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Siemens in Nürnberg 800 Mitarbeiter kämpfen gegen Stellenabbau

Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall haben rund 800 Siemens-Mitarbeiter gegen den geplanten Stellenabbau in Nürnberg protestiert. Viele werfen den Managern "Gewinnwahn" vor.

Von: Diana Deutschle

Stand: 11.03.2016

An die soziale Verantwortung der Konzernchefs wolle er schon gar nicht mehr appellieren, sagte Siemens-Betriebsratsvorsitzender Gerald Eberwein. Er hoffe nun auf die Vernunft der Verantwortlichen. Eberwein warf den Entscheidern Gewinn- und Margenwahn vor. In der Vergangenheit seien Fehler im Controlling, Planungs- und Verwaltungssystem gemacht worden, die nun die Arbeitnehmer ausbaden müssten. Daher habe man manche Aufträge gar nicht erst angenommen.

Vorwurf: Produktion soll ins Ausland verlagert werden

Auch das Argument der Siemens-Chefs, dass der Markt in Europa zurückgehe, ließ der Betriebsratsvorsitzende nicht gelten. Anscheinend gehe es nur darum, die Produktion weg von Deutschland ins Ausland zu verlagern, so Eberwein weiter. Derselbe Vorwurf kam von IG Metall-Funktionär Rudi Lutz.

"Unverständnis, Wut und Bestürzung" herrschten unter der Belegschaft, sagte Lutz. Der Konzern hatte mitgeteilt, deutschlandweit 2.000 Stellen streichen zu wollen. Nürnberg ist am stärksten betroffen, dort sind 733 Arbeitsplätze bedroht. Betroffen ist die Sparte Prozessindustrie und Antriebe, die durch den niedrigen Ölpreis mit einer Nachfrageflaute und Überkapazitäten kämpft.

Maly wünscht sich mehr Fantasie vom Management

Die teilnehmenden Auszubildenden sehen eine Übernahme nach ihrer Lehrzeit und ihre Zukunft in Gefahr. Zur Protestveranstaltung am Siemens-Standort in der Gugelstraße waren auch der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) und Michael Fraas (CSU), Wirtschaftsreferent der Stadt, gekommen. Maly sagte, er wünsche sich mehr Fantasie in der Vorstandsetage von Siemens und mahnte, weitere Lösungsmöglichkeiten zu suchen und nicht nur den einfachsten Weg zu gehen und Jobs zu streichen.

Weitere Proteste geplant

Die IG Metall Nürnberg will auch weiterhin mit spontanen Aktionen auf die Sorgen der Belegschaft aufmerksam machen. Nach Ostern, wenn intern die Gespräche mit dem Betriebsrat beginnen, will man weiter protestieren.

Stellenstreichungen an etlichen Standorten

Neben Nürnberg will Siemens auch an weiteren Standorten Stellen streichen. In Ruhstorf (Lkr. Passau) sollen 700, in Bad Neustadt 350 und in Erlangen etwa 150 Stellen wegfallen, sagte ein Siemens-Sprecher. Wann die Stellen abgebaut werden, ist noch unklar. Das Unternehmen versuche aber, "betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden", hieß es.

Nürnberg-Vogelweiherstraße

Am Standort in der Nürnberger Vogelweiherstraße sind rund 3.500 Mitarbeiter beschäftigt. Knapp die Hälfte sind in der Fertigung tätig, die vom geplanten Stellenabbau vorrangig betroffen sein wird. Hergestellt werden unter anderem Motoren für Ölförderpumpen oder Schiffsantriebe.


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Fritz , Samstag, 12.März, 23:37 Uhr

7. Stellenabbau

Zuerst ruht man sich auf seinen Erfolgen aus, freut sch über die hohen Gewinnmargen und verhindert bzw. unterstützt innovative Ideen nicht. In der Krise ist Siemns immer schnell mit Stellenabbau dabei, was meist dann in Outsourcing, Verkauf oder Stilllegung endet. Es gibt eine Vielzahl an Beispielen in Zahlreichen Geschäftsbereichen. Es ist immer leichter Stellen abzubauen oder zu verlagern als mit den Menschen zusammen neue Ideen umzusetzen. Sollte sich die. Wirtschaftliche Lage verbessern, dann kann man ja schnell mit ein paar Milliarden wieder einen Bereich zukaufen.

Guido Langenstück, Samstag, 12.März, 15:06 Uhr

6. Siemens-Stellenabbau

Na Bravo, Joe Kaeser!
Ist ja eine "Spitzenleistung", Arbeitsplätze zu streichen. Schon mal darüber nachgedacht, was passiert, wenn die Konjunktur wieder anzieht und Sie keine Fachkräfte mehr in Nürnberg und den anderern betroffenen bayrischen Standorten haben? Klar doch: Zukünftig lassen Sie vornehmlich im Ausland produzieren, weil die Arbeitskräfte dort viel billiger und die Gewerkschaften weniger aufmüpfig als in Deutschland sind.
Aber das juckt Sie in Ihrem Büro im für 80 Mio. € (?) am Wittelsbacher Platz in München hochgezogenen Neubau ja überhaupt nicht.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich die bayrischen Politiker (mit MP Horst Seehofer an der Spitze) nicht mehr bei irgendwelchen medienwirksamen Werksbesuchen (Seehofer war vor ca. 3 Monaten im Siemens-Werk in Amberg/Opf.) am Nasenring durch die Manege führen lassen. Da zeigte Joe Kaeser nur sein Rosinengesicht. Wäre er bei Seehofers Besuch wenigstens so charakterstark gewesen, um ihm reinen Wein einzuschenken.
Pfui, Herr Kaeser!

Raffke gnadenlos, Samstag, 12.März, 11:57 Uhr

5. Ethik ist mehr als ein Fremdwort

Ist doch klar:
In den Managerschulen wird soziale Verantwortung nicht gelehrt und kommt dann in der Praxis auch nicht vor. Was aber gelehrt wird, ist, sich die Taschen voll zu machen - soviel und solange es geht.

abdul, Samstag, 12.März, 09:03 Uhr

4.

da werden wieder steuer-und rentenzahler abgebaut , und zwar welche die noch anständig verdienen ,keine mindestlöhner . die politik hat das wohl noch gar nicht kapiert ? und die die man in rente schickt hinterlassen keinen der für sie in zukunft einzahlt . den es gibt ja ihren job nicht mehr . schon mal daran gedacht liebe politiker ! aber ist doch alles kein problem uns fehlen ja facharbeiter und keine jobs , sgen zumindest die arbeitgeber und die politik , oder ?
also warum demonstriert ihr eigentlich mit , hr. maly ?

dildoldi, Samstag, 12.März, 07:58 Uhr

3. Stellenabbau bei Siemens

Ist doch alles lange bekannt, was das Sozialverhalten des Managements betrifft. Mit Plakaten und Schildern vor den Standorten rumrennen kümmert die genau was : richtig, einen feuchten Kehricht ! Und die IG Metall wieder mal vorne mit dabei bei der Kanalisierung der Proteste ! Bei so einer "Gewerkschaft" ( sitzen die nicht auch mit im Aufsichtsrat, wie wärs mal z.B. mit unter Protest den Sitzungssaal verlassen, ach entschuldigung, bringt ja nix, sagt die IG Metall ) freut sich doch jeder Kapitalist ! Liebe Beschäftigte, spart euch das Rumgerenne, ihr werdet mit Protesten genauso arbeitslos sein wie ohne Proteste, wetten ? Es sei denn, ihr demonstriert mal in der Wohngegend des Managements. Aber ich vergaß, gibt ja da keine Genehmigung dafür, da kann man halt nix machen, sagt die IG Metall, die wohnen gleich zwei Strassen weiter. Ihr seid nun mal Verfügungsmasse für die, die noch nicht reich genug sind, begreift das endlich !

MfG