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Karpfensaison beginnt Es ist Augu"r"st

Eigentlich ist es für den Karpfen auf demTeller erst im September so weit. Doch er ist so beliebt, dass sich viele Fischwirtschaften die Gelegenheit nicht entgehen lassen und schon an diesem Wochenende die Saison eröffnen.

Von: Claudia Grimmer

Stand: 26.08.2016

Der bayerische Landwirtschaftsminister Brunner (CSU) posiert in Heilsbronn (Bayern) während der Eröffnung der bayerischen Karpfensaison mit einem Karpfen in den Händen.  | Bild: picture-alliance/dpa

Zur Kerwa gehört der Karpfen

Traditionell zur Kirchweih kommt bei den Kosbachern, einer Gemarktung in Erlangen, der Karpfen auf den Tisch. Und da ist es völlig egal, ob eigentlich erst 14 Tage später die Saison eröffnet wird oder nicht. Der Fisch gehört zur Kirchweih. Der Antrang nach gebackenen Karpfen und Co. war am vergangenen Wochenende dann auch so groß, dass noch einmal nachgefischt werden musste.

Und nicht nur in der Gegend um Erlangen haben viele Gastwirtschaften schon die Karpfensaison eröffnet. Überall in Franken steht an diesem Samstag und Sonntag der Gebackene oder Blaue wieder auf der Speisekarte.

Der August ist zu heiß

Martin Oberle, Teichbauer in Kosbach und Leiter der Außenstelle für Karpfenwirtchaft der Landesanstalt für Landwirtschaft, spricht von einem guten Karpfenjahr. Allerdings sagte er dies zu Zeiten der Kirchweih, also vor einer Woche. Seitdem sind die Temperaturen richtig sommerlich.

Darüber klagen nun andere Karpfenzüchter aus dem Aischgrund. Für die Fische ist es derzeit zu heiß, der Regen fehlt und damit auch der Sauerstoff. Bereits jetzt mussten schon Pumpen an den Weihern installiert werden, damit die Karpfen genug Luft bekommen. Etliche Tiere seien bereits verendet.

Warum also nur die Monate mit "R"?

Der Fisch mag eine milde Witterung, so wie sie bei uns in den Monaten Mai bis August vorherrscht. Und was machen wir, wenn es uns richtig gut geht? Wir lassen es uns richtig gut schmecken. Der Karpfen auch. Er haut kräftig rein, aber dadurch leidet auch die Fischqualität. Er kann jetzt zwar bis zu 1,5 Kilo wiegen, aber er würde noch nicht so gut schmecken. Erst im Herbst und Winter erreicht das Fleisch des Karpfens die richtige Qualität. Und deshalb ist der Fisch ein Saisonprodukt.

Auf den Aischgründer schwören viele

So schaut er aus, der Liebling der Franken

Der Aischgrund wird von 1.200 Teichwirten bewirtschaftet. Ein wahres Karpfengebiet in Bayern. Sogar eine wissenschaftliche Erhebung über die Karpfengastwirtschaften in der Gegend gab es bereits, erstellt von der Universität Erlangen und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Ergebnis: In dem Untersuchungsgebiet wurden insgesamt 194 Karpfen-Gaststätten ermittelt. Mit dem Auftakt der Karpfensaison nimmt das Geschäft in den Wirtschaften sprunghaft zu, wobei vor allem September bis November die Monate sind, an denen der Fisch besonders nachgefragt wird.

Insgesamt werden in diesen Gasthäusern während einer Saison 15.000 Zentner Karpfen verbraucht. Umgerechnet würde das rund 1,2 Millionen Karpfenportionen entsprechen. Von 100 Karpfengerichten werden im Untersuchungsgebiet 81 Gerichte als gebackene Karpfenhälften mit fränkischem Kartoffelsalat serviert. Nur neun Prozent werden als "Karpfen blau" vermarktet.

Der Karpfen - ein wunderbarer Fisch

Spiegelkarpfen an der Wasseroberfläche, Cyprinus carpio

Insgesamt unterscheidet man bei den Zuchtformen den Schuppen-, Zeil-, Leder- und Spiegelkarpfen. Und letzteren lassen sich die Franken servieren. Der Fisch liebt warmes, stehendes oder langsam fließendes Gewässer. Der Spiegelkarpfen hat einen hohen Rücken und eine füllige Körperform. Er kann eine Größe von bis zu 50 Zentimeter erreichen.

Aktiv wird der Fisch erst in den späten Abendstunden, und er kann, wenn er vorher nicht auf den Teller landet, mehrere Jahrzehnte alt werden. Meist beginnt der Karpfen seine Fortpflanzung im Mai. In der Regel dauert die Laichzeit von Spiegelkarpfen ein bis zwei Monate. Der Nachwuchs benötigt lediglich wenige Tage, um aus den Eiern auszuschlüpfen. Bis ein Karpfen geschlechtsreif wird, vergehen mehrere Jahre. Der Spiegelkarpfen ist in vielen europäischen Gewässern verbreitet.

Überall schmeckt der Fisch

Fischerei in Mecklenburg-Vorpommern: Siie ist mit 27.000 Hektar Bewirtschaftung eine der größten Binnenfischereibetriebe Deutschlands

Das größte für die Karpfenzucht wirtschaftlich genutzte Teichgebiet Europas ist die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft mit 335 Teichen. Der größte Karpfenteich befindet sich in Südböhmen. Es ist der Schwarzenberg-Teich mit 260 Hektar Fläche.

Bayern verfügt über eine Fläche von 20.000 Hektar für die Karpfenzucht. Hauptsächlich liegen diese in den traditionellen Karpfengebieten Frankens und der Oberpfalz. Sie werden von rund 5.500 Teichwirten bewirtschaftet. Jährlich werden in diesen Gebieten rund 6.000 Tonnen Speisekarpfen erzeugt. Dies entspricht etwa 50 Prozent der gesamten Karpfenproduktion Deutschlands.


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