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"Gegen Gewalt in Deutschland" Russlanddeutsche demonstrieren in Nürnberg

Der Fall des 13-jährigen Mädchens aus Berlin, das angeblich vergewaltigt wurde, ist mittlerweile aufgeklärt. Die Geschichte war erfunden. Trotzdem demonstrierten am Sonntag in Nürnberg Russlanddeutsche gegen Gewalt von Ausländern.

Von: Eleonore Birkenstock

Stand: 31.01.2016

Nach Angaben der Polizei demonstrierten in Nürnberg etwa 500 Menschen unter dem Motto "Gewalt in Deutschland". Die Polizei sprach von einem friedlichen Verlauf.

Unter den Anwesenden waren viele Russlanddeutsche und russischsprachige Einwanderer. Einige Teilnehmer sagten, dass sie für ein sicheres Deutschland demonstrierten. Angemeldet wurde die Demonstration von Privatpersonen. Eine der Forderungen auf der Rednerbühne war, kriminelle Asylsuchende sofort abzuschieben.

"Merkel muss weg"

Die Proteste von Russlanddeutschen in mehreren deutschen Städten begannen vergangene Woche: Anlass waren Berichte über die angebliche Vergewaltigung eines 13-jährigen russlanddeutschen Mädchens aus Berlin. Die Behauptung, sie sei von "südländisch" aussehenden Männern entführt und vergewaltigt worden, hat sich inzwischen als falsch herausgestellt. Das beeindruckte die Demonstranten aber wenig.  

Einige der Teilnehmer riefen vor Beginn der Veranstaltung den anwesenden Reportern "Lügenpresse" zu. Während der etwa anderthalbstündigen Veranstaltung skandierten viele außerdem "Merkel muss weg". Die Nürnberger Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair sprach von einer rechtsradikalen, rassistischen Demonstration. Als Beleg dafür nannte Mair unter anderem den Auftritt von Gernot Tegetmeyer, der viele Pegida-Demonstrationen organisiert hat. Der Fürther Tegetmeyer war ranghohes Mitglied der rechtspopulistischen Partei "Die Freiheit", die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Bekannte Rechtsextreme

Außerdem waren Mair zufolge Rechtsextreme wie Rainer Biller und Dan Eising sowie Mitglieder der Neonazi-Partei "Die Rechte" dabei. Als Beobachterin war auch Sabine Arnold von der Aussiedlerseelsorge der evangelischen Kirche in Nürnberg zur Demonstration gekommen:

"Es bereitet mir große Sorge, dass offenbar die Parteien des rechten Spektrums einen Ton treffen und Argumente haben, die einigen Russlanddeutschen die Fragen beantworten nach Sicherheit, nach Identität, nach einem Deutschtum, das sie hier gesucht haben und nicht finden konnten. Ich habe den Eindruck, dass viele von den Russlanddeutschen hier keine Ahnung haben oder das Verständnis haben, mit wem sie hier Koalitionen eingehen."

Sabine Arnold

Arnold kümmert sich im Rahmen der "SinN-Stiftung" um Deutsche aus Russland. Sie hat in Russland studiert und kennt die Geschichte der Russlanddeutschen. Arnold betont, dass angesichts der Zahl von rund 40.000 russischsprachigen Zuwanderer und Russlanddeutschen in Nürnberg, die Zahl von 500 Demonstranten relativ gering sei. Außerdem seien viele Deutsche des rechten Spektrums dagewesen, so Sabine Arnold. In zwei Wochen wollen die Veranstalter erneut in Nürnberg demonstrieren.

Demonstration auch in Baden-Württemberg

Einen insgesamt friedlichen Verlauf nahm laut Polizei die Demonstration im baden-württembergischen Wertheim. Ein Vertreter der russlandeutschen Landsmannschaft hatte dazu aufgerufen. Zirka 400 Teilnehmer versammelten sich im Innenhof des Rathauses. Ursprünglich waren bis zu 200 Menschen erwartet worden. Die Demonstration dauerte mit Redebeiträgen etwa eine Stunde.

Zu Störungen oder Zwischenfällen kam es nicht. Insgesamt 30 Polizisten vom Wertheimer Revier sowie Kollegen der Kriminalpolizei vom Präsidium Heilbronn und Angehörige der Bereitschaftspolizei aus Bruchsal waren vor Ort.

Grund für die Demonstration war die angebliche Angst von russlanddeutschen Frauen vor Übergriffen. Sie sollen sich Pfeffersprays gekauft haben, um sich zu schützen. Der Verein „Willkommen in Wertheim“ kritisierte den unsäglichen Aufruf zur Demonstration scharf.

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