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Kunst auf dem Klo Geschichten vom "stillen Örtchen" in Nürnberg

Manche verbringen dort Stunden, andere wollen so schnell wie möglich wieder raus. Doch keiner kommt um das "stille Örtchen" herum. Wie es dort zugehen kann, zeigt nun die Ausstellung "Besetzt!" im Museum für Kommunikation in Nürnberg.

Stand: 05.04.2017

Was auf dem Klo passiert, bleibt meist dort. Als zu peinlich und intim ist das alltägliche Geschäft verschrien. Dass es dabei aber auch durchaus kommunikativ zugehen kann, zeigt nun die Ausstellung "Besetzt!".

Zwölf mobile Toilettenhäuschen gewähren Einblicke in Themen, die man auf den ersten Blick nicht mit einer Wasserspülung in Verbindung bringen würde. Im engen Inneren geht die kulturelle und sanitäre Entdeckungsreise los.

Zu peinlich, zu intim

Obwohl jeder Mensch mehrfach täglich eine Toilette aufsucht, handelt es sich häufig um eine Art "Anti-Raum", sagt Ausstellungsmacherin und Kunsthistorikerin Martina Padberg.

"Dieses Thema Klo, das vermeiden wir gerne im Umgang miteinander, weil es erinnert uns auch so an unsere tierische Natur. Das kann man kaum ästhetisch überformen. Das kann man nur peinlich verschweigen."

Martina Padberg, Kunsthistorikerin

Station "Sex Klo" – der tabuisierte Ort

Zumindest seien Toiletten aber tabuisierte Orte. Das gilt insbesondere für die Station "Sex Klo", die den Aspekt der öffentlichen Toiletten als sogenannte "Klappen" illustriert, als anonymen Treffpunkt für Homosexuelle also.

"Jeder schämt sich"

Der Gang zur Toilette ist häufig ein schwieriger Weg. "Jeder Mensch schämt sich", sagt Padberg. Dabei handele es sich allerdings um ein "anerzogenes und kulturell geprägtes Verhalten". Noch in der Antike seien öffentliche Latrinen auch eine Art Begegnungsort gewesen, bei dem man sich ungeschützt und nebeneinander in Gemeinschaftslatrinen aufgereiht hat.

Den deutlichsten Gegenpol hierzu bildet die heutige japanische Toilettenkultur, die mit angewärmten Toilettenbrillen und Musik auf besondere Abschirmung setzt – damit von menschlichen Geräuschen nichts nach nebenan dringt.

Die politische Dimension des stillen Örtchens

Die Ausstellung "Besetzt!" gewährt einen Einblick in die Geschichte des stillen Örtchens und erinnert beispielsweise in der Station "Klo Orte" an die politische und gesellschaftliche Dimension. So wurden etwa in den USA oder in Südafrika die Toilettenbesucher nach Hautfarbe getrennt. Im Nachkriegs-Berlin gab es am Kontrollpunkt Dreilinden vier Toilettenhäuschen – getrennt für Amerikaner, Briten, Franzosen und Deutsche.

Graffiti auf dem Klo

Die kommunikative Dimension, das Bekritzeln von Wänden, Spülkästen und Türen öffentlicher Toiletten, thematisiert der Sonderbereich "Klo Graffiti". Hier geht es um die Geschichte der Graffiti, um die wissenschaftliche Auswertung von Klosprüchen auf Damen- und Herrentoiletten, um Piktogramme an den Türen und die Frage der Unisex-Toilette in der Transgender-Diskussion.

Die Bedeutung des "stillen Örtchens" ragt also in sämtliche Bereichen der Kunst, der Literatur und der Musik. Künstlerisch geht es dann auch in der Ausstellung zu, etwa in einem Häuschen, in dem Tonspuren in Form von Klorollen rund um das Thema Klogang angebracht sind. Wer die Spülung betätigt, bekommt zum Beispiel Jan Delays Song "Im Arsch" zu hören.

Weitere Infos zur Ausstellung

Die Ausstellung "Besetzt! Geschichten im stillen Örtchen" im Museum für Kommunikation in Nürnberg läuft bis zum 2. Juli.


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