14

Rodungen im Reichswald Bund Naturschutz warnt vor Autobahnausbau

Der Bund Naturschutz wehrt sich gegen den geplanten Ausbau des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost. Dafür sollen 20 Hektar Bannwald abgeholzt werden. Die Umweltschützer sehen die "grüne Lunge" Nürnbergs in Gefahr.

Von: Christian Schiele & Andreas Schuster

Stand: 29.11.2016

Die Autobahndirektion Nordbayern plant, die A6 weiter auszubauen. Im derzeit laufenden Planfeststellungsverfahren habe man eine entsprechende Stellungnahme abgegeben, sagte der Landesbeauftragte des Bund Naturschutz Bayern, Richard Mergner.

Viele Staus und Unfälle

Weil sich der Verkehr an den Übergängen von A6 und A9 oft staut und es vermehrt zu Unfällen kommt, ist ein sogenannter Overfly vorgesehen: eine zusätzliche Verbindungen der beiden Autobahnen, die weitgehend über das bestehende Autobahnkreuz verlaufen soll. Auch an der Anschlussstelle Nürnberg-Fischbach soll eine weitere Überführung den Verkehr entlasten. So plant es die Autobahndirektion Nordbayern.

Karte: Geplanter Ausbau der A6 bei Nürnberg

17 Meter hohe Brücken

Das Bauvorhaben sei gigantisch, so Tom Konopka vom Bund Naturschutz. Bis zu 17 Meter hoch sollen die Overfly-Brücken des Autobahnkreuzes künftig in den Himmel ragen – und damit sogar über den Baumwipfeln liegen. Die Dämme, die dafür aufgeschüttet werden müssen, seien an der Basis 50 Meter breit. In der Folge müssten dafür mindestens 20 Hektar wertvoller Reichswald gerodet werden. Das entspricht einer Fläche von rund 28 Fußballfeldern. Doch der Reichwald sei als "grüne Lunge" der Stadt besonders wichtig und genieße als Bannwald die höchste Schutzklasse, sagte Richard Mergner.

"Der Nürnberger Reichswald ist die Klimaanlage für den Ballungsraum. In Zeiten des Klimawandels wird es immer wichtiger, dass wir Wald haben. Weil er die Temperaturen senkt, weil er die Luft wieder reinigt und weil wir – gerade wenn es im Sommer massiv heiß wird – durch diesen Reichswald drei Grad weniger haben in der Nacht."

Richard Mergner, Landesbeauftragter des Bund Naturschutz Bayern

Vogelschutzgebiet gefährdet

Die Umweltschützer bezeichneten es deshalb als völlig inakzeptabel, dass für den Straßen- und Autobahnbau immer mehr Wald gerodet wird. Die vorgesehene Rodung stellt laut Mergner zudem einen "erheblichen Eingriff" in das europäische Vogelschutzgebiet des Nürnberger Reichswalds dar. Hier sind unter anderem seltene Vogelarten wie der Grün- und der Schwarzspecht, der Uhu und auch der Habicht zuhause.

"Wir sehen die geplante Waldvernichtung mit großer Sorge", heißt es von den Naturschützern. Die geplante Baumaßnahme, die frühestens 2019 beginnt, sei außerdem eine Geldverschwendung, so Mergner. Die Mittel solle man besser in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs stecken.

Bund Naturschutz: Ausgleichspflanzungen reichen nicht

Außerdem seien geplante Ausgleichspflanzungen keine gute Lösung, so Mergner. Einen gut erhaltenen alten Wald könne man mit einer jungen Pflanzung natürlich nicht ausgleichen. Und der geplante Ausbau der A6 sei nicht der einzige derzeit geplante Angriff auf den Reichswald, so Mergner.

"Insgesamt sind im Moment fast 140 Fußballfelder des Reichswaldes bedroht."

Richard Mergner, Landesbeauftragter des Bund Naturschutz Bayern

Autobahndirektion Nordbayern: Variante mit geringstem Flächenverbrauch

Die Verantwortlichen der Autobahndirektion Nordbayern zeigten Verständnis dafür, dass sich der Bund Naturschutz für den Erhalt der Waldflächen einsetzt. Im Vorfeld seien verschiedene Bauvarianten untersucht worden. "Wir haben uns für die umweltschonendste entschieden", sagte Gert Weißmantel, Abteilungsleiter der Autobahndirektion Nordbayern, dem Bayerischen Rundfunk. Die geplanten Baumaßnahmen seien die Variante mit dem geringsten Flächenverbrauch. Der sogenannte Overfly werde deshalb so weit wie möglich über dem bereits vorhandenen Autobahnkreuz gebaut. Da Bäume für die Baumaßnahme weichen müssen, solle an anderer Stelle wieder aufgeforstet werden, so Weißmantel.

"Wir planen, eine gleich große Fläche als Ausgleich aufzuforsten. Anpflanzen werden wir an mehreren Orten im Umfeld, die alle an den Bannwald grenzen."

Gert Weißmantel, Abteilungsleiter bei der Autobahndirektion Nordbayern

Bayerns erster Bannwald

Der Nürnberger Reichswald ist Bayerns erster Bannwald. Er ist insgesamt 25.000 Hektar groß. Der Bund Naturschutz kämpft seit mehr als 40 Jahren für den Erhalt des Reichswaldes.  


14

Kommentare

Inhalt kommentieren

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein:

Kathi-Seli, Donnerstag, 01.Dezember, 08:40 Uhr

6. Reichswald

Da regt sich der BN darüber auf, dass die Brücke (overfly)knapp die Baumwipfel überragt. Dass WKA Baumwipfel um fast 200 m überragen und die Landschaft über 30 40 km dominieren soll aber hingenommen werden?? Unglaublich, wie da mit zweierleichtert Maß gemessen wird.

Gisela, Mittwoch, 30.November, 12:48 Uhr

5. Endlich Ausbau!

Typisch BN: Kaum wird etwas Neues geplant, ist dieser dagegen. Die Umweltschützer, die ja meist mit ihren Uralt-Autos unterwegs sind, verhindern gern neue Dinge und damit bremsen sie weitere Entwicklungen aus. Wer häufig die A6 fährt (oder fahren muss) weiß, dass dieser Ausbau nicht nur sinnvoll sondern mehr als überfällig ist - wie es im übrigen auch der 6-spurige Ausbau Richtung Westen wäre! Mir graut nur vor der Zeit des Ausbaus. Eigentlich dachten wir, dass der momentan laufende Ausbau und damit die Stauzeit bald vorbei ist ... aber das klingt ja wieder nach noch mehr Beeinträchtigungen.

  • Antwort von jessica, Mittwoch, 30.November, 22:19 Uhr

    Liebe Gisela haben Sie mal darüber nachgedacht was ein Bannwald für einen Sinn hat ? Wie wichtig der Wald für das Klima in der Stadt Nürnberg ist.
    Nein bestimmt nicht. Für Sie ist wichtig das Sie in 10 Min von A nach B kommen. Ich bin mir aber fast sicher das Sie sehr idyllisch ländlich im Grünen wohnen, oder ?
    Meinen Sie Hr. Söder treibt das für Sie oder die Autofahrer so an ? Der will sich auf umweltkosten beweihräuchern und denkt so wird die CSU nächstes Jahr gewählt.
    Aber da hat er sich geschnitten, denn es gibt Gott sei Dank nicht nur solche Bürger wie Sie.

  • Antwort von Gisela, Donnerstag, 01.Dezember, 13:15 Uhr

    Tja Jessica, da sind Sie im Irrtum. Ich wohne nicht "idyllisch ländlich im Grünen", sondern in einer Stadt direkt an einer vielbefahrenen Bundesstraße! Daher weiß ich, dass Entlastungsstraßen notwendig sind, auch wenn dazu zunächst einmal Bäume gefällt werden müssen. Das war bei uns auch so. Und als die Fällung bereits erfolgt war, fiel den Leuten vom BN (=dagegen) ein, dass sie vielleicht was gegen die Straße haben könnten - toll! Bei uns fahren seit der neuen Straße deutlich weniger Lkws durch die Stadt, sie nutzen die Umgehung. Und Bäume wurde neu gepflanzt - und oh Wunder - sie wachsen und werden immer größer, so dass der Wald bald wieder erneuert ist.

websaurier, Mittwoch, 30.November, 10:27 Uhr

4. Vergebene Liebesmüh !


Als "Bund Naturschutz" sollte man sich überlegen, ob man die Region "Bayern" nicht einfach aufgeben sollte !
Die vorhanden Kapazitäten könnten auf andere Gebiete/Regionen verlagert werden und so sinnvoller eingesetzt werden....

Die Bayern sind offensichtlich zu bl... ; also sollen sie ihre Umwelt eben zugrunde richten; irgendwann wird es vielleicht schon noch zu einer Einsicht kommen.

Waldvögelein, Dienstag, 29.November, 21:47 Uhr

3. Arroganz der CSU

Es ist nicht zu fassen, wenn man in Bayern geplante Projekte ansieht: faule Kompromisse (siehe Riedberger Horn); rechts und links der Autobahnausfahrten werden weitere Gewerbegebete geplant. (Herr Söder will sich sicher ein Denkmal setzen), Nürnberger Reichswald soll schrumpfen für Autobahnausbau - wo soll eigentlich eine Ausgleichsfläche herkommen? Vielleicht bringt sie ja das Christkind - man kann sich nur noch aufregen über die Borniertheit der herrschenden CSU und ihrer Anhänger! Wann wacht das Stimmviehvolk endlich auf! Wie breit sollen eigentlich die Autobahnen noch werden? Bereits jetzt ist das Maß schon voll.
Zitat der Autobahndirektion:
"Wir planen, eine gleich große Fläche als Ausgleich aufzuforsten. Anpflanzen werden wir an mehreren Orten im Umfeld, die alle an den Bannwald grenzen."
Da kann ich ja nur lachen! Obwohl es eigentl
Wenn wir den BN Bayern und den LBV nicht hätten, sähe es noch schlimmer aus!

  • Antwort von as, Mittwoch, 30.November, 12:56 Uhr

    Ja, ich frage mich auch, wo immer die Ausgleichsflächen her kommen sollen? Grund und Boden ist nicht vermehrbar. Und alten guten Baumbestand kann man nicht ersetzen. Die bay. CSU und Heimatverbundenheit, eine Volksverblödung der primitivsten Art.
    Letztes Jahr hat man das Sudelfeld nieder gemacht (die Eröffnung fand leider ohne Schnee statt!), jetzt kommt das Riedberger Horn dran, in Nürnberg der Stadtwald........... Jawohl noch mehr Autos auf die Strassen, noch mehr Hektik im Alltag und auf den Strassen, noch mehr Umweltzerstörung....: dafür steht diese Partei CSU.
    Dank Söder wird er Flächenfrass in Bayern massiv vorangetrieben.
    Wir werden die Winterzeit in unserer Familie sicher nicht mehr mit Skifahren verbringen. Diese bedingungslose Geldgier und Naturzerstörung mus ich nicht haben.

alte Bäume - unersetzlich, Dienstag, 29.November, 19:02 Uhr

2. Und wir fahren alle auf dem Overfly, Overfly, oh wie ist das schön.

Ausgleichspflanzungen wie süß.

Das möchte ich sehen, wie 50 Jahre + X Bäume gepflanzt werden.