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Jobabbau bei Siemens Siemens will 1.900 Stellen streichen

Bei Siemens stehen weltweit 2.500 Jobs auf der Kippe – davon rund 1.900 in Bayern. Besonders hart trifft es die Standorte Nürnberg und Ruhstorf im Landkreis Passau. Sorgenkind ist die Antriebssparte. Die IG Metall kündigte Widerstand an.

Von: Andreas Schuster und Christian Schiele

Stand: 09.03.2016

Die Einschnitte treffen vor allem Niederlassungen in Bayern – hier sollen 1.900 Stellen wegfallen, sagte ein Konzernsprecher dem Bayerischen Rundfunk. Der Standort in Nürnberg ist besonders betroffen. In der Vogelweiherstraße sollen 750 Jobs wegfallen. Aber auch in zahlreichen weiteren Niederlassungen sollen Jobs abgebaut werden. In Ruhstorf im Landkreis Passau seien es 700, in Bad Neustadt in Unterfranken droht der Wegfall von 350 Jobs und in Erlangen seien es etwa 150. Wann die Stellen abgebaut werden, ist noch unklar. Das Unternehmen versuche aber, "betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden", hieß es.

"Herber Schlag für Nürnberg"

Seitens der Stadt Nürnberg zeigte man sich betroffen angesichts der von Siemens angekündigten Einschnitte. Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) sprach von einem herben Schlag für den Industriestandort Nürnberg. Man gehe davon aus, dass der Konzern sozialverträgliche Lösungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anbiete.

Zweitschwächste Sparte

Hintergrund sind massive Probleme im Bereich der Großmotorenfertigung des Konzerns. Die weltweit 28 Werke der Sparte "Prozessindustrie und Antriebe" sind nach BR-Informationen im Moment nur etwa zur Hälfte ausgelastet. Der Geschäftsbereich leidet demnach sowohl unter strukturellen Problemen als auch unter der Krise auf dem Ölmarkt, wo sich die Firmen mit Bestellungen neuer Anlagen derzeit zurückhalten.

Die Siemens-Sparte "Prozessindustrie und Antriebe" war zuletzt die zweitschwächste des Konzerns und mit einer Marge von knapp sechs Prozent weit entfernt von den vorgegebenen zwölf Prozent. Wegen der Probleme wurde im vergangenen Jahr auch der Chef der Sparte ausgetauscht, mittlerweile wird sie von Jürgen Brandes geführt. In Deutschland beschäftigt Siemens in dem Geschäftsfeld rund 16.000 Mitarbeiter, weltweit sind es rund 46.000 Beschäftigte.

Kritik am Management

Selbst Siemens-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Birgit Steinborn räumt ein, dass das Geschäftsfeld in einer "sehr schwierigen Situation" sei. Ursache dafür seien aber einmal mehr auch Managementfehler aus der Vergangenheit, die nun die Beschäftigten vor allem in Deutschland ausbaden müssten.

Spartenchef Jürgen Brandes hält dagegen. Die Einschnitte seien in der Tat schmerzhaft. Allerdings habe der Wachstumseinbruch auf den Rohstoffmärkten zu einer erheblichen Verschärfung des Wettbewerbs besonders aus dem asiatischen Raum geführt.

"Wir sind gezwungen, uns auf diese Verhältnisse einzustellen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern."

Jürgen Brandes, Chef der Sparte Prozessindustrie und Antriebe

Ganzer Standort in Gefahr?

Im Fall des Standorts in der Nürnberger Vogelweiherstraße gibt es sogar Befürchtungen, dass der gesamte Standort künftig in Gefahr sein könnte. Erst im Mai 2015 hatte Siemens den Abbau von bis zu 1.300 Arbeitsplätzen in Erlangen und Nürnberg angekündigt. In anderen Geschäftsbereichen will Siemens dagegen wohl investieren. Der Konzern teilte mit, weltweit 25.000 Menschen neu einstellen zu wollen, davon rund 3.000 in Deutschland.

IG Metall kritisiert ideenloses Vorgehen

Die Gewerkschaft IG Metall kritisierte indes, dass ein Technologieführer wie Siemens auf Marktveränderungen erneut ideenlos mit Stellenstreichungen reagiere. Dieses Vorgehen habe bereits in der Vergangenheit nicht die erwünschte Wirkung erzielt, teilte Bezirksleiter Jürgen Wechsler mit. Die Gewerkschaft kündigte an, sich gegen den Stellenabbau bei Siemens wehren zu wollen.

"Die von Herrn Kaeser seit seinem Amtsantritt immer wieder versprochene und beschworene Ruhe im Unternehmen bleibt weiter aus. Wenn sich ein Markt aufgrund technologischer Entwicklungen verändert, kann und muss man von einem Unternehmen wie Siemens erwarten, dass es das frühzeitig erkennt und sich angemessen auf künftige Erfordernisse einstellt."

Jürgen Wechsler, Bezirksleiter IG Metall

Aigner stellt Hilfe in Aussicht

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) stellte den betroffenen Regionen Hilfe in Aussicht. Sie verhandele mit Siemens bereits darüber, wie betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden können.

"Ich bin mit Siemens im Gespräch, auch um für die betroffenen Regionen Zukunftsperspektiven zu entwickeln."

Ilse Aigner (CSU), Bayerns Wirtschaftsministerin

Drei der betroffenen Siemens-Standorte

Nürnberg-Vogelweiherstraße

Am Standort in der Nürnberger Vogelweiherstraße sind rund 3.500 Mitarbeiter beschäftigt. Knapp die Hälfte sind in der Fertigung tätig, die vom geplanten Stellenabbau vorrangig betroffen sein wird. Hergestellt werden unter anderem Motoren für Ölförderpumpen oder Schiffsantriebe.

Bad Neustadt

Am Standort Bad Neustadt hat Siemens derzeit rund 2.300 Beschäftigte, die unter anderem Elektromotoren fertigen. Schon im vergangenen Jahr war die Stimmung angespannt und die IG Metall rechnete damit, dass eine der nächsten Personalabbauwellen auch Bad Neustadt treffen könnte.

Ruhstorf im Landkreis Passau

In Ruhstorf sind etwa 1.300 Mitarbeiter beschäftigt. Der Fertigungs- und Entwicklungsstandort beheimatet die Abteilungen "Digital Factory" und "Process Industries and Drives". Im Werk in Ruhstorf werden hauptsächlich Drehstrommotoren sowie Spezialmaschinen für Sonderanwendungen hergestellt.

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Kommentare

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Sideshow Bob, Freitag, 11.März, 10:07 Uhr

17. Naja

Wenn man jahrelang nicht für den Kunden sondern so arbeitet, dass man jah nicht mehr Aufwand betreiben muss oder mal um die Ecke denkt braucht man sich nicht wundern wenn sich das wirtschaftlich irgendwann nicht mehr rentiert - bei dem Salär. Natürlich gab es auch einige Managementfehler, aber die Fehler nur auf´s Management abzuwälzen ist in diesem Falle zu einfach (bin nicht im Management).

Viele (nicht alle, aber der Zahl an abzubauenden Stellen her plausiblen Zahl!!!!) Mitarbeiter haben sich über Jahre wie die Maden im Speck selbstverliebt in Sicherheit gewogen, Arroganz und Unflexibilität beherrscht(e) im Nurnberger Werk viele Abteilungen, von Kundennähe oder Drang nach Erreichung höherer Kundenzufriedenheit teilweise keine Spur.

Und jetzt überrascht tun!

Für einige tut es mir leid, doch viele wissen doch überhaupt nicht mehr zu schätzen was sie verdienen oder welche Freiheiten sie haben.
Mein Mitleid halt sich in Grenzen und der Abbau erfolgt zurecht!

kleines Licht, Donnerstag, 10.März, 12:41 Uhr

16. Dresser Rand

Warum haben die hohen Herren mit Gewalt letztes Jahr diese Firma fuer Unsummen gekauft? Die jetztige Situation war doch schon absehbar. Haetten sie Dresser Rand 2016 gekauft, haetten sie mindestens 4 Milliarden Euro gespart und muessten jetzt nicht Tausende Arbeitsplaetze auch noch dort "optimieren". Da braucht man sich nicht wundern, wie die Amerikaner ueber Siemens denken.
Die eingesparten Milliarden haetten vermutlich die Dezimierung der Standorte in Rushtorf und Nuernberg stark abmildern koennen.

Dieter, Donnerstag, 10.März, 12:30 Uhr

15. Schließung des LD-Bereiches in Bad Neustadt a.d.S.

Hier bei uns werden 370 Stellen gestrichen, d.h. der LD-Bereich wird in Bad Neustadt aufgelöst.
Ich kann dies nicht verstehen!
Man wird einmal als Vorzeigewerk tituliert um dann am nächsten Tag die Stillegung mitgeteilt zu bekommen.
Und dies aufgrund von Fakten an denen das Siemensmanagement stark mitverantwortlich ist.
Ich hoffe, dass die öffentlichen Medien nicht wie in der Vergangenheit, dies nur kurzzeitig auf Seite 2 erwähnen.

Für mich ist dies ein Weg den Siemens beschreitet, der heißt "Im Osten liegt unsere Zukunft und im Westen nichts Neues"!

Für mich sollte man die Managementfehler eines Siemens Vorstandes mal zum Anlaß nehmen und darüber eine Wirtschaftsdoku verfilmen. "Wie demotiviere ich am besten die MA"

Ich hoffe dass wir Siemens-Arbeitnehmer (Arbeitnehmer!!!) mal zusammenhalten und gemeinsam sagen so nicht!

  • Antwort von H . Sager, Donnerstag, 10.März, 21:50 Uhr

    Schau mal auf deine Gehaltsabrechnung , dann verstehst du warum einfache Arbeiten ausgegliedert werden !3

Alex, Donnerstag, 10.März, 10:17 Uhr

14. Schön verzockt und die Arbeitnehmer dürfen es wieder ausbaden!

"Wir sind gezwungen, uns auf diese Verhältnisse einzustellen..." - deshalb hat man die überteuerte Firma Dresser-Rand zum Hochpunkt des Fracking-Booms gekauft?! Aus dieser antizyklischen vorgehensweise seitens Siemens kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Krise jetzt vorbei sein dürfte..

Günther, Donnerstag, 10.März, 07:09 Uhr

13. herberschlag

für Ruhstorf, liebes BR Team, vielleicht wisst ihr nicht wo Ruhstorf liegt, aber hier in Kreis Passau ist Siemens einer der Größten Arbeitgeber, 700 Leute werden entlassen, dass ist mehr als die hälfte des Standortes, also nicht nur ein herber Schlag für NÜRNBERG und es wird für diese 700 so enden wie mit den 2500 entlassenen Opelianer, die im Anschluss keine Arbeit mehr finden werden, sondern in irgendwelchen Transfergesellschaften wiederfinden für 1 od. 2 Jahren und dann, interessiert sich keine Sau mehr für diese Menschen. Ausserdem hat es nicht nur f. diese Menschen auswirkung sondern für die gesamte Region, Zuliefere, Bäcker, Metzger,etc. aber überso berichtet ihr ja nicht. Sehr schwach für öffentliches TV. sorry, denkt mal nach