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Insolvenz in Eigenregie Wöhrl spricht mit möglichen Investoren

Nach Ablauf des Schutzschirmverfahrens will das Nürnberger Modeunternehmen Wöhrl ein Insolvenzverfahren eröffnen. Bis spätestens Anfang 2017 soll außerdem ein Investor gefunden werden.

Von: Judith Dauwalter

Stand: 29.11.2016

Die dreimonatige Schutzfrist für die strauchelnde Modekaufhaus-Themen läuft am Mittwoch (30.11.16) aus. Wenn das Amtsgericht Nürnberg den Antrag genehmigt, kann Wöhrl ab dem 1. Dezember in Eigenregie in Insolvenz gehen. Bis spätestens Anfang 2017 will sich das Unternehmen dann für einen Investor entscheiden und einen offiziellen Insolvenzplan vorlegen. Aktuell werden noch Gespräche mit einer Handvoll Interessenten geführt. Wöhrl will das Insolvenzverfahren bis Ende Februar 2017 abschließen, hieß es auf einer Telefonkonferenz des Unternehmens am Montag (28.11.16).

"Meine Zuversicht, dass Wöhrl sanierungsfähig ist und als Ganzes erhalten werden kann, ist heute größer als zu Beginn des Schutzschirmverfahrens. Wir haben in den vergangenen Monaten ein hohes Maß an Loyalität bei vielen Kunden und Lieferanten gespürt."

Andreas E. Mach, Vorstandsvorsitzender von Wöhrl

Niederlassungen auf dem Prüfstand

Außerdem sollen nicht mehr als die angekündigten vier Filialen in München-Neuperlach, Nürnberg-Langwasser, Roth und Berlin geschlossen werden. Dort sind 146 Arbeitsplätze betroffen, aber durch Versetzungen müsse man nur 77 Mitarbeitern kündigen, davon weniger als der Hälfte in Bayern. Außerdem will Wöhrl seine zwei fränkischen und das schwäbische Outlet schließen, da dieses Geschäftsmodell nicht zur Strategie des Unternehmens passe. Dort werde es aber "keine nennenswerten Mitarbeiterentlassungen" geben.

Filialen werden modernisiert

Viele bayerische Wöhrl-Filialen sollen grundlegend modernisiert werden – dort gab es schon Sonderverkäufe, die Mieten sollen angepasst und auch das Sortiment besser an die Kundenwünsche angepasst werden. Der Slogan zu der Aktion lautet: "Wir geben alles, nur nicht auf!". Aktuell betreibt Wöhrl noch 34 Filialen, in denen knapp 2.000 Menschen arbeiten.

Gläubiger müssen mit Verlusten rechnen

Die Wöhrl-Gläubiger haben sich in ihrer Versammlung am Montag (28.11.16) auf den Nürnberger Rechtsanwalt Christian H. Gloeckner als gemeinsamen Vertreter geeinigt. Ihnen schuldet das Unternehmen 30 Millionen Euro. Die Vorstände kündigten an, dass die Gläubiger mit Verlusten rechnen müssen – wie hoch diese sein werden, ist noch unklar.

Gewerkschaften kritisieren Informationspolitik

Dass die Mitarbeitervertreter unzufrieden mit der Informationspolitik des Wöhrl-Managements gegenüber den Mitarbeitern sind, können die Vorstände nicht nachvollziehen. Man habe zu jeder Zeit transparent und aktuell über die nächsten Schritte informiert. Die Gewerkschaft Verdi plant am kommenden Mittwoch (30.11.16) Mahnwachen an verschiedenen Wöhrl-Standorten, darunter Nürnberg und München.

"Kein tragfähiges Konzept vorgelegt"

Die Gewerkschaft Verdi zweifelt im Vorfeld der Telefonkonferenz am Erfolg des eingeschlagenen Sanierungskurses. "Die Geschäftsführung hat dem Betriebsrat bisher noch kein tragfähiges Konzept vorgelegt, wie es mit dem Unternehmen weiter gehen soll", sagte die für Wöhrl zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretärin Gabriele Ziegler. Auch der Wöhrl-Betriebsrat habe "nicht den Eindruck, dass bereits ein Konzept vorliegt, das etwa die Kundenpräsenz stärkt und den Umsatz erhöht", so Ziegler weiter. Das Sanierungskonzept des Vorstands beschränke sich auf die Einsparung von Personalkosten.

Hintergrund: Modehaus Wöhrl

Die Rudolf Wöhrl AG wurde 1933 in Nürnberg gegründet. Das Stammhaus am Weißen Turm existiert bis heute. In den 1950er-Jahren eröffnete Wöhrl die ersten Filialen in Erlangen und Regensburg. 2002 wurde das Geschäft in eine Familien-AG umgewandelt.


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