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Kult-Jubiläum 40 Jahre "Schweig Bub" – mit Leberknidlersuppm

Eine einzigartige Erfolgsgeschichte: Am 6. Oktober 1976 wurde "Schweig Bub!" in Nürnberg uraufgeführt. Sagenhafte 34 Jahre stand das Volksstück auf dem Spielplan. Zum Jahrestag kehrt der Publikumsrenner als Jubiläums-Lesung zurück.

Von: Frank Staudenmayer

Stand: 30.09.2016

Szenen aus der Aufführung von Schweig Bub im Schauspielhaus Nürnberg | Bild: Schauspielhaus Nürnberg

Das kleine "Fritzla" feiert Konfirmation. Der Ernst des Lebens beginnt: erste Uhr, erster Schnaps – und einmal im Mittelpunkt stehen. Doch weit gefehlt, im fränkischen Volksstück kommt das "Fritzla" einfach nicht zu Wort: "Schweig Bub, sonst wird das Essen kalt." 40 Jahre ist die Uraufführung am Nürnberger Schauspielhaus her. 730 Mal hob sich daraufhin der Vorhang, bis es dann vor sechs Jahren aus dem Spielplan genommen wurde. Doch sein Ruhm und Nimbus weht weiter durch Franken.

"Mei Lebn is etz scho traurig gnug! Jubel, Trubel, Heiterkeit."

Das fränkische Volksstück lässt tief in Volkes Seele blicken. Es wird über alles geredet und über nichts. Von Verdauungsproblemen, über das Mann-Sein bis hin zum Kirchenaustritt.

Und wird mal nicht gesprochen, wird halt gegessen und getrunken. Und das reichlich und real: Zwischen 1976 bis 2010 wurden auf der Bühne rund 50 Hektoliter "Leberknidlersuppm" (Leberknödelsuppe) serviert, dazu über 15.000 Bratwürst', mehr als eine Tonne "Klöß", knapp 8.000 Scheiben Schweinebraten, 77 Hektoliter Bier und mehr als zwei Tonnen "Tortn".

"Halt die Gosch, Bu"

"Schweig Bub" im Nürnberger Schauspielhaus.

Doch das Volksstück kann noch mit ganz anderen Rekorden aufwarten: 34 Jahre lang stand "Schweig Bub" ununterbrochen auf dem Spielplan im Nürnberger Schauspielhaus. Es wurde in 13 Dialekte oder auch ins Flämische übersetzt und machte den Nürnberger Fitzgerald Kusz zu einem der meistgespielten zeitgenössischen Autoren auf deutschsprachigen Bühnen.

"Schweig Bub war wie ein Befreiungsschlag für mich. Ich befreite mich von der kleinbürgerlichen Enge meiner Nachkriegskindheit mit der ganzen Kraft meines Dialekts und meines Humors."

Fitzgerald Kusz im Bayerischen Rundfunk

Die Übersetzungen reichen dabei von Pfälzisch ("Halt die Gosch, Bu") über Schwäbisch ("S'Konfirmandefescht") bis Niederdeutsch ("Swieg still, Jung").

Das Erfolgsgeheimnis sieht Autor Kusz in der Nähe zur Realität: "Man kann sich von dem Stück und den Personen nicht distanzieren und erkennt darin Teile der eigenen Familie wieder."

Sie widmen nicht ihre ganze Zeit dem Bestreben, gescheite Dinge zu sagen, so der Autor.

"[Menschen] sind damit beschäftigt, zu essen, zu trinken, zu flirten und Dummheiten zu sagen – und das ist es, was auf der Bühne vor sich gehen sollte."

Fitzgerald Kusz im Bayerischen Rundfunk

Dialekt-Dauerbrenner

Über die Jahre sind auch acht Fernsehversionen entstanden: Das Bayerische Fernsehen produzierte eine fränkische Version, der hr eine hessische, zweimal das SWR-Fernsehen mit Schwäbisch und Pfälzisch, der WDR im rheinischen Dialekt, der NDR in Plattdeutsch, das Schweizer Fernsehen mit einer schweizerdeutschen und der ORF mit einer österreichischen Version.

Der Bayerische Rundfunk zeichnete zudem in der Originalbesetzung von 1976 Dialekt-Hörspielfassungen auf.

Jubiläumslesung mit Leberknidlersuppm

Das Nürnberger Schauspielhaus würdigt 40 Jahre "Schweig Bub" mit einer Jubiläumslesung. Eine Allstar-Besetzung unter anderem mit Fitzgerald Kusz, Bernd Regenauer und Tristan Vogt wird im fliegenden Wechsel noch einmal die Konfirmationsfeier des jungen Fritz zum Besten geben. Im Anschluss lädt der Förderverein Schauspiel Nürnberg e.V. die Gäste auf eine Leberknidlersuppm ins Foyer ein.


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der frange, Montag, 03.Oktober, 00:05 Uhr

1. Ein frängischer Glassiger ;-)

Ist halt einfach Kult!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!