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Öffentlicher Nahverkehr 40 Minuten für fünf Kilometer

Viele Pendler nutzen laut einer Studie auch dann das Auto, wenn sie nur fünf Kilometer von der Arbeit entfernt wohnen. Lohnen sich da nicht öffentliche Verkehrsmittel? Wer die Bahn nimmt, braucht allerdings viel Zeit und Nerven.

Von: Matthias Rüd

Stand: 31.08.2017

 U-Bahnzug in Nürnberg (Symbolbild) | Bild: picture-alliance/dpa

"Ok Google, wie lange brauche ich mit dem Auto nach Hause.
Antwort: 15 Minuten
Ok, wie lange brauche ich mit den Öffentlichen?
Antwort: Wenn sie jetzt um 18.06 Uhr losfahren, 40 Minuten."

Dialog mit dem Smartphone

Die Heimfahrt

Feierabend! Eigentlich würde ich mich jetzt auf dem Parkplatz des Studios im Nürnberger Westen bequem in meinen Kleinwagen schwingen. Meine Haustür in der Fürther Innenstadt ist Luftlinie genau 4,99 Kilometer entfernt, sagt das Internet. Mein regulärer Nachhauseweg: Dreimal Abbiegen, viel gerade aus, Parkplatz, Couch – so gut wie nie Stau.

Heute ist alles anders: Zu Fuß dauert es vom Studio erst einmal 14 Minuten bis zur nächsten U-Bahnstation. Der Bus dorthin fährt nie, wenn ich ihn brauche. Ich bin kein großer Fan des Nürnberger Bus-Systems.

"18.20 Uhr – Da steht meine U-Bahn, da rennt wer – und schon hab ich sie verpasst. Die nächste in sechs Minuten …"

Umsteigen

Mit dem Auto wäre ich jetzt schon zuhause. Mit der U3 geht es dann doch zum Plärrer, dort der Wechsel in die U1 nach Fürth. Eigentlich müsste ich auf dem Nachhauseweg nur einmal umsteigen – eigentlich.

"18.35 Uhr – Baustelle Maximilianstraße ... für einen Monat ... ich muss über den Bahnsteig in eine Pendel-U-Bahn. 18:50 – und wieder Aussteigen, in die andere U-Bahn, für eine Station."

Nach dreimal Umsteigen habe ich es bis Fürth geschafft. Und ja, ich weiß, das geht in einer Stadt auch anders. Manche haben mehr Glück. Andere weniger-

"– Ich fahr nur vier Stationen mit der U-Bahn, da ist auch gleich die Arbeit. Für mich ist das gut.
– Ich wohne in Schniegling und da fährt am Abend nur alle 40 Minuten ein Bus. Da fahr ich lieber Auto, Fahrrad oder geh halt zu Fuß.
– Ich bin in der Südstadt daheim und nehme das Auto, weil mir das Ticket zu teuer ist. Das wären im Monat bei mir rund 60 Euro. Beim Auto in etwa 30. Ich denke schon ökologisch, aber es ist ein Manko, dass der ÖPNV nicht attraktiver gemacht wird."

Erfahrungen anderer Pendler

Politik wirbt für die Öffentlichen

Ulrich Maly

Solche Gründe, ebenso meine Bequemheit – ich könnte ja auch mit dem Fahrrad fahren – lässt Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) nicht gelten.

"Wir werden nie alle Autofahrten ersetzen, aber wir können mit dem ÖPNV mittlerweile einen Großteil der Autofahrten deutlich schneller erledigen als das Auto."

Ulrich Maly (SPD), Oberbürgermeister von Nürnberg

BUND mahnt Verbesserungen an bei Bus und Bahn

Richard Mergner

Anders die Meinung des Bund Naturschutz. Richard Mergner sieht beim öffentlichen Nahverkehr noch deutlich Luft nach oben.

"Der öffentliche Verkehr in Nürnberg kann auf jedenfall noch deutlich besser werden und er kann auch billiger werden. Wir brauchen ein Jahresticket wie in Wien für 365 Euro. Und wir brauchen bessere Verbindungen mit einem kürzeren Takt bei den Bussen. All das könnte auch finanziert werden, wenn wir nicht so viel in Straßen stecken würden."

Richard Mergner, Bund Naturschutz

Hausschlüssel dreht sich im Schloss …

"Ok, Google, wie spät ist es?
Antwort: 18:59 Uhr"

Dialog mit dem Smartphone

Ich bin zuhause. Nach fast einer Stunde mit den Öffentlichen. Bei grüner Ampelwelle schaffe ich es mit dem Auto in nur 10 Minuten.

Mit dem Auto ist Matthias Rüd deutlich schneller

Mein Fazit, fürs erste und mindestens bis zum Verschwinden der Sommerbaustellen: Ich bleibe meinem Kleinwagen treu und tröste mein ökologisches Gewissen mit diesen Argumenten: Ich drucke weniger als viele Kollegen und muss als Regionalreporter nie in den Flieger. Mein Kleinwagen ist außerdem kein Diesel. Tut mir leid – aber eigentlich nur ein bisschen.


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H.C., Freitag, 01.September, 11:35 Uhr

37. VAG U-Bahn Nürnberg Fürth

VAG Nürnberg-Fürth
..es ist logisch und verständlich das im Laufe der Jahre ein gewisser Verschleiß und dementsprechende Instandhaltungen im U-Bahn Bereich anstehen und stattfinden müssen.
Nicht verständlich ist der Umstand dem man in dieser Zeit ausgesetzt ist, Zeitverlust (bei mir 1 Stunde) , vollgestopfte U-Bahnen, miefige und unsaubere Wagons und bei 30 Grad Außentemperatur war vergangenen Dienstag auch noch die Heizung geschaltet, toll. Wo ist hier das Preis-Leistungsverhältnis ??? Laut Werbung der VAG nutzen in Spitzenzeiten 540000 Passagiere die VAG, berechnet man pro Person 1,-€ einfache Fahrt, wären die Einnahme pro Tag nicht unbedingt klein . Sollte es in diesem Rahmen nicht möglich sein einen Bonus für die Zeit der Bauarbeiten an die Kundschaft weiter zu geben, Eine jährliche Preiserhöhung ist doch auch durchführbar.

Hans, Freitag, 01.September, 07:43 Uhr

36. Fahrplan hilft !

Hier hat ein eigefleischter PKW-Pendler mit immer staufreien und top ausgebautem Heimweg - das scheint mie schon eine große Ausnahme zu sein - erstmals den ÖPNV ausprobiert. Das Vorankommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln will aber auch geübt werden.
Probieren Sie es einfach nochmal. Erinnern Sie sich darab, was man aus einem Fahrplan herauslesen kann. Die gibt es am Smarfphone heutzutage online und mit Echtzeitinformationen.
Tipp am Schluss: 5km mit dem Radl, wäre sehr gesund und ist Fitness umsonst ! Bei der Steuer bekommt man sogar noch was raus. Mit einem schönen neuen Fahrrad macht es richtig Spass ! Dauert auch nur 15'.
beste Grüße

herbert, Donnerstag, 31.August, 20:53 Uhr

35. 40 min für 5 Kilometer

Welch populistische Überschrift und Bericht. Besteht nur aus künstlicher Aufregung. 5 Kilometer beträgt die Luftlinie nach Hause, auf der Strasse sicher mehr; die Busverbindung nicht gewählt; die U-Bahn Abfahrtszeiten nicht gekannt; den Stau auf Tangente und Zubringer nicht berücksichtigt; die Parkplatzsuche in Fürth-Zentrum zeitlich unterschlagen. Neuling bei der Benutzung von Öffentlichen? Würde mich schämen, meine Unwissenheit so zur Schau zu stellen.
Eigentlich ein Bericht der die "mediale Aufregungs- und Entrüstungsindustrie" bestätigt.

Motzki, Donnerstag, 31.August, 18:35 Uhr

34. Heimarbeit verringert Pendlerverkehr

Wir brauchen endlich eine Infrastruktur, die Heimarbeit ermöglicht. Dazu gehört:
- Breitbandausbau. Und zwar tatsächlich Breitband, und auch im Upstream.
- Verbieten, daß die Internetprovider VoIP-Anwendungen in ihren AGBs ausschliessen. Wenn ich von zuhause arbeite, habe ich normalerweise eine VoIP-Kommunikationsanwendung, die vom Arbeitgeber gestellt wird. Und dann darf es nicht sein, daß mein Internetprovider das blockieren darf.
- Arbeitgeber, die Heimarbeit erlauben und unterstützen.

Natürlich kann nicht jeder und immer von zuhause arbeiten. Aber wenn man das in den möglichen Fällen macht, dann ist schon viel gewonnen.

  • Antwort von Peter, Donnerstag, 31.August, 20:54 Uhr

    Wer in Heimarbeit die Lösung aller Pendlerprobleme sieht, verkennt dass es auch Arbeiten abseits des Büros gibt.

    Wie soll eine Supermarktverkäuferin, eine Pflegekräfte, ein Hausmeister, ein Handwerker, ein Bauarbeiter, ein Busfahrer, ein Lehrer, ein Sozialarbeiter, die Restaurantbedienung usw. Heimarbeit machen? Die allermeisten Menschen arbeiten eben nicht virtuell sondern real vor Ort.

Wolfgang, Donnerstag, 31.August, 17:53 Uhr

33. Pendlerpauschale, Arbeitswegwerbungskosten abschaffen.

Nicht sofort und gleich aber angekündigt mittelfristig.

So daß sich die Bevölkerung, auch die Firmen darauf einstellen können, Arbeit oder Wohnung in der Nähe suchen. In etwa 6 Jahren damit anfangen und die Pauschale dann jährlich um 10% kürzen. Kinder wechseln irgendwann die Schule oder in Ausbildung und Studium, Firmen werden umgebaut, wechseln Fialen und/oder Standorte. Personal verlässt Firmen, ander werden neu eingestellt, dann ist eben kurzer Arbeitsweg ein Kriterium zum beiderseitigen Vorteil bei Arbeits- und Wohnungswahl, je nach dem...

Und für Gemeinden, Wenn es nicht gerade Sprengstoffwerke sind oder Großindustrie, erlaubt den Bau von kleinen Wohnungen für Singles gemischt im Gewerbegebiet. Dort Wohnen muss ja keiner, aber warum nicht dürfen wer es mag.

Kraftwerk Töging mit Aluminiumhütte, 1923 erbaut, Werksiedlung 500m entfernt, München Allach, MAN und Kraus-Maffei, mit Werkssiedlung. Die dort wohnen mögen es so, sonst gäbe es Leerstand...

  • Antwort von Anne, Donnerstag, 31.August, 19:35 Uhr

    Mein ganzes Arbeitsleben wäre anders verlaufen, wenn in meiner Stadt die Straßenbahnlinie 6 nicht so unzuverlässig gewesen wäre (und heute - 50 Jahre später - immer noch ist). Bereuen musste ich meine damalige Entschedung zum Glück nicht.

  • Antwort von Peter, Donnerstag, 31.August, 21:04 Uhr

    Was für eine schreckliche Vorstellung, dass ich meiner Arbeit hinterher ziehen müsste und selbst sowie meine Familie aus unserem sozialen Umfeld reisse müsste.

    Wie kann man auf die Idee kommen, dass es Leuten gefallen würde, statt direkt neben der Omas und den Freunden 100 km entfernt zu wohnen, nur weil dies 2 Stunden Fahrt für den Papa spart?

  • Antwort von Wolfgang, Freitag, 01.September, 08:36 Uhr

    @ Peter, bite klarer denken.

    1. Es wohnen viele nach ihrer akademischen oder berufsfachlichen Ausbildung 200km vom Opa entfernt UND dann zusätzlich 60km PKW-Pendelweg.

    2. Am neuen Wohnort in neuer Nachbarschaft gibt es genauso wertvolle Menschen die Freunde dann werden ( wenn man will und sich nicht weigert ).