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Kläranlage Weißenburg Pilotprojekt gegen Arzneimittelrückstände

Startschuss für eine neue Kläranlagentechnik heute in Weißenburg: Dort wird an der Kläranlage der Spatenstich für ein bayerisches Pilotprojekt gesetzt, das Mikro-Schadstoffe wie Medikamentenrückstände und Hormone im Abwasser reduziert.

Stand: 08.09.2016

Diese sogenannte "vierte Reinigungsstufe" entsteht in einem rund 150 Quadratmeter großen Gebäude auf dem bestehenden Gelände der Weißenburger Kläranlage. Darin soll das normal vorgereinigte Abwasser aus Becken der Kläranlage in einen Ozon-Reaktor fließen. Die Medikamentenrückstände und Hormone werden oxidiert, die Verbindungen aufgebrochen. Über spezielle Filter sollen die Rückstände dann aus dem Abwasser entfernt werden.

Vierte Reinigungsstufe

Schaubild der vierten Reinigungsstufe in der Kläranlage Weißenburg

1) Im Ozongenerator wird aus flüssigem Sauerstoff Ozon erzeugt.
2) Über einen Injektor kommt das Ozon in das Kontaktbecken und reagiert dort mit dem vorgereinigten Abwasser aus dem Ablauf der Nachklärbecken. Organische und anorganische Abwasserinhaltsstoffe werden oxidiert.
3) Im BAK-Filter (biologisch aktivierte Aktivkohle) werden Substanzen absorbiert und biologisch abgebaut.

Kosten-Nutzen-Abwägung

Das Pilotprojekt in Weißenburg soll zeigen, wie das technisch machbar ist und ob Aufwand und Ergebnis in einem guten wirtschaftlichen Verhältnis stehen. Weißenburg wurde für das Projekt ausgewählt, weil hier die Schwäbische Rezat, die selbst wenig Wasser führt, das Abwasser der Kläranlage aufnimmt.

Lebensraum erhalten und fördern

Im Vorfeld haben Untersuchungen ergeben, dass Fische und Muscheln in der Schwäbischen Rezat unter anderem hohe Konzentrationen von Arzneimittelrückständen aufweisen. Ziel ist es, durch die Behandlung des Abwassers, diese Konzentrationen und somit auch die Belastung der Organismen deutlich zu reduzieren. Das bayerische Pilotprojekt soll somit ein Beitrag zur Verbesserung der Gewässer-Ökologie sein, um Gewässer als wichtigen Lebensraum zu erhalten und zu fördern.

3 Millionen Euro-Projekt

Das Projekt wird vom Bayerischen Landesamt für Umwelt im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums koordiniert. Die Kosten dafür betragen rund drei Millionen Euro, zu 75 Prozent gefördert vom Freistaat Bayern. Den Rest zahlt die Stadt Weißenburg als kommunaler Träger der Kläranlage. Die neue Kläranlagentechnik soll im nächsten Frühjahr in Betrieb gehen, geplant ist Mai 2017. Zum Spatenstich hat sich Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) angemeldet.


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Thomas D., Donnerstag, 08.September, 15:30 Uhr

2. Meine Meinung:

Das Projekt wurde zuerst der Stadt Ansbach angeboten, der Stadtspitze u. dem Stadtrat in Ansbach fehlte aber der Mut zu einer Entscheidung für den Bürger!

THW, Donnerstag, 08.September, 14:52 Uhr

1. super Idee

Super Idee, man sollte solche Anlagen gleich neben Autobahnen aufstellen, dann kriegt man Ozon kostenlos.
Es wäre noch interessant zu wissen, wo die erhöhten Rückstände in der Rezat herkommen, ist das bekannt? Weißenburg liegt ja weder in der Nähe von Basel oder Mannheim oder Frankfurt oder oder...
Zufällig habe ich neulich auf ganz normalem Rasendünger der Firma Neudorf entdeckt, dass dort Abfälle aus der Arzneimittelherstellung enthalten sind. Habe dann vom Kauf Abstand genommen. Vom Rasen kommt das ins Grundwasser, von dort auch in Bäche/ Flüsse.
Aber wie kommt es ins Abwasser? Heißt das am Ende, es war schon im Trinkwasser? Die paar Haushalte können das in Weißenburg ja nicht gewesen sein. Oder gibt es in der Nähe ein Altenheim (Entschuldigung), oder wohnt da ein Pharmavertreter, der alles ins Klo spült? Ganz verstehe ich das nicht.

  • Antwort von steamtrain, Donnerstag, 08.September, 22:34 Uhr

    Was denken sie wird mit den Medikamenten im Körper eines Menschen geschehen? Angefangen von der einfachen Schmerztablette über Hustenmittel bis hin zu speziellen Krebs und Herzmedikamenten. Ein gewisser Teil hiervon wird wieder ausgeschieden und gelangt somit ins Abwasser. Ganz abgesehen davon all die abgelaufenen Medikamente und auch Kosmetika die einfach in die Toilette gespült werden. Und schließlich auch all jene Pflegemittelchen die bei ganz normaler Körperpflege ins Abwasser gelangen. Pro Person uns Jahr kommen da schon einige Hundert Gramm zusammen.