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Protest bei Siemens Azubis und Studenten gegen Einsparungen

Die IG Metall rief heute den Siemens-Nachwuchs zum Protest auf. Laut Gewerkschaft prüft der Konzern, an der Ausbildung zu sparen. Am Vormittag haben sich Auszubildende und Studierende am Standort Erlangen und Nürnberg versammeln.

Von: Claudia Grimmer

Stand: 22.09.2016

Der Protest ist Teil eines bundesweiten Aktionstags unter dem Motto "Ausbildung mit Perspektiven: investieren statt reduzieren". Daran haben sich bundesweit mehrere Tausend Teilnehmer an 25 Siemens-Standorten beteiligen. In Nürnberg kamen rund 250 Teilnehmer zum Aufsessplatz um gegen die Siemens-Pläne zu demontrieren. In Erlangen nahmen ebenfalls rund 250 Auszubildende an der Kundgebung teil.

Jugendaktionstag: mehr als 50 Betriebe beteiligen sich

Außenansicht des Siemens-Standorts Vogelweiherstraße in Nürnberg

Die Gewerkschaft fürchtet die Folgen möglicher Sparpläne: Demnach könnten Ausbildungszahlen gekürzt, Ausbildungsstandorte geschlossen, Ausbilderstellen gestrichen und weniger Absolventen übernommen werden. Mehr als 50 Siemens-Betriebe haben sich an diesem Jugendaktionstag beteiligt, um für eine Ausbildung "ohne Einschränkungen in Qualität und Umfang" einzutreten. Schon jetzt seien Auswirkungen der Einsparmaßnahmen zu spüren. So habe Siemens einwöchige Sprachreisen für kaufmännische Azubis gestrichen, und externe Trainer würden nur noch in Ausnahmefällen genehmigt. Kürzungen gebe es auch bei den bisher üblichen Einführungswochen. Weitere Einschnitte seien zwar derzeit nicht konkret absehbar, aber auch nicht auszuschließen.

Siemens sieht sich zu Unrecht angegriffen

Der "Himbeerpalast" symbolisiert noch immer Siemens in Erlangen

Nach Angaben des Konzerns starteten zum neuen Lehrjahr 1.900 Azubis ins Berufsleben bei Siemens. "Etwa 20 Prozent von ihnen erlernen einen kaufmännischen Beruf, 80 Prozent absolvieren eine Ausbildung oder ein duales Studium in den Bereichen Technik und IT. Der Anteil der dualen Studienplätze liegt bei etwa einem Drittel", so der Siemens-Konzern. Bei dem Unternehmen stößt der Aufruf zur Protestveranstaltung auf Unverständnis. Siemens sei einer der größten deutschen Ausbildungsbetriebe mit 10.000 Menschen in der Ausbildung – davon 7.000 eigenen Azubis und 3.000 von anderen Unternehmen, die einen Teil ihrer Ausbildung bei Siemens absolvieren. 

Schwierige Zeiten für Siemens

Konzernchef Joe Kaeser

Am 1. Oktober beginnt bei Siemens ein neues Geschäftsjahr. Konzernchef Joe Kaeser gibt einen gedämpften Ausblick. Vor allem die geopolitischen Unsicherheiten in den USA bereiteten Sorge. Das Land sei sehr mit sich selbst beschäftigt. Dies "verlangsame die US-Wirtschaft", so Siemenschef Kaeser. Im laufenden Geschäftsjahr, das am 30. September endet, sei Siemens noch "sehr gut unterwegs und die wesentlichen Ziele 2020 greifen", so Kaeser im "Wall Street Journal". Der Konzernchef fügte aber auch hinzu: "2017 ist es ein neues Spiel."


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