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Nürnberg & Schweinfurt Vesperkirchen öffnen ihre Pforten

Die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche in der Nürnberger Südstadt hat erstmals ihre Türen als Vesperkirche geöffnet. Im Kirchenraum wird Essen und Trinken angeboten – aber auch juristische Beratung oder Maniküre. Schweinfurt ist zum zweiten Mal dabei.

Stand: 18.01.2016

Speisen in der Vesperkirche – ein Erfolgsmodell. Eine warme Mahlzeit gibt es in Nürnberg seit Sonntag (17.01.16) zum Beispiel für den symbolischen Preis von einem Euro. Wer will, kann sich beispielsweise auch kostenlos die Haare frisieren lassen, sich ärztlich oder juristisch beraten lassen oder einfach nur die Tageszeitung lesen. Die Idee einer Vesperkirche kommt aus Baden-Württemberg, wo jährlich in rund 20 evangelischen Kirchen soziale Projekte angeboten werden. In Schweinfurt gab es im vergangenen Jahr zum ersten Mal eine Vesperkirche in Bayern.

"In Schweinfurt waren wir völlig überwältigt von dem Andrang. Es mussten wesentlich mehr Essen ausgegeben werden, es gab lange Schlangen, es gab sehr viele Menschen, die gerne an der Vesperkircheteilgenommen haben – aus allen Schichten der Gesellschaft."

Michael Bammessel, Präsident der Diakonie Bayern

Für alle offen

Weitere Infos

Die Nürnberger Vesperkirche hat von 17. Januar bis zum 28. Februar täglich von 10.30 Uhr bis 15.30 Uhr geöffnet. An den Sonntagen sowie an zwei Samstagen finden jeweils um 17.00 Uhr Benefizkonzerte statt.
Weitere Informationen auf der Internetseite der Nürnberger Vesperkirche.

Nach dem Erfolg sollen in diesem Jahr nun auch in Nürnberg viele Menschen zusammenkommen und das Angebot nutzen. "Bayern gilt als reiches Land, aber wenn man genauer hinschaut, gibt es erstaunlich viele Menschen, die an der Armutsgrenze leben. Oft sieht man das gar nicht, weil sie die Armut verstecken", so Bammessel. Der Diakonie-Präsident betonte jedoch, das Angebot gelte für alle. Nicht nur Bedürftige seien willkommen.

"Wir sind einerseits für die Armen da, das sind wir eigentlich immer, aber nie so sichtbar wie wenn der Kirchenraum direkt auch für arme Menschen geöffnet wird, aber jetzt kommt eben das andere dazu: Gerade die Kirche hat ihre große Stärke darin, verschiedene Generationen und Gesellschaftsschichten miteinander zu verbinden."

Michael Bammessel

In Schweinfurt startet die zweite Vesperkirche am Sonntag (17.01.16) in der evangelischen St. Johanniskirche mit einem Gottesdienst, den Regionalbischöfin Gisela Bornowski vom evangelischen Kirchenkreises Ansbach-Würzburg hält. Die ersten Essen werden ab 11.30 Uhr ausgeteilt. Die Vesperkirche in Schweinfurt dauert bis zum 7. Februar. Oliver Bruckmann, Dekan des evangelisch-lutherischen Dekanats Schweinfurt, erwartet in den 22 Tagen wieder rund 11.000 Menschen zur Bewirtung. Rund 250 ehrenamtliche Helfer stehen bereit, um täglich bis zu gut 500 Menschen zu bewirten.

"Es gibt Leute, die bringen ein Drittel ihres Jahresurlaubs ein, um sich als ehrenamtliche Helfer in der Vesperkirchezu engagieren."

Oliver Bruckmann, Dekanat Schweinfurt

Das Essen wird von der Küche des Schweinfurter Leopoldina-Krankenhauses gekocht und geliefert. An drei Abenden wird es auch Konzerte und eine Lesung geben.


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Udo Pablitschko, Montag, 18.Januar, 09:16 Uhr

4. Kirchennutzung im Sinne von MENSCHLICHKEIT

Bravo !

Endlich eine sinnvolle Nutzung von "Sakralbauten" !!!

Bitte massiv ausweiten !

Dag, Sonntag, 17.Januar, 19:29 Uhr

3.

Das war zu erwarten…
Vielleicht werden auch bald noch Geldwechsler und Händler in der Kirche ihren Platz finden und auf dem Altar wird fröhlich mit viel Alkohol freizügig gevöllert.
Das Haus des Gebetes, dass dem Gottesdienst vorbehalten sein soll verliert an Bedeutung. Wie der Herr dazu steht, in dessen Namen das Haus gebaut worden ist, kann man in der Bibel nachlesen Markus 11,15-19 (Stichwort: Tempelreinigung).

  • Antwort von Margit, Montag, 18.Januar, 08:05 Uhr

    Bitte einfach mal kommen und das Gefühl erleben. Es passiert etwas mit dir, wenn man die Kirche betritt. Es entstehen viele tolle Gespräche. Nicht immer alles schlecht reden im Vorfeld. Sich einfach auch mal öffnen, sein Herz öffnen. Probieren sie es aus. Es wird ihren Geist auf alle Fälle bereichern.

  • Antwort von Dag, Montag, 18.Januar, 11:12 Uhr

    @ Margit
    Vielen Dank für Ihre Einladung.
    Aber ich werde noch warten bis die erste Late Night Disco in der Kirche stattfindet.
    Bis dahin werde ich die Kirche im Dorf lassen und sie wie bisher nach ihrem Bestimmungszweck nutzen, der den Geist nebenbei auch sehr bereichern kann, in Form des Gottesdienstes.

  • Antwort von dildoldi, Dienstag, 19.Januar, 09:05 Uhr

    @dag
    Was wird denn im Gottesdienst so alles an Botschaft verkündet ? Auch mal hingehört, noch besser, auch verstanden wie das gemeint ist ? Und was kümmert es Sie, wenn die Räume der Kirche für aktive Barmherzigkeit genützt werden ? Findet das etwa zeitgleich mit den Gottesdiensten statt ? Und was der "Herr" dazu sagen würde, weiss kein Mensch, das was in der Bibel steht, ist erst schlappe 300 Jahre später schriftlich fixiert worden, nicht ohne politischen Präferenzen nachzugehen. Also versuchen Sie mal, ein bischen von dem zu praktizieren was in der Bibel rauf und runter propagiert wird : Toleranz und Nächstenliebe, auch wenn die nachsten dort nicht unbedingt der eigenen, selbstgerechten, bigotten Gesellschafts- bzw. Einkommensschicht zugehörig sind !

    MfG

  • Antwort von Dag, Freitag, 22.Januar, 04:05 Uhr

    @ dildoldi
    Verkündet werden z.B. auch die Achtung und der Respekt vor christlichen Institutionen und Räumlichkeiten, wenn man sie denn schon nutzen möchte. Ob vespern, juristische Beratung und Maniküre als „aktive Barmherzigkeit“ dazu gehört kann man bezweifeln. Insbesondere wenn man die Botschaft im dortigen Gottesdienst aufnimmt und reflektiert! Was der Herr dazu sagen würde, maße ich mir nicht an zu wissen, ziehe daher lieber seine Meinung hinzu auch wenn sie „schlappe 300“ Jahre später niedergeschrieben worden ist. (70 Jahre nach Christus wären wohl realistischer.)
    Eine Nutzung im Sinne des „Eigentümers“ ist daher meiner bescheidenen Meinung nach nicht selbstgerecht und binär, sondern ehrlich und integer. Diese Eigenschaften sind in der heutigen Welt wohl eher fehl am Platz, daher passt das Konzept sehr gut in die Realität (unabhängig von der Einkommensschicht.)
    Hochachtungsvoll

Altchristin, Sonntag, 17.Januar, 18:20 Uhr

2. Narrenfreiheit allerorten.

Gegen Dummheit gibt es kein Mittel... Dass man in einem Pfarrhaus für Bedürftige Essen anrichtet und ausgibt, ist ein frommes und gutes Werk! Doch eine geweihte Kirche als Gastronomieeinrichtung zu nutzen ist gewöhnungsbedürftig. Dass man noch Maniküre und Haarschnitt anbietet dürfte jedoch die Grenze des Erträglichen überschreiten, da muss es doch eine andere Möglichkeit für geben... Juristische Beratung - sicher für Flüchtlinge, damit die richtig auf alle Möglichkeiten des Aufenthaltserstreitens hingewiesen werden können. Alles schön organisiert und bezahlt vom fleißigen Kirchensteuerzahler. Wo sind wir denn nur gekommen?

Elfriede Schhwendner, Sonntag, 17.Januar, 17:34 Uhr

1. Vesperkirche

Ich habe das bei einem England Aufenthalt besonders in London kennengelernt und wundere mich nur dass es nicht auch in katholischen Kirchen möglich ist.
Das wäre ein Beitrag zur gelebten Nächstenliebe und würde auch Kirchenbesucher vielleicht zurückbringen

  • Antwort von Mittsechziger, Sonntag, 17.Januar, 18:11 Uhr

    Vielleicht sollte man nicht jeden Quas mit machen. Kirchen als Gaststätten zu gebrauchen mag gerade noch entschuldbar sein. Aber darin Maniküren vorzunehmen? Ehrlich, da graust es mich. Vielleicht ist man einfach nur zu alt, um diesen neumodischen Kram noch aufzunehmen. Aber die Werte schwinden generell, die Hochachtung für unsere ehrwürdigen Glaubensstätten sowieso und auch für uns Christen generell. Es sind nicht zuletzt die oberen Vertreter unseres Glaubens schuld, denn die machen sich mehr und mehr zu Dienern der Sozialromantiker und des Islams.

  • Antwort von Wie bitte?, Montag, 18.Januar, 00:10 Uhr

    Was hat das jetzt mit dem Islam zu tun?