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Reaktionen auf S-Bahn-Rückzieher Überraschung, Erleichterung und Ärger

Nach dem Rückzieher von National Express im Vergabeverfahren um die Nürnberger S-Bahn zeigen sich Politiker und Fahrgastvertreter erleichtert bis verärgert. Die DB Regio hat angekündigt, weiter im Rennen zu bleiben.

Von: Judith Dauwalter und Simone Schülein

Stand: 25.10.2016

DB Regio stehe auch weiterhin zu seinem Angebot, die Nürnberger Netze betreiben zu wollen, sagte ein Bahnsprecher zum Bayerischen Rundfunk.

"Die Entscheidung von National Express zum jetzigen Zeitpunkt ist für DB Regio sehr überraschend gekommen. Wir werden nun prüfen, was dies für die Ausschreibung der S-Bahn Nürnberg bedeutet."

Sprecher von DB Regio

Maly hofft auf "reibungsfreien Übergang"

Auch Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) zeigte sich im Gespräch mit dem BR "einigermaßen überrascht": "Das zeigt, dass man schon im Vergabeverfahren mit manchen Formen von privaten Angeboten vorsichtig umgehen muss." Maly hofft, dass die Bayerische Eisenbahngesellschaft nun eine "kluge Entscheidung" trifft.

"Wenn die DB Regio die S-Bahn weiter betreibt, habe ich nichts dagegen. Es geht uns um einen reibungsfreien Übergang."

Ulrich Maly (SPD), Nürnberger Oberbürgermeister

"Große Bauchschmerzen"

Der Nürnberger SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Verkehrsausschusses Martin Burkert hält die DB Regio für einen geeigneten Kandidaten, weil sie gerade im S-Bahn-Bereich "qualitätsorientiert und pünktlich" fahre. Beim Zuschlag für National Express habe er schon in der Vergangenheit "große Bauchschmerzen" gehabt.

"Hier wurde vieles auch über die Lohnkosten am Preis gemacht. Aber der Wettbewerb im Schienenpersonennahverkehr darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten erfolgen."

Martin Burkert (SPD), Vorsitzender des Bundestags-Verkehrsausschusses aus Nürnberg, im BR-Interview

Entscheidend sei für die Nürnberger aber, dass die S-Bahn weiter pünktlich und sicher fahre bis entschieden ist, wer den Zuschlag erhält.

"Peinliche Blamage"

Verärgert zeigt sich der Fahrgastverband Pro Bahn. Der stellvertretende Bundesvorsitzende Lukas Isländer sagte dem BR: "Aus unserer Sicht ist das ganze nur noch peinlich."

"Die Ausschreibung ist zur Blamage für den Freistaat verkommen."

Lukas Isländer, stellvertretender Bundesvorsitzende Pro Bahn

Man hoffe auf eine Neuausschreibung. Denn nur durch einen Wettbewerb würden die Preise für Steuerzahler und Fahrgäste nicht steigen. Pro Bahn geht aber davon aus, dass, unabhängig von der endgültigen Entscheidung, beim Übergang keine Nachteile für Bahnkunden entstehen.

S-Bahn Netzplan Nürnberg

"Massive zeitliche Verzögerungen"

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft mbH (BEG) hatte den Rückzug des britischen Unternehmens am Dienstag (25.10.16) in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. National Express bestätigte den Rückzug. In einem Statement heißt es: Der Grund für diese Entscheidung seien "massive zeitliche Verzögerungen". Die geforderte Lieferung neuer Fahrzeuge sei bis zum geplanten Starttermin im Dezember 2018 nicht mehr möglich.

Neue Vergabe bis Ende des Jahres

Im Februar 2015 hatte die BEG offiziell mitgeteilt, den Betrieb der Nürnberger S-Bahn an das britische Unternehmen National Express Rail GmbH mit Sitz in Köln zu vergeben. National Express hatte angekündigt, dabei auf neue Züge zu setzen und die Qualität der S-Bahn für die Nürnberger zu verbessern.

Was folgte, war eine juristische Auseinandersetzung: Die DB Regio klagte gegen die Vergabeentscheidung. Die daraus folgenden Verzögerungen seien so groß, "dass eine termingerechte Lieferung der neuen Züge für eine Betriebsaufnahme im Dezember 2018 inzwischen völlig ausgeschlossen ist", so National Express. Geeignete "Übergangsfahrzeuge" zu beschaffen, wäre sehr kostenintensiv.

Die BEG kündigte an, nun neue Angebote auszuwerten. Die Absage von National Express bedeute nicht, dass DB Regio automatisch den Zuschlag erhalten werde. Bis Ende des Jahres soll eine neue Vergabeentscheidung getroffen sein.

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Walter von der Vogelwiese, Mittwoch, 26.Oktober, 08:08 Uhr

7. Sehr geehrter "sympathie träger"

Ihre Unwissenheit und völlig daneben gelagerte Vergleiche sind schon ein Grund Ihre Kommentare gar nicht zu veröffentlichen. Wasser ist ein Rohstoff, den es nur einmal gibt, Überlebenswichtig für den Menschen ist und nicht in die Hände privater Geldanleger gehört. Da gebe ich Ihnen recht, hat aber rein gar nichts mit der Situation hier zu tun. Züge müssen gekauft und betrieben werden und sind allein durch Menschenhand geschaffen. Und wenn wir keinen Wettbewerb mehr haben, wird die Bahn in einem Sumpf aus gegenseitigem "Postengeschiebe" sich in der Sonne aalen. Und da ist die DB Anfang der 90iger Jahre hergekommen. Und dank Herrn Weselski wird sie bald wieder ankommen: Triebfahrzeugführer werden nur noch 24 Stunden die Woche arbeiten und 50 Tage Urlaub haben. Und wer bezahlt das? SIE aus Ihren STEUERGELDERN. Ausschreibungsschwachsinn? Denken Sie mal scharf nach, warum es für alles in Ihrer Umgebung verschiedene Hersteller oder Betreiber gibt...

  • Antwort von Thomas Bürger, Mittwoch, 26.Oktober, 14:21 Uhr

    Hallo Walter von der Vogelweide-bei ihrem Stuss den sie da schreiben musste ihnen der Stift automatisch aus der Hand fallen.Sie sind wohl auch so ein Menschenverachter der Lokführer 100 Stunden arbeiten lässt .Sie haben keine Ahnung oder sind sie ein Gönner von NX .

sympathie träger, Dienstag, 25.Oktober, 19:20 Uhr

6.

erst subventionieren die deutschen steuerzahler die db und dann wird die s-bahn an ein ausländischen investor vergeben , der mit neuen zügen aus der tschechei fahren wollte ! was habe ich da als bürger für vorteile ? die gewinne fliessen in zukunft nach england in den schlund von irgendwelchen geldgierigen (...) und bei uns stehen züge und db-personal auf den abstellgleis ! dieser ausschreibungsschwachsinn ist doch sicher auf den misthaufen in brüssel gewachsen !
hört sich so sinnvoll an , wie die privatisierung der trinkwasserversorgung . wozu das in den betroffenen städten weltweit geführt hat ist sicherlich ein deutliches warnzeichen für normal denkende menschen ! leider sind politiker nicht besonders normal oder ehrlich ! Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Schade, Dienstag, 25.Oktober, 14:49 Uhr

5. weltfremde SPD

Man sieht wie weltfremd die SPD ist wenn ein Martin Burkert behauptet die DB fahre qualitätsorientiert und pünktlich.
Dazu eine Unwissenheit, NX hätte nach Tarifvertrag bezahlt

  • Antwort von Bertl, Dienstag, 25.Oktober, 15:08 Uhr

    Offensichtlich sind sie kein Experte... Die S-Bahn Nürnberg hat die höchste Pünktlichskeitsquote bundesweit. Und NX hätte nach Tarif bezahlt, allerdings ist das ein Tarifvertrag der mit der Gewerkschaft der Lokführer unterzeichnet wurden. Dadurch hätte das Personal zwar das gleiche Geld am Monatsende, hätte aber wesentlich mehr arbeiten müssen. Zusätzlich noch Dienstbeginn im Umkreis von 100 (!) km, weniger Nachtzulagen, weniger Urlaub und noch vieles mehr! Zusätzlich hätte NX Zugbegleiter nur über einen Subunternehmer eingekauft!!! Die DB Regio in Nürnberg ist ein Ausbildungsbetrieb, NX hätte dies auch nicht gemacht... Also, bevor man pauschal irgendwelche Floskeln raushaut, erstmal richtig informieren!

  • Antwort von Schade, Dienstag, 25.Oktober, 16:31 Uhr

    Zugbegleiter in der S-Bahn? Da gibt es doch nur Kontrolleure.
    Das die S-Bahn die höchste Pünktlichtskeitsqoute hat verwundert nicht, immerhin fährt die nur alle 20 Minuten, da ist kein S-Bahn gerechter Takt. Nur weil die anderen Netze noch viel unpünktlicher sind heißt es noch lange nicht dass hier gute Arbeit geleistet wird.
    Warum sollte NX bei der momentan Lokführersituation nicht ausbilden wollen?

Steffl, Dienstag, 25.Oktober, 11:46 Uhr

4. S-Bahn Nürnberg

....jetzt auf einmal, kurz vor dem Ziel das Handtuch schmeißen....sehr mysteriös!!!!!!!!
Wer hier glaubt, das National Express ein gutes wirtschaftliches Angebot abgegeben hat, der hat keine Ahnung!
Siehe Agiliis, nach 5 Jahren Betrieb, große finanzielle Probleme!

  • Antwort von @Steffi?, Dienstag, 25.Oktober, 12:13 Uhr

    Den Artikel gelesen? Es wäre einfach keine Betriebsaufnahme möglich gewesen da die Bahn so lange geklagt hat bis kein Lieferant mehr neue Fahrzeuge hätte liefern können.

  • Antwort von BastianK, Dienstag, 25.Oktober, 14:33 Uhr

    Na und? Das nennt sich "Übergangsbetrieb" und wird bei zahlreichen Verkehrsverträgen so gemacht. Der bisherige Betreiber fährt (für richtig gutes Geld, da verdient man sich eine goldene Nase mit) einfach weiter bis der neue fertig aufgestellt ist. Das ist keinerlei Hinderungsgrund.

Schade, Dienstag, 25.Oktober, 11:31 Uhr

3. Schade

Leider wird hier sehr viel Geld verbraten dass nun in den Bonizahlungen ehemaliger Politiker und nun im Bahnvorstand landet.
Alles auf Kosten der Steuerzahler und der Fahrgäste die weiterhin den schlechten Service und die unbequemen Züge der Bahn ertragen müssen.

  • Antwort von Wurf, Dienstag, 25.Oktober, 12:05 Uhr

    Die S-Bahn Nürnberg ist eine der komfortableren S-Bahnen. Und National Express hätte den gleichen Zugtyp eingesetzt, damit ergibt sich keine Verbesserung

  • Antwort von Schade, Dienstag, 25.Oktober, 14:47 Uhr

    Wer die eingesetzten Talent 2 Fahrzeuge als komfortabel ansieht (keine Steckdosen, kein Wlan, schlechter Handyempfang, im Winter so kalt dass alle ihre Jacken und Mützen anlassen, im Sommer eine zu geringe Leistung der Klimaanlage) ist noch nie wirklich Bahn gefahren