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IAB-Studie Zeitarbeitsfirmen bieten Flüchtlingen Jobs

Flüchtlinge schaffen vor allem über Zeitarbeitsfirmen den Einsteig in den Arbeitsmarkt in Deutschland. Jede vierte Zeitarbeitsfirma hat schon Erfahrung mit Geflüchteten gemacht. Chancen bieten auch Großbetriebe.

Stand: 20.06.2017

Symbolbild Flüchtlinge erlernen in einer Ausbildungswerkstatt in einem Vorbereitungspraktikum Grundfertigkeiten der Metall- und Elektrotechnik. | Bild: Friedhelm Loh Group/dpa

Mehr als 11.500 Betriebe in Deutschland hat das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung im vierten Quartal 2016 befragt. Das Ergebnis: Jede vierte Zeitarbeitsfirma (25,2 Prozent) hat Geflüchtete zu Vorstellungsgesprächen geladen, ihnen ein Praktikum ermöglicht oder sie fest eingestellt. Gleich dahinter folgen das Gastgewerbe und der Bereich Erziehung und Unterricht mit jeweils knapp 16 Prozent. Die Erfahrung aller Betriebe in Deutschland lag im gleichen Zeitraum bei zehn Prozent.

Zeitarbeit stellt die meisten Geflüchteten ein

Auch bei den Einstellungen lag die Zeitarbeitsbranche weit vorn: 13 Prozent von ihnen haben einem der geflüchteten Menschen, die seit 2014 nach Deutschland kamen, einen Arbeitsvertrag gegeben. Der Durchschnittswert für die Gesamtwirtschaft lag im gleichen Zeitraum bei 3,5 Prozent. Aber immerhin 16 Prozent der Betriebe planten der IAB-Studie zufolge die Einstellung von Geflüchteten, acht Prozent eine Ausbildung. Die niedrige Einstellungsquote ist nicht mit dem Unwillen der Unternehmen zu erklären, sagte Alexander Kubis, einer der IAB-Forscher.

"94 Prozent der Betriebe in Deutschland sind Kleinbetriebe, die stellen üblicherweise nur selten jemanden neu ein."

Alexander Kubis, Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung

Die besten Chancen hätten Geflüchtete derzeit bei Groß- und Mittelbetrieben, vor allem bei jenen, die viele Arbeitskräfte mit ausländischer Nationalität beschäftigen.

Mangelnde Deutschkenntnisse verhindern Einstellung

Der Hauptgrund dafür, einen Flüchtling nicht einzustellen, sind vor allem unzureichende Deutschkenntnisse, aber auch die nicht ausreichende Qualifikation. Hier seien erhebliche Anstrengungen des Staates, der Betriebe und der Geflüchteten selbst notwendig, damit diese Bevölkerungsgruppe künftig einen Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs leisten kann, schreibt das IAB. Ob in diesem Jahr mehr Geflüchtete eine Arbeitsstelle finden, wird weiter erforscht. Für das vierte Quartal 2017 plant das Institut eine erneute Befragung der Betriebe in Deutschland.


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