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Der Graf gegen seine Pappenheimer Streit um vier Quadratmeter geht in neue Runde

Albrecht Graf von und zu Egloffstein hat ein vier Quadratmeter großes Grundstück mitten in der Stadt an ein Familienmitglied abgegeben. Noch im Sommer hatte der Graf angekündigt, das strittige Grundstück an die Stadt zu verkaufen.

Von: Claudia Mrosek, Christian Schiele

Stand: 04.10.2017

Bizarrer Streit in Pappenheim um Enteignung eines Stücks Straße | Bild: BR

Die Grafschaft habe der Stadt mitgeteilt, dass das strittige Grundstück nun einen neuen Eigentümer innerhalb der gräflichen Familie habe, sagte Pappenheims Bürgermeister Uwe Sinn (SPD) dem Bayerischen Rundfunk. Somit muss die Stadt nun dem neuen Besitzer ein Kaufangebot unterbreiten. Eigentlich sollte der Stadtrat morgen (Donnerstag, 05.10.17) erneut über das Thema beraten. Angesichts der veränderten Situation ist das Grundstück aber kein Tagesordnungspunkt mehr.

Enteigung stand im Raum

Im Raum stand sogar eine Enteignung von Albrecht Graf von und zu Egloffstein. Dieser hatte damit gedroht, die strittige, vier Quadratmeter große Fläche einzäunen zu lassen. Würde der Zaun Realität werden, hätte das weitreichende Folgen, sagt Bürgermeister Sinn. Denn die vier Quadratmeter liegen auf einer wichtigen Zufahrtsstraße.

"Dann hätten wir keinen Zugang mehr zu unseren Stadtwerken, die ja rund um die Uhr für die Sicherheit der Stromversorgung und der Wasserversorgung zuständig sind. Außerdem wären rund 40 öffentliche Parkplätze nicht mehr mit dem Auto erreichbar."

Uwe Sinn (SPD), Bürgermeister der Stadt Pappenheim

Keine gütliche Einigung möglich

Stadtansicht von Pappenheim

Die vier Quadratmeter gehören seit langem der gräflichen Familie, so Sinn. Als diese das zugehörige Grundstück erworben hat, habe die Stadt es versäumt, die vier Quadratmeter auch offiziell als Straße umzuwidmen. Nun habe die Stadt ein paar Mal versucht, sich gütlich mit dem Grafen zu einigen. Doch der Graf habe einer Umwidmung nicht zugestimmt, so Sinn.

"Eine zweite Möglichkeit wäre es, die vier Quadratmeter zu kaufen. Die dritte Variante ist, dass wir die Straße um diese vier Quadratmeter herumlegen."

Uwe Sinn (SPD), Bürgermeister der Stadt Pappenheim

Um diese vier Quadratmeter große Fläche wird gestritten.

Beides wäre allerdings sehr teuer. Die Straße zu verlegen würde beispielsweise "eine mittlere fünfstellige, wenn nicht sogar sechsstellige Summe" kosten. Die letzte Variante wäre schließlich eine Enteignung des Grafen. Darüber müsste allerdings das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen entscheiden. Und der Stadtrat müsste dort zuvor einen entsprechenden Antrag stellen, so Sinn.

Eigentlich geht es um etwas ganz anderes

Fassade des Ostflügels des Neuen Schlosses in Pappenheim

Eigentlich geht es bei dem Streit nach Angaben von Bürgermeister Sinn aber gar nicht um die vier Quadratmeter Straße, sondern um die Sanierung des Neuen Schlosses, das der gräflichen Familie gehört. Die Stadt wirft dem Grafen vor, sich dabei nicht an die Verträge gehalten zu haben. Die Grafenfamilie habe für die Sanierung Städtebauförderung erhalten – unter der Voraussetzung, dass nach dem Dach die Fassade des Ostflügels saniert wird, der auch vom Marktplatz aus zu sehen ist. Das sei aber nicht geschehen, so Sinn.

Weitere Fördermittel gefordert

Bürgermeister Uwe Sinn kann von seinem Büro aus das Neue Schloss sehen.

Die Grafenfamilie möchte hingegen weitere Fördermittel haben – vorher wolle sie nicht mehr mit der Stadt sprechen, so Sinn: "Wir können aber keine weiteren Fördermittel auszahlen, weil die Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind". Voraussetzung ist, dass die Front zum Marktplatz hin längst saniert sein müsste. Ist sie aber nicht", sagt der Bürgermeister.


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Michael, Donnerstag, 05.Oktober, 12:30 Uhr

4. Streit um vier Quadratmeter

Schlimm genug, dass sich dieses Aristokratengesindel an Steuergelder bedient um ihre Privatliegenschaften zu sanieren. Ein "Mann von Welt" würde der Gemeinde zu liebe auf lächerliche 4 m² verzichten und diese abtreten. Die Gräfin Turn und Taxis schmarotzt ebenfalls unsere Steuergelder und ihre Gebäude zu sanieren und ist dann noch so unverschämt 5 € Eintritt für den Weihnachtsmarkt zu verlange. In Gebäuden, welche mit unseren Geldern saniert wurden. Eine Schande diese Pack.

dildoldi, Donnerstag, 05.Oktober, 07:57 Uhr

3. Der Graf, der Graf und kein Ende..

Sehr geehrter Herr Bürgermeisterm, ich nenne Ihnen noch eine vierte Variante, das ist die kostengünstigste von allen : der Graf wird enteignet, was findige Rechtsverdreher mit Sicherheit hinkriegen dürften. Wie ich gehört habe, verpflichtet Eigentum. Hat zwar keiner gesagt oder geschrieben, zu was explizit, aber seis drum. Empfehle einen Blick ins BGB und da auf den § 903, da lässt sich was finden, ganz sicher. Oder hat man vor Ehrerbietigkeit die Hosen voll und wagt es nicht, seiner Durchlaucht zu nahe zu treten ? Obwohl diese Zeiten eigentlich schlappe 100 Jahre vorbei sein sollten ? Schaun mer mal, dann sehn mer schon...

MfG

Nika, Mittwoch, 04.Oktober, 20:16 Uhr

2.

Oh je. Da geht's schon wieder nur ums liebe Geld und um Eitelkeiten und sonst um Nichts.Meine Frage ist, wo liegt der Verkehrswert der vier Quadratmeter und was würde der Zuschuss seitens der Gemeinde für die Sanierung des Schlosses betragen. Die Herren sollten mal darüber nachdenken. Und was haben die Sanierung des Schlosses mit dem Grundstück zu tun? Es ist nicht zu verstehen.

Rainer Heberl, Mittwoch, 04.Oktober, 16:19 Uhr

1. Der Graf zu Pappenheim

Tja, unsere adeligen Eliten! Es ist immer wieder begeisternd, wie selbstlos Raubritter heute sein können.