen die Mücken, damit sich ihre Larven entwickeln, Wärme, damit sich die Populationen optimal entwickeln und hohe Dichten aufbauen können. Bleibt es also zukünftig warm und sonnig und regnet es entsprechend ausgiebig, dann wird es für Mücken eine gute Saison. Mückenforscher können nur soweit in die Zukunft schauen wie die Meteorologen.

Mückenbekämpfung an den bayerischen Seen

Zurzeit haben die Mücken ideale Bedingungen in Bayern - vor allem an den oberbayerischen Seen. An der Amper und am Chiemsee werden die Mücken mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis – kurz BTI - bekämpft. Diese Bakterien kommen in fast allen Böden auf der Erde vor und bilden ein spezielles Eiweißkristall, das im Darm der Mückenlarven tödlich wirkt. Für Menschen, Tiere und Ökosystem ist es nicht gefährlich. Die Initiative "Mückenplage – NEIN danke!" setzt sich dafür ein, dass diese giftfreie Bekämpfung auch in den Ammersee-Gemeinden verwendet wird.

Mückenjäger für die Wissenschaft

Drei Mückenfamilien plagen uns Menschen, nämlich die Stech- und Kriebelmücken sowie Gnitzen. Allein innerhalb der Stechmücken gibt es weltweit rund 3.500 Arten. 50 davon wurden bisher in Deutschland nachgewiesen.

Kriebelmücken und Gnitzen

Die bis vier Millimeter kleinen Kriebelmücken sehen auf den ersten Blick wie harmlose Fliegen aus, doch der Eindruck täuscht: Sie fliegen den Menschen geräuschlos an, ohne ein Gefühl von Berührung zu erwecken. Sie kriechen den Menschen unter die Kleidung und verursachen aufgrund ihrer sägeartigen Mundwerkzeuge besonders schmerzhafte Stiche, die schlecht heilen. Gnitzen sind nur zwei bis drei Millimeter groß und sind vorwiegend in der Dämmerung unterwegs. Sie stechen am liebsten am Haaransatz des Menschen zu.

Der Mückenatlas

Link-Tipp

Initiatoren des Mückenatlas: das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald

Von der Wissenschaft wurden die Mücken lange vernachlässigt, deshalb fehlt grundlegendes Wissen über ihr Vorkommen und ihre regionale Verbreitung. Mit dem "Mückenatlas", den es seit 2012 gibt, soll sich das ändern. Mückenjäger aus ganz Deutschland senden ihre gefundenen Exemplare ein, die dann ausgewertet und kartiert werden. Rund 53.000 Mücken waren es allein für 2016 - sagt Doreen Walther. Ziel ist es, die Verbreitung der Mückenarten in Deutschland flächendeckend zu erfassen und wertvolle Hinweise auf die Verbreitung der heimischen Stechmückenarten und auf eingewanderte exotische Spezies zu erhalten.

Immer mehr Einwanderer in Deutschland

Was die Wissenschaftler jetzt schon wissen: Unter die heimischen Arten mischen sich immer mehr gefährliche Exoten – zum Beispiel die Asiatische Buschmücke oder die Asiatische Tigermücke. Die Asiatische Buschmücke breitet sich von Süddeutschland immer mehr aus. Mit ihrem Stich kann sie Krankheitserreger aufnehmen und beim nächsten Stich auch wieder abgeben. Noch gefährlicher ist die Asiatische Tigermücke, denn sie kann mehr als 20 gefährliche Krankheitserreger übertragen wie zum Beispiel das Dengue-, Westnil- und Gelbfieber-Virus, aber auch das berüchtigte Zika-Virus.

"Durch die in Europa in den letzten Jahren zunehmenden Ausbrüche von Stechmücken-übertragenen Krankheiten wie Dengue-, Westnil- oder Chikungunya-Fieber sowie den Zika-Virus-Ausbruch in Südamerika wurde die aktuelle Bedeutung von Stechmücken als Krankheitsüberträger unter Beweis gestellt. Zur Risikoabschätzung benötigen wir dringend Daten zur Verbreitung der in Deutschland vorkommenden invasiven und einheimischen Arten."

Doreen Walther, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung


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