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Diakonie Bayern Grundsicherung gegen Kinderarmut gefordert

Die Zahl der Kinder, die in Deutschland und in Bayern in Armut leben, steigt stetig. Die Diakonie Bayern schlägt deshalb Alarm und bringt einen grundlegend neuen Ansatz ins Spiel: eine Art Grundsicherung.

Stand: 06.02.2017

Junge mit Rucksack im Regen | Bild: picture-alliance/dpa

In Bayern leben aktuell mehr als 140.000 Kinder unter der Armutsgrenze, sagte Diakonie-Chef Michael Bammessel am Montag (06.02.17) in Nürnberg. Und die Tendenz steigt. Diese Entwicklung stünde im krassen Gegensatz zu allen positiven Trends in der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt, kritisiert Diakonie-Chef Michael Bammessel.

Schieflage abbauen

Die Zunahme armer Kinder zeigt Bammessels Überzeugung zufolge, dass die vorhandenen Unterstützungssysteme nicht greifen. Darüber hinaus seien sie fehlerhaft, da Kinder in einkommensstarken Familien mehr gefördert würden als Kinder in ärmeren Familien – etwa durch höhere Freibeträge sowie Verrechnungen bei Hartz IV und Kindergeld. Diese Schieflage müsse abgebaut werden.

"Jedes Kind ist gleich viel wert. Es darf nicht sein, dass Kinder von Wohlhabenden stärker gefördert werden als von Geringverdienern."

Michael Bammessel, Vorstand der Diakonie Bayern

Viele Regelungen seien außerdem zu kompliziert und würden von den Betroffenen deshalb gar nicht in Anspruch genommen, sagte Bammessel. 40 Prozent der Berechtigten verzichteten etwa auf das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket, mit dem Kinder einen Zuschuss zum Schulbedarf von 100 Euro bekommen.

Zu wenig Geld für Bildung

Ein weiterer Kritikpunkt der Diakonie betrifft die Höhe der Zuwendungen. Das Berechnungssystem bilde die Realität nicht ab, die Hilfen würden zu niedrig ausfallen. Beispielsweise erhält ein Schulkind im Alter zwischen sechs und 14 Jahren monatlich 1,40 Euro für den Bereich Bildung, so Bammessel.

"Dafür kann man sich gerade mal einen Buntstift kaufen."

Michael Bammessel, Vorstand der Diakonie Bayern

Zur Abhilfe würde nach dem Vorschlag der Diakonie jedes Kind eine monatliche Grundsicherung erhalten – je nach Höhe des Familieneinkommens. Bei gut verdienenden Eltern wäre das demnach ein Mindestbetrag von etwa 300 Euro, in Familien ohne oder mit nur geringem Einkommen würden sie die volle Leistung in Höhe von 585 Euro bekommen. Diesem Betrag lägen das bestehende Existenzminimum von 393 Euro und das Kindergeld von 192 Euro zugrunde.


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Anna, Dienstag, 07.Februar, 08:55 Uhr

1. Kinderarmut

Wenn es mehr Geld gibt, wird dies bestimmt nicht für die Kinder verwendet. Besser ist es mit Sachgegenständen wie Schulsachen, Schwimmkurs, Nachhilfeunterricht, Mittagessen in der Schule oder anderen Sozialen Einrichtung. Das Geld kommt sonst nicht da an, wo es gebraucht wird und Personen mit 10 Kindern können besser mit Kindergeld und Sozialleistung leben als mit Arbeit. Das würde sich wider bewahrheiten; Arbeiten in Deutschland rentiert sich nicht, auch mit Sicht auf die Rente.

  • Antwort von Sabine, Dienstag, 07.Februar, 18:27 Uhr

    Da ergibt sich die Frage, welcher Arbeitgeber stellt jemanden mit 10 Kindern ein ?