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Inklusion Roth feiert erstes gehörloses Faschingsprinzenpaar

Im Fasching dominieren Wortwitz, Musik und Gelächter. Beim Rother Carneval Verein funktioniert das heuer anders: Seit Samstag ist Prinzessin Nicky aus Roth die erste gehörlose Prinzessin. Ihr Mann Prinz Andy ist schwerhörig.

Von: Christina Haas

Stand: 15.01.2018

Familie Frisch auf der Bühne, im Hintergrund eine Gebärdendolmetscherin auf Großbildleinwand | Bild: BR-Studio Franken/Christina Haas

Vier Stunden vor der Inthronisation ist Nicole Frisch, die zukünftige Prinzessin, bereits mächtig aufgeregt. Sie wird die erste Gehörlose auf dem Rother Faschingsthron.

"Also am meisten Bammel hab ich, dass ich stolpere und hinfalle oder dass irgendwas so lustig ist, dass ich laut lache und das Lachen nicht mehr kontrollieren kann."

Nicole Frisch

Entscheidende Botschaft

Die 38-Jährige sitzt vor dem Spiegel im Friseursalon und gebärdet, wie sie die gelockte Hochsteckfrisur gerne hätte. Dolmetscherin Marion Rexin übersetzt. Nicoles Mann Andreas hält Händchen, die drei (hörenden) Töchter stoßen mit O-Saft an. Die zehnjährige Nina hatte die Idee, dass ihr Eltern das Prinzenpaar werden. Als der Rother Carneval Verein (RCV) zusagte, ging für Nina ein Traum in Erfüllung. Für ihren Vater zeigt diese Entscheidung noch viel mehr.

"Also die Botschaft ist einfach die Gemeinschaft, dass die Hörbehinderten und Behinderten allgemein auch aufstehen und sagen: Wir schaffen´s. Also dass wir auch mehr akzeptiert werden. Das ist eigentlich unser Ziel."

Andreas Frisch

Der Bart ist gestutzt – das Make-Up sitzt und die Kulturfabrik in Roth füllt sich mit Schmetterlingen, Bäumen und Blumenkindern – Natur pur ist das Thema der Prunksitzung und alle sind neugierig auf das Prinzenpaar. Für den Präsidenten des RCV, Christian Bretzner, bedeutet das besondere Prinzenpaar auch eine Umstellung. Normalerweise ertönt ein Gong, damit alle wissen, dass das Programm in Kürze beginnt. Nun wird das Licht zweimal an- und ausgeschaltet – als Signal für Gehörlose.

Inklusion funktioniert

Der Verein hat sich bewusst für das hörbehinderte Prinzenpaar entschieden, um zu zeigen, wie Inklusion funktionieren kann. Zusammen mit ihren drei Töchtern, bekommen Nicky die Erste und Andy der Erste schließlich die Insignien der Mach überreicht: Mütze und Zepter für den Prinzen, Diadem, Stadtschlüssel und Blumenstrauß für die Prinzessin.

Ein Drittel gehörlose Gäste

Es ist eine besondere Faschingssitzung in Roth. Neben Marion gebärdet eine Dolmetscherin das Bühnenprogramm, sie wird auf einer Leinwand übertragen. Ein Drittel der 250 Besucher im Saal ist gehörlos. Als Prinz Andy das Mikrofon überreicht bekommt, ist er zu gerührt, um viel sagen zu können.

"Mir fehlen einfach die Worte. Super, dass ihr alle da seid und habt viel Spaß!"

Andreas Frisch

Die Botschaft aus Roth funktioniert eben ohne große Worte.


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