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Nitratwerte Bund Naturschutz für Gesetz statt Freiwilligkeit

Der neue "Wasserpakt" geht dem Bund Naturschutz nicht weit genug: An vielen Messstellen in Bayern würden die Grenzwerte für Nitrat überschritten – besonders häufig in Mittelfranken. Von Inga Pflug

Von: Inga Pflug

Stand: 21.03.2017

Wasser läuft aus einem Hahn in ein Glas | Bild: picture-alliance/dpa

Um das Grundwasser im Freistaat vor Nitrat zu schützen, müssten Wasserschutzgebiete erweitert und Düngemengen in besonders Nitrat-belasteten Gebieten im Freistaat beschränkt werden, fordert der  Bund Naturschutz (BN) in Bayern anlässlich des Weltwassertages am 22. März. An bis zu 20 Prozent der Grundwasser-Messstellen im Freistaat werde der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser überschritten, sagte BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner dem Bayerischen Rundfunk. Negativer Spitzenreiter sei dabei Mittelfranken: Bei knapp einem Viertel (23,5%) der insgesamt 809 Messstellen liegt der Nitratwert laut BN bei mehr als 50 Milligramm pro Liter. Besonders betroffen sei der Landkreis Ansbach, wo Ruppaners Worten zufolge die zahlreichen Biogasanlagen die Nitrat-Werte hochtreiben.

Hälfte der Messstellen unter 25mg/l

In Unterfranken wird der Grenzwert  den Zahlen zufolge an 86 Messstellen (20,9%) überschritten. Für Oberfranken (93 Stellen, 15%), die Oberpfalz (82 Stellen, 17,5%) und Schwaben (68 Stellen, 17,8%) konstatiert der BN Überschreitungen an 15 bis knapp 18 Prozent der Messstellen.

Unter dem früheren Vorsorgegrenzwert von 25 Milligramm pro Liter liegt den Angaben zufolge lediglich die Hälfte der Grundwassermessstellen im Freistaat. Am meisten sind es in Oberfranken mit 57,5 Prozent der Messstellen (356 von 619), am wenigsten in Oberbayern mit 31,7 Prozent (145 von 457 Messstellen).

BN warnt vor Kosten

Den Naturschützern zufolge könnten sich die Werte sogar noch verschlechtern, da Nitrat aus Überdüngung oft erst Jahrzehnte später in den grundwasserführenden Schichten lande. Dann müssten Brunnen neu gebohrt oder das Nitrat kostenaufwändig aus dem Wasser entfernt werden, wodurch hohe Kosten entstünden, warnt der BN.

"Mit freiwilligen Maßnahmen alleine wird es weiterhin nicht gelingen, unser Grundwasser und die Bäche und Seen in Bayern sauber zu halten."

Hubert Weiger, BN-Landesvorsitzender

Deshalb müssten nun endlich die gesetzlichen Maßnahmen ausgeschöpft werden. Agrarreferentin Ruppaner forderte ein Gesetz zum Schutz von Wiesen und Weiden, "das nicht von der Förderpolitik abhängig ist". Die Staatsregierung müsse sich für einen Umbau der Agrarförderung einsetzen, damit umweltverträglich wirtschaftende Bauern für Ihre Leistung entlohnt würden.

Unterschiedliche Zahlen im Umlauf

Den Zahlen des Bund Naturschutz in Bayern liegen Antworten des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten auf Anfragen der Grünen zugrunde. Das Landesamt für Umwelt habe andere Zahlen, da jeder andere Daten auswerte, räumte Ruppaner im BR-Gespräch ein.

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Michael, Dienstag, 21.März, 20:46 Uhr

1. Wasser ist unsere Lebensgrundlage

Wasser ist unsere Lebensgrundlage und wenn die Qualität dieses (Über-)Lebensmittels negativ beeinflusst wird, dann müssen streng kontrollierte Vorgaben her - die Zeit für freiwillige Selbstverpflichtungen, die das Papier nicht wert sind auf dem sie stehen, ist vorbei. Es geht um unsere Gesundheit und vielleicht braucht es hier ein Volksbegehren wie beim Nichtraucherschutz (das hat mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Gaststättenbetreiber ja auch nicht wirklich funktioniert).