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"Mein Name ist Hase" Ausstellung in Nürnberg erklärt Redensarten

Wir "spitzen die Ohren", "vergießen Krokodilstränen" und haben "Leichen im Keller". Wie diese und rund 100 andere Redensarten entstanden sind, erklärt eine neue Ausstellung in Nürnberg – auf spielerische Weise.

Stand: 18.02.2016

Die Besucher können in der Ausstellung selbst ihre "Ohren spitzen" und eine Brille aufsetzen, um zu sehen, wie "Schuppen von den Augen fallen". Außerdem gibt es eine Peep-Show für Redensarten aus dem Bereich Sex und Kriminalität. Wer durch ein kleines Guckloch schaut, erfährt dabei unter anderem, wieso manche Menschen "Leichen im Keller" haben. Rund 300.000 Sprichwörter und geflügelte Worte kennt die deutsche Sprache. Die Ausstellung stellt etwa 100 davon vor.

"Es ist eine Ausstellung mit Aha-Effekt – wir alle verwenden täglich dutzende Redensarten. Woher sie kommen, ist aber meist wenig bekannt."

Rolf-Bernhard Essig, Ausstellungsleiter

Rolf-Bernhard Essig hat die Ausstellung, die in 15 Themen unterteilt ist, zusammengetragen. Essig ist ein bekannter Germanist und Bamberger Sprichwortexperte.

Von wegen "olle Kamellen"

Sprichwortgenerator im Museum für Kommunikation in Nürnberg

Das älteste Exponat ist ein nicht ganz geglücktes Buch aus dem Jahr 1586. Es stammt vom Drucker Johann Balhorn und ist der Ursprung für die Redensart "etwas verballhornen". In der Ausstellung stehen außerdem verwelkte Kamillenblüten. Sie sind Namensgeber der "ollen Kamellen". Die Besucher können im Museum für Kommunikation auch einen Sprichwortgenerator ausprobieren und erfahren, wie es ist, "wenn das Damoklesschwert über einem schwebt".

Woher kommen diese Redensarten?

Mein Name ist Hase

Das Motto der Nürnberger Ausstellung geht auf den Heidelberger Studenten Viktor Hase zurück. Bei einer Befragung vor Gericht verpfiff er 1854 einen anderen Studenten nicht, sondern sagte nur: «Mein Name ist Hase, ich verneine die Generalfragen. Ich weiß von nichts.» In der Kurzform wurde sein mutiger Ausspruch schnell deutschlandweit bekannt.

Eine Leiche im Keller haben

Theodor Fontanes erfolgreiche Novelle "Unterm Birnbaum" von 1885 führte zu dieser Redensart: Ein Wirt bringt einen Gast um und verscharrt ihn im Keller. Allerdings wird er bald wahnsinnig und stirbt selbst im Keller. Der beliebte US-Film "Arsen und Spitzenhäubchen" präsentierte ebenfalls Leichen im Keller.

Der rote Faden

Die Redewendung ist von einer cleveren Diebstahlsicherung der englischen Marine abgeleitet: Im 18. Jahrhundert ging durch alle Taue der Segelschiffe ein roter Faden hindurch. Er kennzeichnete sie als Eigentum der Marine. Entfernen ließ er sich nur, wenn man die Taue zerstörte. Johann Wolfgang Goethe griff den roten Faden 1809 in seinem Roman "Die Wahlverwandtschaften" auf. Er verglich ihn dort mit einem Gedanken, der sich durch einen Text zieht.

Muffensausen haben

"Ausgangspunkt dieser Redensart ist ein trockener oder auch feuchter Furz", sagt Redewendungs-Papst Rolf-Bernhard Essig. Im Darm gibt es einen Schließmuskel, eine Muffe. "Bei großer Angst, die den Schließmuskel erschlaffen lässt, entsteht Muffensausen durch lautstark entweichende Darmgase", erklärt Essig.

Die Ohren spitzen

Hunde, Katzen und Pferde richten bei erhöhter Aufmerksamkeit die Ohren auf, die damit spitzer aussehen. Humorvoll oder mahnend übertrug man das in der Redensart auf Menschen.

Des Pudels Kern

In Johann Wolfgang Goethes "Faust" unternimmt der Titelheld einen Spaziergang. In einiger Entfernung begleitet ihn ein unheimlicher Pudel. Der misstrauische Gelehrte beschwört das Tier mit Zaubersprüchen. Der Pudel entpuppt sich in Gestalt eines fahrenden Schülers als der Teufel Mephisto. Faust kommentiert die Verwandlung so: "Dies also war des Pudels Kern, ein fahrender Scholast". Fausts Erkenntnis der Wahrheit führte somit zum geflügelten Wort "des Pudels Kern" für jene Fälle, in denen man den wahren Hintergrund einer Sache erkennt.

Einen Bock schießen und Schwein haben

Bei früheren Schützenfesten gab es häufig neben den Siegprämien auch Spottpreise für die schlechtesten Schützen. Das waren entweder Böcke oder Ferkel. Somit erkannte jeder sofort die Nichtskönner, die einen Bock geschossen hatten. Dass ein schlechter Schütze ein Schwein – ein begehrtes Nutztier – bekam, führte wiederum zu einer anderen Redensart: "Schwein haben", wenn man Glück hat.

Der Spießer

Im Mittelalter gab es Bürger, die das Recht hatten, Waffen - zum Beispiel Piken - zu tragen, worauf sie besonders stolz waren. Adelige verspotteten diese militärisch Unerfahrenen als «Spießbürger». Weil die Bürger noch an ihrem Recht, Spieße zu tragen, festhielten, als Feuerwaffen sie sinnlos gemacht hatten, nannten Studenten sie seit dem 18. Jahrhundert ebenfalls «Spießbürger», woraus sich die Worte «Spießer» und «spießig» entwickelten.

Infos zur Ausstellung

Die Sonderausstellung "Mein Name ist Hase" ist vom 19. Februar bis zum 5. Juni im Museum für Kommunikation in Nürnberg zu sehen. Im Sommer wird sie im Museum für Kommunikation in Berlin und Anfang 2017 im Museum für Kommunikation in Frankfurt gezeigt.

Sendungsinfo

  • zur Sendungshomepage Regionalnachrichten Franken von 6.00 bis 18.00 Uhr, jeweils zur halben und zur vollen Stunde, Bayern 1

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