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NSU-Unterstützerin Mandy S. war auch in der fränkischen Neonazi-Szene aktiv

Die Spur einer der wichtigsten Unterstützerinnen des NSU-Trios führt direkt nach Nürnberg und in die Region. Wer ist die Frau? Eine gemeinsame Recherche des Bayerischen Rundfunks und der Nürnberger Nachrichten.

Von: Elke Graßer-Reitzner, Jonas Miller, Michael Reiner, Sabine Stoll

Stand: 08.12.2017

Recherchen von Bayerischem Rundfunk und Nürnberger Nachrichten belegen, dass die Sächsin Mandy S. in engem Kontakt mit führenden Neonazis in Franken stand. In ihrem früheren Wohnort im mittelfränkischen Landkreis Roth hat sie zusammen mit ihrem damaligen Freund aus der Skinhead-Szene beim örtlichen Schützenverein Schießübungen absolviert. Auch in der rechtsextremen Szene in Oberfranken war sie aktiv, beispielsweise in Gräfenberg (Lkr. Forchheim), Marktredwitz und Selb (beide Lkr. Wunsiedel).

Mandy S. gilt als eine der wichtigsten und frühesten Helferinnen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Die Bundesanwaltschaft wirft ihr vor, Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe 1998 beim Untertauchen geholfen und die Drei in der Wohnung eines Freundes in Chemnitz einquartiert zu haben. Im Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bildung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung steht sie an siebter Stelle hinter Beate Zschäpe. Ihr Anwalt widerspricht der Aussage, S. habe den NSU bewusst unterstützt.

Kontakte nach Fürth und Gräfenberg

Beate Zschäpe (NSU) soll von Mandy S. unterstützt worden sein.

Jedoch haben die Recherchen eine tiefe Verstrickung von Mandy S. ins rechtsextremistische Umfeld ergeben. Sie gehörte über Jahre hinweg gewaltbereiten Neonazi-Organisationen an, verteilte Flugblätter in Nürnberg, nahm an Aufmärschen der Rechten in Gräfenberg (Lkr. Forchheim) teil sowie an Schulungen des vorbestraften Neonazis Matthias Fischer aus Fürth. Die Sächsin Mandy S. war von den Zielen der – inzwischen verbotenen – "Fränkischen Aktionsfront", die Fischer ins Leben gerufen hatte, fasziniert und wollte eine "Sächsische Aktionsfront" in Chemnitz aufbauen. Sie besuchte Fischer persönlich in seiner damaligen Wohnung in Fürth, die sich in der Nähe eines Tennisvereins befand. Auch zu gewaltbereiten Organisationen wie "Blood and Honor" fühlte sie sich hingezogen.

Hilfe für Beate Zschäpe

Gefälschter Mitgliedsausweis des Tennisclubs - aus einer internen BKA-Akte

Ein fingierter Mitgliedsausweis des Tennisclubs, ausgestellt auf den Namen von S., aber mit einem Foto von Beate Zschäpe versehen, fand sich im November 2011 im Brandschutt in der Zwickauer Frühlingsstraße, der letzten Wohnung des NSU-Trios. Mandy S. hatte Beate Zschäpe auch ihre AOK-Krankenkassen-Karte zur Verfügung gestellt, damit diese unerkannt zum Arzt gehen konnte. S. lebte von Sommer 2002 bis März 2003 im fränkischen Büchenbach (Lkr. Roth) – zum Zeitpunkt, als der NSU in Nürnberg bereits zwei Morde verübt hatte. Beim dortigen Schützenverein übte sie das Schießen. Die Polizei interessierte sich zuletzt auch für die Frage, ob sich während dieser Zeit Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos mit S. in der fränkischen Region getroffen hatten.

Beckstein: "Ich meine, dass es Mittäter in Nürnberg gab"

In diesem Schützenhaus hat Mandy S. mit dem Gewehr geübt.


Mandy S. war noch bis Anfang 2011 Mitglied der mittlerweile verbotenen "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG) und nahm an deren Treffen teil. Sie soll einen wegen Totschlags eines Homosexuellen in Amberg inhaftierten Skinhead unterstützt und betreut haben. Immer wieder war sie mit führenden Köpfen der Neonazi-Szene liiert. Politiker und Nebenklagevertreter kritisieren das zögerliche Verhalten der Ermittlungsbehörden bei der Enttarnung der NSU-Unterstützer. Sie fürchten, dass nach dem Urteil gegen Beate Zschäpe die Verfahren eingestellt werden, auch gegen Mandy S. Der frühere bayerische Ministerpräsident und Innenminister Günther Beckstein (CSU) geht ebenfalls von einem Helfer-Netz aus: "Ich meine, dass es Mitwisser und Mittäter in Nürnberg und der Region geben muss."

Die sächsische Linkspartei-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz, die sich intensiv mit den Aktivitäten von Mandy S. befasst, sagte im Gespräch mit BR und Nürnberger Nachrichten: "Frau S. ist für mich eindeutig ein Mitglied dieses Gesamtunterstützernetzwerkes. Sie war in dieser Szene vernetzt, diese Anzeichen sind nachweisbar." Antonia von der Behrens, eine Nebenklagevertreterin im NSU-Prozess, befürchtet, dass die Ermittlungen nach dem Urteilsspruch im NSU-Prozess beendet werden. Wörtlich fügte sie hinzu: "Man hält das Verfahren noch offen, um uns eigentlich als Nebenklagevertreter zu vertrösten."

Inzwischen erhebt sich Kritik an Polizei und Innenministerium.

Die Nürnberger Nachrichten berichten in den Ausgaben vom 8. und 9. Dezember 2017 über die gemeinsame Recherche.


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