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Mobilfunk-Test Handynetz-Anbieter im Vergleich

Die Telekom ist mit hauchdünnem Vorsprung Gesamtsieger. Doch ein anderer Anbieter holt auf und hat teils sogar die Nase vorn. "Chip" hat Mobilfunk-Netze getestet - in der Stadt und auf dem Land, auf Internet- und Telefon-Qualität.

Von: Florian Regensburger

Stand: 28.11.2016

Eine Frau schaut in einem ICE-Zug auf ihr Smartphone. | Bild: picture-alliance/dpa

Mehr als 12.000 Kilometer haben die Tester der Computer-Fachzeitschrift "Chip" zurückgelegt. Vor allem im Auto, aber auch mit der Bahn und zu Fuß, sind sie quer durch die Republik gefahren, um mit Smartphones und zusätzlichen Messgeräten die drei großen Mobilfunknetze in Deutschland zu prüfen: Das der Telekom, das von Vodafone und das von O2. Diese Reihenfolge nimmt bereits das Gesamtergebnis vorweg. Doch es lohnt sich, genauer hinzusehen.

Störung im Festnetz der Telekom:

Kunden der Deutschen Telekom haben seit Sonntag mit einer Störung ihrer Anschlüsse zu kämpfen. "Es liegt eine Störung vor. Ausmaß und Umfang sind noch unklar", sagte ein Sprecher des Konzerns auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Probleme dauerten am späten Sonntagabend an, wie der Sprecher bestätigte. Er entschuldigte sich bei den Kunden für die Unannehmlichkeiten.

Vodafone baut am schnellsten eine Telefonverbindung auf

Mobiles Internet und Telefonie: Die Grafik zeigt auf einen Blick, wer die Nase vorn hat. (Zum Vergrößern ins Bild klicken)

Vodafone konnte im Vergleich zu den Vorjahres-Ergebnissen stärker als die beiden anderen Anbieter aufholen. Vor allem bei Gesprächen über schnelle LTE-Verbindungen, über die neben Datendiensten wie Apps auch immer mehr Telefonate per VoLTE (Voice over LTE) laufen, liegt Vodafone mit 92 Punkten nun knapp vor der Telekom mit 90 Punkten. Auch mit O2 kann man zwar praktisch überall telefonieren, jedoch bringt die Telefonica-Marke es bei VoLTE auf lediglich 75 Wertungspunkte. Dies ist insofern interessant, als VoLTE-Telefonie eine deutlich bessere Sprachqualität liefert, als Gespräche über die älteren UMTS- oder GSM-Netze, bei O2 aber nicht so häufig zur Verfügung steht.

Die Auswertung von rund 22.000 Telefonaten im Rahmen des "Chip"-Tests ergab außerdem, dass der Verbindungsaufbau bei Vodafone mit durchschnittlich 7,5 Sekunden am schnellsten funktioniert (Telekom: 8,3 s, O2 10,1 s). Die Telekom verzeichnet dagegen mit nur 1,4 Prozent der Anrufe die geringste Fehlerquote beim Verbindungsaufbau (Vodafone 1,8 %, O2 4,4 %).

Telekom gewinnt die Daten-Wertung

Bei der Datenübertragung - gemessen über Datei-Downloads - hat die Telekom die Nase vorn. Durchschnittlich konnten die Tester im Telekom-Netz in der Stadt Dateien mit einer Geschwindigkeit von 34,8 Mbit/s herunterladen, bei Vodafone mit 28,6 Mbit/s. Bei einzelnen Anwendungen wie dem Aufruf von Webseiten im Browser oder dem Herunterladen einer Datei von Dropbox war Vodafone der Telekom geschwindigkeitsmäßig aber auch überlegen.

O2 kommt hier auf nur 13,6 Mbit/s mittlere Download-Geschwindigkeit und verzeichnet gleichzeitig deutlich mehr Abbrüche beim Herunterladen von Dateien. Dass auch der Aufruf von Webseiten bei O2 recht lange dauert und Probleme beim Abspielen von Youtube-Videos auftreten, werten die Chip-Tester als Anzeichen dafür, dass das O2-Netz bei der Auslastung an die Grenzen seiner Kapazitäten stößt.

Über Land haben alle Anbieter Defizite

Im Zug haben alle Anbieter Probleme. Die Grafik zeigt Beispielhaft, wie die einzelnen Netze im Test bei Telefonie und Youtube-Videos abschnitten.

Bei Fahrten über Land im Auto waren die Probleme von O2 beim Telefonieren über VoLTE besonders eklatant. Die Telekom und allen voran Vodafone hatten hier deutlich weniger abgebrochene Gespräche und Verbindungsfehler. Auch wer in ländlichen Gebieten oder auf Fahrten über Land mobile Daten-Anwendungen wie Apps oder Videostreaming nutzen möchte, ist mit Telekom und Vodafone besser bedient, da diese Dienste häufig nur mit LTE-Netz flüssig funktionieren.

So bringen es die Telekom und Vodafone auf der gesamten Mess-Strecke auf eine relativ gleichmäßige LTE-Abdeckung von 95 Prozent beziehungsweise 91 Prozent - gegenüber O2 mit 74 Prozent insgesamt und sogar nur 58 Prozent bei Autofahrten über Land.

Große Problemzone für alle Anbieter ist das Telefonieren im Zug: Mit O2 ging hier mehr als ein Drittel der Anrufe schief - es kam keine Verbindung zustande oder sie ist abgerissen. Telekom und Vodafone glänzen hier mit Abbruchquoten von rund 21 beziehungsweise 17 Prozent aber auch nicht gerade.

Tester bemängeln Tarife

Von der schlechten Performance auf Bahnreisen abgesehen, haben aber alle Netzanbieter im letzten Jahr Fortschritte gemacht, loben die Tester. Die beinahe allerorts verbesserten Datenverbindungen zu nutzen ist aber häufig auch keine Freude, zumindest nicht für den Geldbeutel. Wolle man tariflich völlig frei von Datenobergrenzen und entsprechender Drosselung der Geschwindigkeit nach erreichen einer bestimmten Datenmenge im besten Datennetz – dem der Telekom – surfen, koste einen dies rund 150 Euro pro Monat.

Am morgigen Dienstag erscheint der zweite große, renommierte Mobilnetz-Test für Deutschland, den die IT-Fachzeitschrift "Connect" jährlich mit vergleichbarem Aufwand wie "Chip" durchführt. Spannend wird, ob dieser auch zu den gleichen Ergebnissen kommt.

  • Florian Regensburger | Bild: BR Florian Regensburger

    Redaktion BR24 Netzwelt - berichtet für BR24 und den BR-Hörfunk über Netz- und Technikthemen


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Delegohm, Montag, 28.November, 23:59 Uhr

10. An Rückständigkeit in D kaum zu überbieten

Nichts gegen Mobilfunk, wenn man nicht gerade in Deutschland ins Netz gehen muss.
Letzte Woche gab es einen wunderschönen Vergleich zu den Mobilfunktarifen und seiner angeblichen "Flatrates", die es über all in Europa nur nicht bei uns gibt.
Österreich bis 60 GB kein Problem. In Frankreich 50 GB zum Preis was in Deutschland für 5GB bezahlt werden muss. Viele andere haben überhaupt kein Limit.
Und hier? Muss ich für ein einziges GB zwischen 1,99 und 4,95 Euro bezahlen. Eine tatsächliche Flat gibt es hier auch und das muss man sich im Gehörgang sträuseln lassen, für sage und schreibe 199,95 Euro.
Wenn das kein Schnäppchen ist?
In Asien rufe ich bei der Hotline an, kaum aufgelegt ist der Auftrag bereits erledigt. Änderungen, Anruf und Ausführung, erledigt.
Nein, Industrierevolution 4.0? - Das ist ein Kracher, leider nicht zum Lachen.

Franz, Montag, 28.November, 14:58 Uhr

9. Connect Heft 1/2017 mit dem Netzest erscheint erst am Freitag den 2.12.2016

Das Heft 01 2017 mit dem Connect Netztest erscheint erst am Freitag den 2 Dezember 2016

KGI, Montag, 28.November, 14:13 Uhr

8. Test Mobilfunkanbieter

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Lutz Schnelle, Montag, 28.November, 11:44 Uhr

7. Schleichwerbung für die Mettwurst im Brötchen

Computer senden süchtig machende Muster an die Nutzer. Was tun wir hier? Man braucht sich bloß bewußt zu machen, welcher technische Aufwand für diese Kokolores-Nachricht nötig ist. Erölförderer, Pipelines, Bergbau, Stromversorger, Kabelträger, Reparaturteams, Administratoren, Programmierer, Reinigungsdamen, Sprecher, Kamerateams, Korrespondenten .. und natürlich den Nutzer, der nicht nur Zwangsgeld zu zahlen hat, sondern sich Hardware, Software, Netz-Zugang und Stromverbrauch leisten muß.
Wir sitzen hier um eine gewaltige Maschine herum, die einen gewaltigen Energiehunger hat. Und der steigt exponentiell. Nur um diesen Pipifax zu erfahren? Das kann man auch in die Zeitung schreiben oder per Radio senden. Und obwohl wir es nun wissen, werden wir morgen auch nicht früher aufstehen.
Es geht hier nicht um die Meldung, es geht uns um die Maschine. Alle können sich wichtig fühlen - und das kostet ein Vermögen. Das ist genau der Witz der Geschichte.

  • Antwort von HP, Montag, 28.November, 13:05 Uhr

    @L.Schnelle,
    wie war das wiedermal mit Adam und Eva oder mit den Molekülen ?

  • Antwort von Manfred, Montag, 28.November, 14:45 Uhr

    Das ist sehr gut formuliert , Ich fahre jeden Tag mit ganz wichtigen Leuten nach München zur Arbeit und Nachmittags mit ebensolchen wichtigen wieder zurück . Auch stehe ich in der U-Bahn mit wichtigen zusammen . Diese Leute sind so wichtig das wenn Sie beim austeigen den Blick vom Phone nehmen müssten , die Welt untergeht . Was passiert eigentlich wenn ich mit so einem zusammnestoß und Ihm sein Handy runterfällt ?

Harald, Montag, 28.November, 10:40 Uhr

6. Mobilfunknetz in den Städten

Ein Bekannter hat sein Festnetztelefon abgemeldet und auf O2 umgestellt. Er wohnt in München-Thalkirchen, also Stadtgebiet. Seit der Umstellung ist es eine Katastrophe, mit ihm zu telefonieren. Hundsmiserable Sprachqualität ist die Regel und oft ist gar keine Verständigung mehr möglich. Oft muss er während des Gesprächs das Zimmer wechseln, damit man was versteht, oder er geht auf den Balkon, oder gar ins Treppenhaus, je nach "Gemütszustand" der Sendeanlage. Und das nur, um monatlich drei Euro zu sparen.