267

Schießerei in Georgensgmünd Polizist erliegt seinen Verletzungen

Der 32-jährige Polizist, der bei einer Schießerei in Georgensgmünd lebensgefährlich verletzt wurde, ist in den frühen Morgenstunden gestorben. Das bestätigte die Polizei dem Bayerischen Rundfunk.

Stand: 20.10.2016

Der Beamte des Spezialeinsatzkommandos erlag in einer Klinik seinen schweren Schussverletzungen, so die Polizei. Bereits gestern hatte die Polizei den Tod ihres Kollegen gemeldet. Später musste sie diese Nachricht korrigieren. Ein bedauerlicher Fehler sei passiert, sagte eine Polizeisprecherin.

Schüsse bei Durchsuchung

Der sogenannte "Reichsbürger" hatte bei der Durchsuchungsaktion sofort das Feuer auf die Beamten eröffnet. Er habe eine schusssichere Weste getragen. Bei der Schießerei wurden zwei Polizisten schwer, zwei weitere leicht verletzt. Der Gesundheitszustand des Polizisten war nach einer Notoperation zwar stabil, aber noch immer lebensbedrohlich. Ein Polizist erlitt einen Durchschuss am Oberarm.

Der Täter konnte festgenommen werden. Dabei wurde er leicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes. Der Mann wurde zur Vernehmung gebracht und soll heute einem Haftrichter vorgeführt werden.

Waffen sicherstellen

Die Polizisten sollten die Waffen des 49-Jährigen sicherstellen, die er zunächst legal als Schütze oder Jäger erworben hatte, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei einer Pressekonferenz. Mitarbeiter des Landratsamtes Roth hatten mehrfach versucht, den Mann zu kontrollieren. Allerdings wurden sie von ihm nicht in die Wohnung gelassen. Außerdem reagierte der Mann weder auf die Schreiben des Landratsamtes noch auf die eines Gerichtes, so der Rother Landrat Herbert Eckstein (SPD).

"Reichsbürger" besaß mehr als 30 Waffen

Deshalb wollte die Polizei am Mittwochmorgen (19.10.16) die Wohnung durchsuchen. Da der Mann zunehmend den Eindruck der Unzuverlässigkeit erweckt habe, hatte das Landratsamt Roth das Recht zum Waffenbesitz widerrufen. Der "Reichsbürger" war im Besitz von mehr als 30 Waffen, darunter sowohl Jagdwaffen als auch amerikanische und historische Waffen, so der Innenminister.

"Reichsbürger" stärker ins Visier nehmen

Innenminister Herrmann kündigte bei der Pressekonferenz außerdem an, stärker gegen die sogenannten "Reichsbürger" vorzugehen. Insbesondere müsse überprüft werden, welche von ihnen im Besitz von Waffen sind, sagte Herrmann auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Landratsamt Roth.

"Wir müssen angesichts dieser Vorkommnisse, vor allem was zur Reichsbürger-Bewegung gehört, noch stärker in den Blick nehmen."

Joachim Herrmann, Bayerischer Innenminister

Stichwort: "Reichsbürger" in der Bundesrepublik

Für die sogenannten "Reichsbürger" besteht das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 fort – und das bis heute. Somit erkennen sie die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an, ebenso wenig das Grundgesetz. Sie bestreiten die Legitimität von Behörden und Gerichten und geraten deshalb oft in Konflikt mit diesen. Manche Reichsbürger haben eigene Fantasiepapiere. Verfassungsschützer zählen etliche "Reichsbürger" auch zur rechtsextremen Szene. Zahlen nennt das Bundesamt für Verfassungsschutz nicht.

Frühzeitige Gefahrenabwehr

Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert ein "behördenübergreifendes Lagebild" über Straftaten, die von "Reichsbürgern" begangen worden sind. Auch in Sachen Waffenbesitz sollten die Behörden entschiedener vorgehen.

"Das Landratsamt Roth hat richtig reagiert. Schusswaffen gehören nicht in die Hände von Extremisten und politischer Wirrköpfe."

Hermann Benker, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft

Zur frühzeitigen Gefahrenabwehr sollten die Behörden eingreifen dürfen, wenn es erste Hinweise auf die Mitgliedschaft in solchen Vereinigungen und damit Zweifel an der waffenrechtlichen Zuverlässigkeit gibt.

Politiker erschüttert

Viele Parteien reagieren erschüttert auf die Schießerei in Georgensgmünd. Die bayerische SPD hält die Reichsbürger-Bewegung für "brandgefährlich". Es sei ein hartes Durchgreifen nötig, schreibt Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionsvorsitzender im bayerischen Landtag, auf Twitter. Auch der SPD-Sprecher für die Bekämpfung des Rechtsextremismus, Florian Ritter, zeigt sich erschüttert von dem Angriff auf die vier Polizisten. Seine Gedanken seien bei den Beamten, deren Kollegen und den Familien. Der SPD-Politiker sieht sich durch den Vorfall darin bestätigt, dass die Staatsregierung große Defizite bei der Einschätzung des Gefährdungspotenzials in diesen Szenen habe.

"Ich bin erschüttert über die Aggressivität, die uns aus dieser Parallelwelt entgegen schlägt. Hoffe auf schnelle Genesung für die Polizisten."

Katrin Göring-Eckhart, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, auf Twitter

Dass beinahe zeitgleich zur Schießerei in Georgensgmünd im Landtag eine Anhörung zum Kampf gegen Rechtsextremismus lief, findet die sicherheitspolitische Sprecherin der Freien Wähler, Eva Gottstein, mehr als makaber.


267

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Sebastian, Mittwoch, 19.Oktober, 20:44 Uhr

111. Abwarten!

Erstmal abwarten. Am Ende ist es so wie bei dem Rocker oder dem Kurden in Berlin. Wenn die Polizei sich nicht zu erkennen gibt und ich würde schwarzvermummte (wie Verbrecher) auf meinem Grundstück sehen würde ich auch zur Waffe greifen.

Kein Richter wird einen deswegen verurteilen. Deswegen: Erstmal abwarten.

Die Polizei erzählt viel wenn der Tag lang ist. Siehe das Desaster von Bad Kleinen.

Ulrich Denninger, Mittwoch, 19.Oktober, 19:58 Uhr

110. Meine Kommendare

Nach näherer Betrachtung der Geschehnisse, realdiviere ich meine Kommendare. Daran ist aber auch die Presse schuld. So sehen keine "Reichsbürger" aus!!!
Ich kenne keine "Reichsbürger" die Krieg führen????

  • Antwort von Martin, Mittwoch, 19.Oktober, 20:31 Uhr

    Wie sehen denn Ihrer Meinung nach Reichsbürger aus? Ich behaupte, dass man Menschen ihre Dummheit selten bis nie ansehen kann.

Psychologe , Mittwoch, 19.Oktober, 19:57 Uhr

109. So wie es aussieht,

ist dieser Mann völlig durchgedreht.

Frank von Bröckel, Mittwoch, 19.Oktober, 19:22 Uhr

108. Die Bundesregierung selbst hat in der Drucksache 18\4076 vom 27.02.15..

erneut festgestellt und somit verschiedene Urteile des Bundesverfassungsgericht ausdrücklich bestätigt, das das Völkerrechtssubjekt Deutsches Reich ausdrücklich NICHT(!!!) untergegangen ist!

Soviel dazu!

  • Antwort von Martin, Mittwoch, 19.Oktober, 20:25 Uhr

    Natürlich ist das Deutsche Reich nicht untergegangen. Es findet seine Fortführung in der BRD. (Die wenigsten wissen, dass juristisch die BRD kein Nachfolgestaat des DRs ist, sondern mit ihm identisch.)

    Wie aber manche Menschen aufgrund dieser simplen Tatsache auf die Idee kommen, dass die BRD gar nicht existiert, bleibt deren Geheimnis.

    Ich empfehle Ihnen mal die Lektüre des Buches "Zurück in die Zukunft". Dort werden alle gängigen "Argumente" der Reichsbürger gekonnt auseinandergenommen.

laurenzerl, Mittwoch, 19.Oktober, 19:20 Uhr

107. abgrundtief

samma immer noch völlig blind vom rechten Auge hierzulande? NSU, Reichsbürger, neo-nazis aller Couleur, Brüderschaften, Pegida...
was muss noch geschehen?
aber eigentlich kein Wunder, wenn man Die Akte Rosenburg liest...