Nürnberger Russlanddeutsche Neonazis stören Infoveranstaltung

Bei einer Infoveranstaltung der Stadt Nürnberg für Russlanddeutsche ist es zu heftigen Tumulten gekommen. Die Veranstalter verwiesen mehrere stadtbekannte Neonazis des Saales. Die Vertreterin der Russlanddeutschen ist bestürzt.

Von: Ulrike Lefherz, Rainer Aul

Stand: 19.02.2016

Nach dem Verweis verließ etwa die Hälfte des Publikums den Saal im Gemeinschaftshaus Langwasser. Die Tumulte setzten sich draußen auf dem Gang fort. Die Polizei forderte Unterstützung an. Die Reden des Sozialreferenten und der Polizei wurden immer wieder von lautstarken Zwischenrufen unterbrochen.

Mehr als 100 Besucher

Die Stadt hatte mit der Veranstaltung am Donnerstagabend (18.02.16) auf inzwischen drei Demonstrationen der "Bürgerinitiative Sichere Heimat" reagiert. Absicht war es, die Bürger über die zahlreichen Initiativen der Stadt zur Flüchtlingssituation zu informieren und zu beruhigen. Zu der fast drei Stunden dauernden Veranstaltung waren mehr als 100 Menschen gekommen.

"Wie die SA in den 1930er-Jahren"

Im Vorfeld der Infoveranstaltung hatte die Stadt über Einlass-Vorbehalte für Neonazis nachgedacht. Man habe sich aber dagegen entschieden, um Leute, die erst am rechten Rand stehen, nicht zu verschrecken, sagte der Geschäftsführer des Integrationsrates, Friedrich Popp, dem Bayerischen Rundfunk.

"Wir wollten ausdrücklich andere Meinungen zulassen."

Friedrich Popp, Geschäftsführer Integrationsrat Nürnberg

Ziel der Veranstaltung war es, zu informieren um die Ängste zu nehmen, so Popp. "Dieser Plan ist so nicht aufgegangen". Die Auftritte der Neonazis hätten ihn an die SA in den 1930er-Jahren erinnert, sagte der studierte Historiker im BR-Interview.

Auch Mitveranstalterin Dorothea Walter von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland reagierte bestürzt. Sie habe nicht damit gerechnet, dass Neonazis so viel Einfluss auf die Russlanddeutschen ausübten, sagte sie dem BR. Die erste Demonstration der "Bürgerinitiative Sichere Heimat" auf dem Nürnberger Hauptmarkt fand nach Berichten des russischen Fernsehens über eine angebliche Vergewaltigung statt. Die Geschichte wurde inzwischen als Falschmeldung widerlegt.