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Modehauskette in der Krise Wöhrl und Verdi streiten sich

Die Mitarbeiter der Modehauskette Wöhrl sind verunsichert, so Verdi. Die Gewerkschaft wirft dem angeschlagenen Unternehmen eine mangelhafte Informationspolitik vor. Wöhrl weist diese Vorwürfe zurück.

Von: Rainer Aul und Christian Schiele

Stand: 30.11.2016

Ver.di-Protestaktion bei Wöhrl in Nürnberg | Bild: BR-Studio Franken/Nicole Schmitt

Die bisher von der Geschäftsleitung weitergegebenen Informationen hätten "wenig Sicherheit und Klarheit für die Beschäftigten gebracht", heißt es in einer Mitteilung von Verdi. Es herrsche eine "Gemengelage aus Wut, Unsicherheit und Misstrauen".

"Konkrete Visionen, wie man dauerhaft im umkämpften Textileinzelhandel auch im operativen Geschäft bestehen möchte, sind bisher nicht formuliert."

Dominik Datz, Tarifverantwortlicher für Verdi bei Wöhrl

Mit einem "starken Stellenabbau in der Zentralverwaltung" sei zu rechnen, so Verdi. Darüber hinaus befürchtet die Gewerkschaft weitere Filialschließungen. Dafür spreche die Tatsache, dass Wöhrl gegenüber Verdi bisher keine Gesprächsbereitschaft über einen Tarifvertrag zur Beschäftigungs- und Standortsicherung signalisiert habe.

Wöhrl: Weder Personalabbau, noch Gehaltskürzungen

Der Vorstand der Modehauskette Wöhrl weist die Vorwürfe der Gewerkschaft Verdi indes zurück. So habe Verdi wiederholt behauptet, dass sich Wöhrl im Rahmen seiner Sanierungspläne darauf beschränke, Personal abzubauen. Dies treffe nicht zu, heißt es in einer Mitteilung von Wöhrl.

Selbstverständlich müssten Kosten eingespart werden. Dafür habe das Unternehmen einen 15-Punkte-Plan vorgelegt, der vorsehe, an vielen Stellen zu sparen – aber nicht bei den Mitarbeitern. Das Unternehmen betonte in seiner Mitteilung ausdrücklich, dass Mitarbeiter nicht auf Teile ihres Gehalts verzichten müssten. Ziel sei es vielmehr, Standorte und Arbeitsplätze langfristig zu sichern.

"Haltlose Behauptungen"

Außerdem habe Verdi wiederholt behauptet, Mitarbeiter und Betriebsräte würden nicht über die Sanierung des Unternehmens informiert werden. Auch dies sei nicht richtig. Alle Betriebsräte seien "regelmäßig, rechtzeitig und umfassend" vom Vorstand über die Sanierungspläne informiert worden, so das Unternehmen. Seit Anfang September seien mehrere Mitarbeiterversammlungen abgehalten worden und es gebe nun einen Helpdesk für Mitarbeiter. Erst vor zwei Tagen sei zudem ein Schreiben mit ausführlichen Informationen an die Mitarbeiter verschickt worden.

"Die haltlosen Behauptungen von Verdi werden nicht richtiger, je öfter sie vorgetragen werden."

Christian Gerloff, Restrukturierungsvorstand der Rudolf Wöhrl AG

Wöhrl vermisst konstruktive Vorschläge

Auch die Solidaritätskundgebungen vor Wöhrl-Filialen in ganz Bayern seien wenig hilfreich. Die Gewerkschaft habe bislang keine konstruktiven Vorschläge gemacht und versuche nur, sich auf Kosten des Unternehmens zu profilieren.

Hintergrund: Modehaus Wöhrl

Die Rudolf Wöhrl AG wurde 1933 in Nürnberg gegründet. Das Stammhaus am Weißen Turm existiert bis heute. In den 1950er-Jahren eröffnete Wöhrl die ersten Filialen in Erlangen und Regensburg. 2002 wurde das Geschäft in eine Familien-AG umgewandelt. Zuletzt war die Modehaus-Kette ins Straucheln geraten – und will nun nach Ablauf einer dreimonatigen Schutzfrist in die Insolvenz gehen.

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das Arbeitdende Volk, Mittwoch, 30.November, 18:37 Uhr

2.

Wenn zum Jahresende die Zahlen nicht passen dann drehn die Anzugträger gleich am Rad.So ist das in "" D "".

Hermann, Mittwoch, 30.November, 18:32 Uhr

1.

Die Gewerkschaften wären besser beraten, sich zurückzuhalten. Die haben doch nur das Ziel, sich zu profilieren und nochmal ordentlich abzukassieren. Ein konstruktiver Beitrag kommt von denen ganz sicher nicht. Irgendwelche Lichterketten sind auch nur Aktionismus und helfen nicht weiter.
Was wurde eigentlich aus den Mitarbeitern von Firmen, die zu den Gewerkschaften gehörten und Sanierungsfälle wurden bzw. Insolvenz angemeldet haben? Darüber schweigen sich die Gewerkschaften lieber aus.