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Provokante Aktion in Nürnberg Kulturaktivisten wollen Stadtmauer abreißen (lassen)

Sie ist ein Symbol für den Kleingeist, Kleinmut und die Engstirnigkeit Nürnbergs: die Stadtmauer. So empfinden es zumindest die Kulturaktivisten des Bündnisses "Noris ohne Mauer". Ihre provokante Forderung: "Die Mauer muss weg!"

Von: Christian Schiele

Stand: 17.05.2017

Stadtmauer in Nürnberg | Bild: picture-alliance/dpa

Diese Forderung ist auf der Internetseite des Aktionsbündnisses zu lesen. Zusammen mit einem Manifest, in dem das Aktionsbündnis begründet, warum die Stadtmauer schleunigst abgerissen werden sollte. Immerhin bewerbe sich Nürnberg gerade darum, im Jahr 2025 Europäische Kulturhauptstadt zu werden.

"Als einzige Stadt seiner Größe hat es Nürnberg verpasst, sich im 18. und 19. Jahrhundert seiner Stadtmauer zu entledigen."

Aktionsbündnis 'Noris ohne Mauer'

Grässliches Bauwerk

Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg sei dieses grässliche Bauwerk gar wieder aufgebaut worden und solle nun für Millionen Euro saniert werden, so die Aktivisten. Das Aktionsbündnis kritisiert, dass sich Nürnberg damit einmal mehr lieber mit seiner Vergangenheit beschäftige, als gegenwärtige kulturelle Strömungen wahrzunehmen.

"Diese Engstirnigkeit hat in den vergangenen Jahren viele KünstlerInnen (…) dazu veranlasst, Nürnberg zu verlassen."

Aktionsbündnis 'Noris ohne Mauer'

Ultimatum für die Stadt

Die Mauer müsse deshalb weg. Das Bündnis hat der Stadt Nürnberg dafür ein Ultimatum gestellt: Bis Ende Mai solle die Mauer abgerissen werden. Sollte bis dahin nichts passieren, werde man selbst Hand anlegen, heißt es weiter.

"Wir werden am 1. Juni aktiv werden."

Tobias Lindemann vom Bündnis 'Noris ohne Mauer'

Provokant und ironisch – aber mit ernstem Hintergrund

Es sei zwar eine provokante und ironische Aktion, "aber mit ernstem Hintergrund", so Tobias Lindemann vom Bündnis "Noris ohne Mauer". Was genau die Kulturschaffenden mit ihrer Aktion bezwecken, will Lindemann bei einem Vortrag im Nürnberger Heizhaus verraten. Dort wird er am 18. Mai das "Noris ohne Mauer"-Projekt vorstellen.

Stadtführerin: "Das bisschen Mittelalter"

Bei Stadtführerin Doris Ritter stoßen die Forderungen auf Unverständnis. Sie versteht nicht, wie man etwas gegen die Stadtmauer haben kann.

"Ich finde, dass Nürnberg inzwischen so offen ist, dass das bisschen Mittelalter, das hier noch übrig ist, überhaupt keine Rolle mehr spielt."

Doris Ritter, Stadtführerin in Nürnberg

Die Stadtmauer sei für Nürnberg ein Alleinstellungsmerkmal. "Nürnberg ist die einzige Großstadt in Europa mit einer noch fast intakten Stadtbefestigung", so Ritter. Und:

"Die Stadtmauer ist an so vielen Stellen unterbrochen, sie sollte keine Barriere sein für alle Kulturschaffenden und Freigeister. Nürnberg ist inzwischen eine sehr moderne und offene Stadt."

Doris Ritter, Stadtführerin in Nürnberg


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Kommentare

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Armin Frank, Samstag, 20.Mai, 16:28 Uhr

7. Freunde der Feinde der Altstadtfreunde

Ganz schön viele Fragezeichen lieber @dildodoldi, und dabei wirken Sie so gehetzt. Haben Sie nicht mitbekommen, dass Sie mit jedem Kommentar die These bestätigen? Niemand hat die Absicht Ihnen Ihre Mauer zu nehmen, oder etwa doch? Am 1.Juni werden wir mehr wissen. Ich lege derweil Fackel und Mistgabel bereit um in historisch einwandfreier Art und Weise Schulterschluss mit den "Freunden der Feinden der Altstadtfreunde" zu suchen.

einfach köstlich

SolidWorker, Samstag, 20.Mai, 15:10 Uhr

6. Was für eine erfrischende Initiative!


Das habe ich dieser gemütlichen Metropole gar nicht zugetraut.
Die Forderung nach unkonventionellen Ideen in immer komplexer werdenden Zeiten
kann ich als Ingenieur nur unterstützen, denn einfacher wird es nicht!

Dafür braucht es Räume und ein Klima in dem konstruktiv diskutiert und entworfen werden kann:

Jede Gesellschaft muss sich von Zeit zu Zeit selbst überprüfen, eine Vision entwickeln und aktiv seine Zukunft gestalten.
Die, die das verpassen verlieren Stück für Stück an Relevanz und werden aussterben.

Ich würde diese Aktion als Einladung verstehen, einmal darüber nachzudenken wie wir leben wollen.
Im Transformationsprozess zu einer Wissensgesellschaft auf der Landkarte zu bleiben
und dabei eine lebenswerte Stadt zu entwickeln wäre der Lohn für diese nicht ganz einfache Aufgabe.

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Udo Pablitschko, Freitag, 19.Mai, 18:11 Uhr

5. Künstler gegen ästhetisches Bauwerk ?

Besser:
die "Künstler" von der Sorte "Kunnst ma fünf Markl leih´n" müssen weg !

Manfred Schmidt, Donnerstag, 18.Mai, 12:35 Uhr

4. schlechter Aprilscherz

Wäre die Meldung am 01. April erschienen hätte ich gesagt, die Aprilscherze waren früher auch origineller...

Jonas, Donnerstag, 18.Mai, 09:13 Uhr

3.

Viel schlimmer als die Stadtmauer sind doch die Relikte aus den 60er/70er Jahren, als man dachte die "autogerechte Stadt" sei eine gute Idee.