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Nürnberger Prozess Veranstaltungen zum 70. Jahrestag der Urteilsverkündung

Zum 70. Jahrestag der Urteilsverkündung im Nürnberger Prozess findet im historischen Saal 600 eine Konferenz statt. Bei der Eröffnung sprach unter anderem die US-Justizministerin Loretta Lynch.

Stand: 30.09.2016

Anklagebank während der Nürnberger Prozesse im Saal 600 | Bild: National Archives

In ihrer Rede am Donnerstag (29.09.16) betonte Loretta Lynch die Notwendigkeit einer internationalen Strafgerichtsbarkeit, die in Nürnberg ihren Anfang nahm. Der Krieg dürfe nicht der letzte Richter sein, so Lynch und die Menschheit müsse den Kampf gegen die Straflosigkeit fortsetzen.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erinnerte daran, dass die Kriegsverbrechen mit den Nürnberger Prozessen nicht endeten. Er nannte die Gräueltaten im ehemaligen Jugoslawien und derzeit in Syrien. Jeder Täter weltweit müsse jedoch wissen, dass er vor Gericht gestellt wird, so Herrmann.

Urteil vor 70 Jahren

Vor 70 Jahren verkündeten die Richter des internationalen Militärtribunals im Nürnberger Prozess ihre Urteile gegen die führenden Vertreter des NS-Regimes. Damit endete ein Gerichtsverfahren, das Geschichte schrieb. Zum Jahrestag finden zahlreiche international besetzte Vorträge und Diskussionen statt.

Internationale Menschenrechtsgespräche

Bis Freitag (30.09.16) nehmen an einer nichtöffentlichen Konferenz, den zehnten internationalen Menschenrechtsgesprächen, mehr als 100 hochrangige Völkerstrafrechtler aus der ganzen Welt teil. Das Thema der Veranstaltung: "Das Internationale Militärtribunal von Nürnberg – ein Vermächtnis für die Zukunft". Organisiert wird die Konferenz vom Memorium Nürnberger Prozesse in Zusammenarbeit mit dem Robert H. Jackson Center aus Jamestown, New York.

Grundstein für das Völkerrecht

Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess gilt als Grundstein für das Völkerstrafrecht der Gegenwart. Aus moralphilosophischer Sicht werden ihn zwei renommierte Wissenschaftler beurteilen: Der US-amerikanische politische Philosoph Michael Walzer und der Literatur- und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma, der auch das Hamburger Institut für Sozialforschung leitet. Beide werden am Freitag (30.09.16), um 19.00 Uhr, im Saal 600 über das Erbe von Nürnberg diskutieren.

Juristische Aufarbeitung von Diktaturen

Am Samstag (01.10.16) wird um 11.00 Uhr die US-amerikanische Völkerrechtlerin Ruti Teitel im Saal 600 über "Transitional Justice – Post-War Legacies" sprechen. Der Vortrag beschäftigt sich mit dem Einfluss des Nürnberger Prozesses auf die Debatte um die juristischen Bemühungen zur Aufarbeitung von Diktaturen.

Im Anschluss an ihren Vortrag diskutiert Teitel mit der Menschenrechtsexpertin Betty Kaari Murungi. Die Kenianerin hat die Rechtssprechung im Bereich Völkerstrafrecht und Internationales Humanitäres Recht zu geschlechtsbezogenen Straftaten maßgeblich beeinflusst.

Ausstellung "Dolmetscher und Übersetzer beim Nürnberger Prozess"

Die wichtige Rolle, die Dolmetscher und Übersetzer während der Nürnberger Prozesse innehatten, dokumentiert die Foto- und Textausstellung "Dolmetscher und Übersetzer beim Nürnberger Prozess". Sie wird am Sonntag, dem 9. Oktober, um 18.30 Uhr im Saal 600 eröffnet. Zusammengestellt wurde die Präsentation vom Landesverband Bayern des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) in Zusammenarbeit mit dem Oberlandesgericht Nürnberg und dem Memorium Nürnberger Prozesse. Die Ausstellung ist bis Ende Dezember 2016 im 2. Stock des Justizgebäudes an der Fürther Str. 110 zu sehen.

Nürnberger Prozesse - Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess

Hinter dem Begriff Nürnberger Prozesse verbergen sich zwei unterschiedliche Typen von Gerichtsverfahren: Der berühmteste der Nürnberger Prozesse ist der "Hauptkriegsverbrecherprozess", der vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946 vor einem eigens hierzu eingerichteten alliierten Militärgerichtshof abgehalten wurde.

Ihm folgten von Dezember 1946 bis April 1949 zwölf weitere Verfahren, häufig als "Nürnberger Nachfolgeprozesse" bezeichnet, die vor ausschließlich US-amerikanischen Militärtribunalen stattfanden und damit nicht vor einem internationalen Gerichtshof wie der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher.

Nach neun Monaten Verhandlung wurden am 30. September und am 1. Oktober 1946 die Urteile im Hauptkriegsverbrecherprozess verlesen: Zwölf Angeklagte wurden zum Tode verurteilt, drei zu lebenslanger Haft und vier zu langjährigen Haftstrafen. Drei Angeklagte sprach das Gericht frei.


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