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Flüchtlings-Bundesamt Neue Präsidentin spricht von großer Herausforderung

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat nun eine neue Präsidentin – ganz offiziell: Jutta Cordt. Bei einem Festakt wurde sie eingeführt, ihr Vorgänger verabschiedet. Ganz geht Frank-Jürgen Weise aber noch nicht.

Stand: 12.01.2017

Das BAMF stehe vor großen Herausforderungen, denn die zahlreichen noch nicht bearbeiteten Verfahren müssten zügig und mit größter Sorgfalt entschieden werden, sagte die neue BAMF-Präsidentin Jutta Cordt. Rund 400.000 Verfahren aus dem vergangenen Jahr seien noch zu bearbeiten.

"Ich glaube nicht, dass uns die Arbeit ausgeht. Asyl ist ja immer etwas, was nur vorübergehend gilt – die Leute kommen also wieder auf uns zu."

Jutta Cordt, neue Präsidentin des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat am Donnerstag (12.01.17) in Nürnberg den bisherigen Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Frank-Jürgen Weise, verabschiedet. Jutta Cordt wurde zur neuen Präsidentin ernannt, die Leitung wird sie offiziell am 1. Februar übernehmen. Vor Ort ist die 53-Jährige allerdings schon seit Anfang Januar.

Verfahren beschleunigen, Menschen integrieren

Mit Jutta Cordt rückt eine Verwaltungsexpertin an die Spitze des BAMF. Sie bringe aus ihrer bisherigen Aufgabe bei der Bundesagentur für Arbeit umfassende Erfahrungen für die beiden zentralen Herausforderungen des BAMF mit, heißt es: die Verfahren zu beschleunigen und die Menschen erfolgreich zu integrieren. "Ich bin davon überzeugt, dass Frau Cordt die damit verbundenen Herausforderungen erfolgreich meistern wird", so Minister de Maizière.

Konstruktive Zusammenarbeit mit Personalrat

Cordt kündigte an, wieder eine "konstruktive Zusammenarbeit" mit dem Personalrat erreichen zu wollen. Zwischen ihrem Amtsvorgänger und der Mitarbeitervertretung hatte es mehrfach öffentlich Unstimmigkeiten gegeben, der Personalrat ging sogar mehrmals gerichtlich gegen Entscheidungen der Führung vor. "Ich habe von Anfang an Gespräche mit der Personalvertretung geführt und einen engen Kontakt gehalten", sagte Cordt. Ihr sei an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit gelegen. "Ich nehme wahr, dass wir da auf einem guten Weg sind," so Cordt weiter.

Kulturwandel braucht Zeit

In der Vergangenheit sei nicht alles optimal gelaufen, sagte Cordt bereits im Vorfeld. Sie führte das unter anderem darauf zurück, dass das Bundesamt Tausende neue Mitarbeiter einarbeiten musste.

"Die Behörde ist gewachsen, von 2.500 Mitarbeitern auf knapp 10.000 Mitarbeiter. Es sind Prozesse verändert worden. Die Organisation ist angepasst worden, und insofern ist mit Sicherheit im ersten Aufschlag auch noch nicht alles optimal gelaufen."

Jutta Cordt, neue Präsidentin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge

Weise auch weiterhin beim BAMF

Frank-Jürgen Weise

Der bisherige Präsident Weise blickte zum Abschied auf eine anspruchsvolle Amtszeit zurück. "Wir waren nahe der Insolvenz, wenn man das mit einem Unternehmen vergleicht – zwischendrin war es wirklich nicht gemütlich und da kommen einem Zweifel", sagte er. Bundesinnenminister de Maizière lobte Weise als geschätzten Mann im Innenministerium. Er kündigte außerdem an, dass Weise in Nürnberg bleiben wird und auch weiterhin das Integrierte Flüchtlingsmanagement begleiten soll. Weise soll dabei helfen, das Asylverfahren zu beschleunigen und die Umsetzung des Verfahren effizienter zu gestalten.

Kurzbiografie: Jutta Cordt

Nach einem Studium der Rechtswissenschaften sammelte Jutta Cordt in einer Rechtsanwaltskanzlei in den USA erste Erfahrungen, bevor sie ihre Karriere in der Bundesagentur für Arbeit (BA) 1993 als Trainee für den höheren Dienst beim Landesarbeitsamt Nordrhein-Westfalen begann. 2002 wechselte sie für kurze Zeit ins Bundesarbeitsministerium, in die Geschäftsstelle der Hartz-Kommission. Dann kehrte sie zur BA zurück und leitete dort zunächst die Regionaldirektion für Sachsen und zuletzt die für Berlin-Brandenburg.

Cordt ist mit einem BA-Kollegen verheiratet und hat keine Kinder. Sie geht gern laufen, um den Kopf frei zu kriegen, wie sie in einem Interview sagte. In ihrer Freizeit fährt sie am liebsten mit ihrem Mann Motorrad – sie hat sich eine eigene Maschine gekauft und den Führerschein gemacht: "Nur mitfahren hinten fand ich langweilig," ergänzte sie.

Reaktionen zur Amtseinführung von Jutta Cordt

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU)

"Das BAMF steht weiter vor großen Herausforderungen: Die immer noch zahlreichen anhängigen Verfahren müssen weiter zügig und zugleich mit großer Sorgfalt entschieden werden, und die Integration der Schutzbedürftigen wird in den nächsten Jahren die zentrale Aufgabe des BAMF sein. Ich freue mich, dass ich hierfür mit Frau Cordt eine ausgewiesene Verwaltungsexpertin für Spitze des BAMF gewinnen konnte. Sie bringt genau die richtigen Erfahrungen für diese beiden Herausforderungen mit und wird zugleich die notwendige Kontinuität sicherstellen. In den zurückliegenden drei Monaten haben Sie bereits gezeigt, dass Sie Ihre neuen Aufgaben mit Mut und Tatkraft angehen - zwei der wichtigsten Voraussetzungen, um dieses Amt zu leiten!"

Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD)

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Nürnberg ist nach Auffassung des Nürnberger Oberbürgermeisters Ulrich Maly (SPD) im Zuge des Flüchtlingszustroms der "Watschenbaum" für alle Behörden gewesen. Bei der Amtseinführung der neuen Präsidentin des BAMF, Jutta Cordt, sagte Maly, "obwohl wir alle auf der letzten Rille gelaufen sind, musste das BAMF für Behördenbashing herhalten". Das BAMF sei 2015 auf einem guten Weg gewesen, eine Fachstelle für Integration zu werden. Dorthin müsse es wieder zurückkehren. Der Erfolg einer Integrationsarchitektur baue auf der Seelenlage der aufnehmenden Gesellschaft auf, betonte der bayerische Städtetagspräsident. Derzeit befinde sich die deutsche Gesellschaft auf einer Sinnsuche, in der sie sich frage, wer sie in Europa und in der Welt sei. Maly forderte dazu auf, in dieser Debatte rational zu argumentieren und auf die Sprachwahl zu achten.

Vorsitzender der Enquete-Kommission "Integration" Arif Taşdelen (SPD)

"Jutta Cordt ist eine erfahrene Verwaltungsexpertin und deshalb bestens für diese Herausforderung gerüstet. Trotz aller Effizienz muss jedoch auch darauf geachtet werden, die Qualität der Asylverfahren zu erhalten", so Taşdelen. Der Vorsitzender der Enquete-Kommission Integration des Bayerischen Landtags sieht die Abarbeitung dieser Altfälle als zentrale Voraussetzung für die Verkürzung der Asylverfahren. "Das BAMF hat die Verwaltungsaufgaben in den letzten Monaten gut gemeistert und muss jetzt den Fokus mehr auf die Integration der Flüchtlinge setzen. Davon hängt es ab, wie schnell wir Flüchtlingen in unserer Gesellschaft eine Perspektive geben können. Für diese Aufgabe wünsche ich Frau Cordt viel Erfolg und danke bei dieser Gelegenheit allen Beschäftigten des Bundesamts, die in den letzten Monaten Großes geleistet haben."


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Kommentare

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Diana, Freitag, 13.Januar, 00:14 Uhr

8. Jutta Cordt sollte hart sein und möglich wenigen einen befristen Aufenthalt

genehmigen. Wenn jemand aus Syrien über sieben sichere Länder nach Deutschland kommt, der flieht nicht vor dem Krieg und nicht vor der Wehrpflicht, der ist ein Auswanderer auf der Suche nach dem besten Sozialsystem. Wir können nicht allen Wohlstandsuchenden ohne berufliche Ausbidung ein Vollkasko-Asyl anbieten. Das erste Sichere EU-Land war für die Syrer Griechenland, dorthin müssen sie schnellstens zurück gebracht werden. Wir haben für sie sowieso keine passende Arbeit und keine bezahlbare Wohnung. Die Bevölkerungsdichte ist in D schon zu groß. Grenzenlose Einwanderung bedeutet gerenzenlose Naturvernichtung.

Georg, Donnerstag, 12.Januar, 22:57 Uhr

7. Zu viel Asyl ist für Deutschland nicht gut. BAMF muß und schützen.

Wenn man alle Flüchtlinge aufnimmt und mit allem gut versorgt, dann kommen noch mehr, dann kommen auch die weniger mutigen, dann kommen noch deren Verwandte, Freunde und Bekannte bis alle Turnhallen, Stadthallen und Lagerhallen voll sind. Eine Integration ist dann unmöglich. Was wird dann aus uns? Müssen wir am Ende unsere Heimat auch verlassen?

Realitätsseher, Donnerstag, 12.Januar, 22:41 Uhr

6. Ach, du lieber Augustin...

Diese Dame muss Probleme lösen, die wir ohne diese Zuwanderung (aus vorwiegend bildungsarmen Schichten) gar nicht hätten. Amen.

Peter, Donnerstag, 12.Januar, 22:15 Uhr

5. BAMF sollte mit Cordt strenger werden und Witschaftasylanten ausschaffen.

Jedem helfen, der besser leben will, ohne Obergrenze? Das kann sich auf die Dauer auch der reichste Staat nicht leisten. Deutschland hat schon 2,2 tausend Milliarden Schulden, dazu kommen noch weitere Lasten wie Ansprüche auf eine Beamtenpension und weiteres, was eigentlich auch zu den Schulden gezählt werden müßte. Die Schulden wachsen immer weiter. Auch bei den Zinsen von Null Prozent, bei steigenden Steuereinnahmen, bei kalter Progression, bei der schon uralten auf 5 Jahre befristeten Solidaritätzsabgabe gelingt dem Staat keine Rückzahlung der Schulden. Wie soll es mal enden? Mit Armut, Verschuldung, Obdachlosigkeit, Kriminalität und Terror?

Florian, Donnerstag, 12.Januar, 18:23 Uhr

4. BAMF: Dass sich die Asylbewerber nicht schämen in D Asyl zu wollen, wenn

wenn sie über unzählige sichere Länder (über 7 aus Syrien und 10 aus Afrika) gekommen sind. Die grünen und linken Sozialromantiker werden erst dann verstummen, wenn sie durch Asyl ohne Obergrenze Probleme, Nachteile und Ärger auch ohne Obergrenze bekommen. Es ist doch logisch, Asyl ohne Obergrenze für jeden Armen, der besser leben will, verursachen Kosten und Probleme auch ohne Obergrenze. Hoffentlich wird BAMF bei der Asylanerkennung unter Jutta Cordt noch strenger. Vollkasko-Asyl für jeden, der besser leben will, können wir uns nicht leisten.

  • Antwort von Elketroll, Donnerstag, 12.Januar, 19:15 Uhr

    Die Asylbewerber sollen sich schämen ?
    Dazu auch noch die grünen und linken Sozialromantiker.
    Es langweilt wirklich !