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Browser Der Feuerfuchs hört bald aufs Wort

Der Firefox Browser ist in Deutschland der zweitbeliebteste Browser auf dem PC. Dahinter steckt eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz im Silicon Valley und knapp 1.000 Mitarbeitern. Quasi in direkter Nachbarschaft zu Google, Apple oder Facebook.

Von: Marcus Schuler

Stand: 26.09.2017

Firefox | Bild: picture-alliance/dpa

Direkt an der Bahnstrecke nach San Francisco hat Mozilla seine Büros. Eigentlich unterscheidet die gemeinnützge Stiftung nur wenig von den anderen Unternehmen im Silicon Valley. Wie bei Google oder Facebook ist das Essen in der Kantine zum Beispiel kostenlos. Dennoch ist die Stiftung, also das Unternehmen hinter dem Firefox Browser, eine Ausnahmeerscheinung im Valley. "Wir haben uns eben nicht der Vermehrung von Sharehold Value verschrieben, sondern dem Schutz des offenen Webs als eine der größten, öffentlich wertvollsten Ressourcen, die wir haben", sagt Katharina Borchert. Sie kommt aus Deutschland. Seit fast zwei Jahren ist sie für alle Innovationsprojekte bei Mozilla in Kalifornien zuständig. Keine leichte Aufgabe. Die Konkurrenz am Arbeitsmarkt ist gewaltig, die großen Tech-Unternehmen sind nur wenige Kilometer entfernt. Gute Entwickler zu finden, ist schwierig.

Google Chrome führt

"Die meisten Leute, die hier arbeiten, wollen ganz gezielt hier hinkommen, weil sie an diese Mission glauben, und dafür brennen und dafür hier arbeiten und nicht in einer anderen Firma", ist Borchert überzeugt. Bevor die 44 jährige ins Silicon Valley ging, hat sie Spiegel Online verantwortet. Nun soll sie dafür sorgen, dass der Firefox Browser wieder Marktanteile dazugewinnt. Obwohl er gar nicht so schlecht dasteht. Zumindest ist er in Deutschland - gleich nach Google Chrome - der zweitbeliebteste Browser.

Feuer unterm Hintern

Im November kommt eine ganz neue Version heraus. Das Besondere: Firefox wurde von Grund auf neu programmiert: "Nach den ersten Messungen, die wir gemacht haben, sind wir 40 - 50 % schneller geworden, als wir das vorher waren. Man merkt das sofort.  Eine Version von Firefox, sie nennt sich Nightly Build, ist eine ganz frühe Developer Edition. Da sieht man schon die neue Optik und kann ausprobieren, wie viel schneller und stabiler Firefox geworden ist."Wer schon jetzt neugierig ist, kann sich auf den Mozilla Seiten die jeweils jüngste Entwicklerversion herunterladen. Im Browser Geschäft ist Schnelligkeit die vermutlich wichtigste Eigenschaft.

Die Suchmaschinen zahlen

Obwohl das Suchmaschinen-Unternehmen Google mit seinem Chrome Browser Konkurrent ist, gibt es zwischen Mozilla und Google einen Vertrag. Und der sorgt dafür, dass Mozilla Geld verdient und damit seine Projekte finanzieren kann. "Wenn man Firefox benutzt, und man sucht im Internet etwas, dann verdienen ja die Suchmaschinen über Werbung Geld; und wir bekommen davon einen kleinen Anteil. Wir haben Verträge mit allen großen Suchmaschinen, Yahoo in Nordamerika, Google in Europa und Yandex in Russland und haben auch weiterhin ein ausgesprochen kollegiales Verhältnis zu Google."

Verständiger Browser

Katharina Borchert und ihren Team schrauben aber nicht nur an der Geschwindigkeit von  Firefox. Das nächste große Ziel: Firefox soll Sprache verstehen. "Wir haben schon die ersten Experimente Spracherkennung in Firefox einzubauen. Das wird immer wichtiger. Und zwar sowohl am Desktop als auch mobil oder anderen mobilen Produkten." Damit das aber gelingt, ist die Mozilla Stiftung auf die Hilfe der Internetnutzer angewiesen. Unter Common Voice kann jeder Sprechproben abgeben, sagt Katharina Borchert: "Man braucht keine besonderen Kenntnisse, man kann auf die Common Voice Website gehen oder die App runterladen und da sind dann einzelne Sätze und die spricht man dann ein.  Dadurch schaffen wir es, eine sehr globale Community einzubinden. Jeder kann das machen und seinen Teil dazu beitragen."


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