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Archivar des Todes Syrischer Fotograf "Caesar" erhält Nürnberger Menschenrechtspreis

Der Militärfotograf "Caesar" bekommt 2017 den Nürnberger Menschenrechtspreis verliehen. Der Mann, von dem es selbst keine Bilder gibt, musste in Syrien Leichen von Oppositionellen ablichten und brachte die Bilder ins Ausland.

Stand: 22.09.2017

Der Militärfotograf und seine Unterstützer der "Gruppe Caesar" bekommen im kommenden Jahr den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis verliehen. Das gab die Jury des Preises am Montag (26.09.16) bekannt. Der Mann, von dem nur sein Codename bekannt ist, floh 2013 aus Syrien und lebt seitdem undercover in Nordeuropa. Er war zuvor Fotograf bei der syrischen Militärpolizei und musste dort auch die Leichen von ermordeten und zu Tode gefolterten Oppositionellen ablichten. Vor seiner Flucht brachte er rund 50.000 dieser grausamen Bilder ins Ausland und musste deswegen dann auch das Land verlassen.

Fotos als Beweismittel

Darunter befinden sich allein 28.000 Bilder von Gefangenen, die in syrischen Gefängnissen durch Folter, Hinrichtungen, Krankheit, Unterernährung oder andere Misshandlungen getötet worden waren. Die Fotos wurden unter anderem im UNO-Hauptquartier ausgestellt. "Caesar" selbst sagte 2014 vollvermummt vor dem US-Kongress aus. Seine Bilder könnten, sollte es jemals zu einem Prozess gegen den syrischen Machthaber Assad kommen, als Beweismittel verwendet werden.

"Mit der Entscheidung für Caesar knüpft die Jury an das Erbe von Nürnberg an: Schwere Menschenrechtsverletzungen dürfen nicht straffrei bleiben. Die Täter müssen sich vor Gericht verantworten."

Ulrich Maly, (SPD) Oberbürgermeister von Nürnberg

Ausstellung in Nürnberg

Die Preisverleihung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet. So sind ab Freitag (22.09.17) in einer Dokumentation des Komm-Bildungsbereiches in einer Galerie in der Straße der Menschenrechte etwa 100 Fotos von durch Folter getöteten Menschen zu sehen. Die Fotos sind so angeordnet, dass die Besucher selbst entscheiden können, wie viel Schrecken sie sich zumuten wollen.

Die Nürnberger Bürger feiern die Verleihung des Menschenrechtspreises am Sonntag (24.09.17) zwischen 12.30 Uhr bis 16.00 Uhr mit einer mehrere hundert Meter langen Friedenstafel in der Nürnberger Innenstadt. Die Teilnehmer bringen sich Speisen und Getränke selbst mit und können miteinander ins Gespräch kommen.

Teilnahme an Preisverleihung ungewiss

Die "Gruppe Caesar" bekommt den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis offiziell am 24. September 2017 im Nürnberger Opernhaus verliehen. Der Fotograf selbst wird aus Sicherheitsgründen nicht persönlich an der Zeremonie teilnehmen. Stattdessen wird die französische Journalistin Garance Le Caisne den Preis entgegennehmen. Le Caisne gelang es, den Fotografen im Untergrund ausfindig zu machen und sein Vertrauen zu gewinnen. Im Jahr 2015 veröffentlichte sie seine Geschichte in dem Buch "Codename Caesar: Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie".

Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung gilt als Symbol dafür, dass von Nürnberg, der ehemaligen Stadt der nationalsozialistischen Reichsparteitage und der menschenverachtenden NS-Rassegesetze, "in Gegenwart und Zukunft nur noch Signale des Friedens und der Völkerverständigung ausgehen".


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