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Hansfried Defet Zum 90. verteilt der Mäzen die Geschenke

Zu seinem 90. Geburtstag hat der Nürnberger Kunstmäzen Hansfried Defet dem Neuen Museum in Nürnberg knapp 50 Kunstwerke gestiftet. Diese werden nun ausgestellt.

Von: Judith Dauwalter und Karin Goeckel

Stand: 20.09.2016

Normalerweise ist es doch so: Wer Geburtstag hat, bekommt Geschenke. Der Nürnberger Pinselfabrikant Hansfried Defet macht es genau andersherum: Zu seinem 90. Geburtstag (20.09.16) verteilt er die Geschenke. Hansfried Defet hat dem Neuen Museum in Nürnberg auch im Namen seiner verstorbenen Frau knapp 50 Kunstwerke gestiftet.

"Gregor Samsas Freunde" von Peter Angermann

Das Museum bedankt sich, indem es alle Werke in insgesamt neun Sammlungsräumen vorstellt. Am Dienstagabend eröffnet die Präsentation "Raum um Raum". Für die Öffentlichkeit ist sie dann ab heute bis zum 20. November zu sehen.

Ein Künstlerhaus in Schweinau

Als ob jemand überdimensionale weiße Schuhschachteln ineinander gesteckt hat – so wirkt das Atelier- und Künstlerhaus Defet im Nürnberger Stadtteil Schweinau. Auch im Inneren ist es verschachtelt, mit vielen Türen und Gängen, aber hell und freundlich. 21 Künstler haben hier ihr Atelier. An den weißen Wänden hängen ihre Werke. Die Tür ist fast immer offen.

"Das würde ich schon sagen, dass dieses so besonders ist: Man kann jederzeit reinkommen, auch wenn die Ateliers mal geschlossen sind oder der einzelne mal nicht da ist, um sich Kunst anzuschauen in den Gängen."

Verena Waffek, Nürnberger Künstlerin

Seit zehn Jahren arbeitet Verena Waffek im Atelier- und Künstlerhaus Defet. Und sie hat das Gebäude auch mitgestaltet, damals, als Hansfried Defet mit seiner Künstlerpinselfabrik auszog und das Haus den Künstlern überlassen wollte.

Eine Herzensangelegenheit

"Ich bin damals dann durch die Fabrik gegangen, als hier eben noch Produktion hier war und hab mir das dann innerlich gleich so vorgestellt, wie das denn aussehen müsste. Und das ganz besondere dran war, dass Herr Defet sich eigentlich auf alle Anregungen eingelassen hat."

Verena Waffek, Nürnberger Künstlerin

Hansfried Defet wollte eben möglichst gute Arbeitsbedingungen für Künstler schaffen. Denn die Kunst war für ihn schon immer Herzensangelegenheit.

Zusammen mit seiner verstorbenen Frau Marianne Defet, einer studierten Malerin, sammelte er Kunst und stellte sie aus: In der eigenen Galerie, die sich zunächst in der Pinselfabrik, später in einem Anbau am Wohnhaus der Defets befand. Sie waren auf den wichtigen Kunstmessen: Der Art Basel, der ArtCologne und anderen. Und sie besuchten Künstler in ihren Ateliers. Viele von ihnen wurden zu Freunden.

Wohlfühlen in der Fabrik

"Man geht ins Atelier und sieht und meistens sind wir dann auch mit einer Erwerbung aus dem Atelier herausgegangen."

Hansfried Defet

Hansfried Defet stammt aus einer Nürnberger Pinselmacherfamilie. Seit 1930 gehörte den Defets ein kleiner Betrieb in Gostenhof.

"Meine Mutter hat dann, wie ich aus dem Krieg 1945 nach Hause gekommen bin, zu mir gesagt: Bub, und morgen geht’s in die Fabrik, und seitdem fühle ich mich da sehr wohl."

Hansfried Defet

Spezialwünsche im Schloss Bellevue

Aus dem kleinen Betrieb hat Hansfried Defet die erfolgreiche Künstlerpinselfabrik da Vinci gemacht. Künstler aus der Region und aus anderen Ländern malen mit da Vinci-Pinseln.

Auch Spezialwünsche erfüllt Hansfried Defet gern. So wie damals, als Bundespräsident Richard von Weizsäcker ins Schloss Bellevue einzog und bei dem Düsseldorfer Maler Gotthard Graubner zwei Gemälde für den Empfangsraum des Schlosses bestellte.

"Und diese Bilder, die etwa acht auf acht Meter geschaffen werden mussten, für die hat der Maler auch spezielle Pinsel gebraucht. Und dann ist der Maler zu mir gekommen und hat sich diese speziellen Pinsel dafür machen lassen."

Hansfried Defet

Dackel und Klavier

Auch mit fast 90 Jahren kommt Hansfried Defet noch jeden Tag in die Fabrik, immer von 9 bis 12 Uhr. Und fast jeden Nachmittag geht er, begleitet von seinem Dackel Laurin 5, ins Atelier- und Künstlerhaus Defet, um Klavier zu spielen.

Musik liebt Hansfried Defet schon sein Leben lang. Als junger Mann lernte er Klavier und Geige. Doch erst im hohen Alter fing er wieder an zu spielen. Wenn Klänge wie diese durch die Gänge klingen, weiß Fotograf Uwe Niklas: Die gute Seele ist wieder im Haus.

"Ich erlebe ihn immer als sehr zufriedenen Menschen, finde ich, und ich wünsche ihm, wenn ich damit recht habe, dass er die weiterhin hat und das Leben genießen kann. Ich erlebe ihn auch als sehr kraftvoll tatsächlich, obwohl er 90 ist. Wenn man manchmal mit ihm telefoniert und er ruft einen früh um halb acht an, dann steht man im Bett und ist wach. Das ist so eine ganz charmante Energie und eine Kraft die da rüberkommt und ich wünsche ihm, dass er die, so lange es geht, beibehalten kann."

Uwe Niklas, Fotograf

"Ich kann mir das Haus ohne ihn nicht vorstellen. Ich will, dass es ihm ganz gut geht und dass er, so lange er das möchte und kann, bei uns ist."

Verena Waffek, Nürnberger Künstlerin

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