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Amoklauf in Leutershausen Zwei Tote und viele offene Fragen

Ein 47 Jahre alter Mann hatte nahe Leutershausen zwei Menschen erschossen, bevor sein Amoklauf gestoppt werden konnte. Dem mutmaßlichen Täter wurden Wahnvorstellungen attestiert – sein Motiv ist weiter offen.

Stand: 13.07.2015

Ortsschild von Tiefenthal | Bild: picture-alliance/dpa

Ein erster psychiatrischer Sachverständiger hat dem mutmaßlichen Todesschützen eine psychiatrische Störung mit Wahnvorstellungen attestiert. Er erklärte nach einer ersten Untersuchung, der 47-jährige Bernd G. aus Ansbach leide unter einer akuten Psychose mit bizarrem Wahnsystem. Wie die Staatsanwaltschaft Ansbach mitteilte, liegt die Vermutung nahe, dass der Mann zur Tatzeit in seiner Schuldfähigkeit eingeschränkt war. Vor einer abschließenden Diagnose müssen allerdings noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Ein abschließendes Gutachten wird wohl erst in zwei bis drei Monaten vorliegen. Was genau den 47-Jährigen zu der Tat trieb, ist somit nach wie vor unklar.

Motiv weiter rätselhaft

Bei der Vernehmung sagte der 47-Jährige nur, er sei Krankenpfleger, aber seit ein bis zwei Monaten arbeitslos. Berichte, nach denen dem Mann gekündigt wurde, weil er einen Patienten ruppig angefasst hatte, bestätigte die Staatsanwaltsschaft zunächst nicht. Gegen den mutmaßlichen Todesschützen wird nun wegen zweifachen Mordes, versuchten Mordes, Bedrohung und Nötigung ermittelt. Mit den beiden Toten ist der Mann nicht verwandt. Die Ermittler gehen davon aus, dass er seine Opfer zufällig ausgewählt hat. Er soll "willkürlich, aber gezielt" auf sie geschossen haben. Der mutmaßliche Amokschütze wurde ins Bezirkskrankenhaus Ansbach eingeliefert.

Chronologie des Amoklaufs

Am Freitagvormittag (10.07.15) gegen 10.00 Uhr hatte der Mann in Tiefenthal im Landkreis Ansbach aus einem Auto heraus auf eine 82-jährige Frau geschossen. Ob er die Rentnerin zuvor angesprochen hatte, ist unklar. Das Opfer starb noch am Tatort. Kurz darauf fuhr der Mann in den etwa fünf Kilometer entfernten Ortsteil Rammersdorf und erschoss einen 72 Jahre alten Radfahrer. Anschließend setzte der Täter seine Amokfahrt fort und schoss auf einen Landwirt und bedrohte einen weiteren Autofahrer mit der Schusswaffe, teilte die Polizei mit.

In Bad Windsheim wurde der 47-Jährige festgenommen.

Der Landwirt wurde leicht verletzt, der Autofahrer kam mit dem Schrecken davon. Der Täter flüchtete in einem silbernen Mercedes-Cabrio. Am späten Vormittag stürmte er eine Tankstelle im etwa 30 Kilometer entfernten Bad Windsheim und bedrohte die Mitarbeiter mit seiner Pistole. Als er sie kurz auf dem Tresen ablegte, nutzte eine Mitarbeiterin die Chance und nahm die Waffe an sich.

Mit Kabelbindern gefesselt

Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, flüchtete die Mitarbeiterin mit der Pistole und schloss sich ein. Der Amokläufer habe daraufhin versucht eine zweite Waffe aus seinem Auto zu holen. Das hätten zwei Mechaniker jedoch verhindert. Sie überwältigten den Mann, fesselten ihn mit Kabelbindern und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. An der Fahndung nach dem Täter war ein Großaufgebot der Polizei mit weit mehr als 100 Beamten beteiligt. Nach seiner Festnahme benahm sich der mutmaßliche Täter psychisch auffällig, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Neuhof. Im Polizeiauto habe er "wirre Äußerungen" ohne erkennbaren Zusammenhang von sich gegeben. Einzelheiten sind nicht bekannt.

Amoklauf in Mittelfranken

Sportschütze – oder doch nicht?

Der mutmaßliche Täter soll Sportschütze sein, doch die örtlichen Schützenvereine betonen, er sei dort kein Mitglied. "Der ist in ganz Ansbach nicht bekannt", sagte Norbert Rzychon vom SV Germania 1882. Wenige Stunden nach der Tat am Freitag (10.07.2015) hätten sich die Vereine aus Ansbach und den Ortsteilen zusammengeschaltet. Doch Rzychon zufolge kannte niemand den Mann, der nach Angaben der Ermittler aus Ansbach stammt und eine Waffenbesitzkarte hat. Er besaß seine Pistole und seinen Revolver somit legal, hätte sie aber nur in einem Sportheim benutzen dürfen. Bei der jüngsten Überprüfung des Sportschützen im Jahr 2013 war den Behörden noch nichts aufgefallen, so bestätigte ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Der nächste Check wäre turnusgemäß Ende 2016 fällig gewesen.

Amoklauf in Leutershausen

Leutershausen trauert still

Am Samstagabend (11.07.15) wurde in einer Kirche in Leutershausen der Opfer gedacht. Die Dorfgemeinschaft sollte damit Gelegenheit bekommen, sich zu verabschieden, erklärte Bürgermeister Siegfried Heß. Bei zwei Festen in den umliegenden Dörfern wurde am Wochenende nach dem Amoklauf auf Live-Musik verzichtet. Im Rathaus von Leutershausen wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt. Das Altstadtfest in Leutershausen soll trotz allem wie geplant am 25. und 26. Juli stattfinden. Man habe erst geplant, das Fest abzusagen und sich dann umentschieden, hieß es.


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