Mittelfranken


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Zirndorfer Asyleinrichtung Regierung verspricht Kranken schnelle Hilfe

Nach dem Urteil gegen drei Mitarbeiter der Asyleinrichtung in Zirndorf hat die Regierung von Mittelfranken nun schnelle Hilfe für kranke Asylbewerber versprochen. Mitarbeiter hatten einem kranken Kind zuvor nicht geholfen.

Stand: 17.04.2014
Fluechtlinge | Bild: Bayerischer Rundfunk

Mitarbeiter des Pfortendienstes seien angewiesen worden, "in Notfällen stets den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder Notärzte zu verständigen", erklärte die Regierung von Mittelfranken am Donnerstag (17.04.14). Ein Krankenschein sei hierzu in keinem Fall nötig. Inzwischen hat die Behörde auch personelle Konsequenzen aus den Verurteilungen wegen unterlassener Hilfeleistung vor dem Amtsgericht Fürth gezogen. Eine Verwaltungsmitarbeiterin und zwei Beschäftigte sollen nicht mehr in dem Aufnahmelager wie bisher eingesetzt werden.

Gesundheitszentrum geplant

Die gesetzlich vorgeschriebenen ärztlichen Untersuchungen der Asylbewerber fänden inzwischen an drei Tagen in der Woche statt, bei Bedarf auch an vier Tagen. An zwei Nachmittagen pro Woche biete außerdem ein Allgemeinarzt Sprechstunden für die Bewohner des Flüchtlingslagers an. Grundsätzlich plane die Behörde schon länger den Bau eines Gesundheitszentrums. Ein dafür geeignetes Nachbar-Grundstück habe aber nicht erworben werden können, so die Regierung von Mittelfranken. Derzeit werde geprüft, ob direkt auf dem Lagergelände Platz dafür ist.

Keinen Arzt gerufen

Das Fürther Amtsgericht hatte eine Mitarbeiterin der Einrichtung am 15. April zu 2.400 Euro Strafe verurteilt. Zwei Pförtner müssen 2.700 und 3.000 Euro zahlen. Das etwa ein Jahr alte Kind erkrankte im Dezember 2011 an einer massiven bakteriellen Infektion. Die Pförtner riefen trotz eindringlicher Bitte der Eltern keinen Arzt oder Rettungswagen. Stattdessen forderten sie den Vater auf, sich einen Krankenschein zu besorgen. Auch die Angestellte habe keinen Arzt gerufen, sondern die Familie zu Fuß zu einem Mediziner geschickt.

Amputation auch mit mehr Sorgfalt

Angeklagter Arzt vor dem Amtsgericht Fürth

Ein ebenfalls angeklagter Bereitschaftsarzt wurde freigesprochen. Der Arzt habe zwar die Untersuchung nicht ordnungsgemäß durchgeführt, jedoch habe die Aussage des medizinischen Gutachters ergeben, dass er auch bei der erforderlichen Sorgfalt die schwere Meningokokkeninfektion des damals 15 Monate alten Jungen nicht hätte erkennen können.

Zehen abgenommen

Nach Angaben des Bayerischen Flüchtlingsrats wäre der 15 Monate alte Junge beinahe gestorben. Er habe nur überlebt, weil ein aufmerksamer Autofahrer die Familie schließlich zum Arzt fuhr. Der Körper des kleinen Leonardo ist nach inzwischen 25 Hauttransplantationen großflächig vernarbt, so die Organisation. Mehrere Fingerglieder sowie zwei Zehen mussten amputiert werden. Ein Fußgelenk wird für immer steif bleiben, so ein Sprecher des Flüchtlingsrats.


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