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Schmeckt oder schreckt? 3-Gänge-Menü mit Heuschrecken, Würmern und Grillen

Insekten zu essen ist gesund und umweltfreundlich – und in vielen Ländern der Welt landen Heuschrecken, Würmer und Grillen längst auf dem Teller. Wer das eklig findet, verpasst womöglich einen neuen Trend. Ein Selbstversuch.

Von: Christian Schiele

Stand: 13.10.2017

Einmal pro Woche treffe ich mich mit Freunden, um zu kochen und dann gemeinsam zu essen. Eine schöne Tradition. Doch diesmal tische ich etwas ganz Besonderes auf: Insekten kommen auf die Teller. Es gibt ein 3-Gänge-Menü: zuerst eine Kürbis-Kokos-Suppe mit Heuschrecken-Einlage, dann panierte Champignons auf Süßkartoffelpüree – gefüllt mit Mehlwürmern und zum Abschluss ein Fruchtgratin mit Grillen-Crumble. Und das schmeckt nicht jedem meiner Freunde.

"Insekten werden ja immer als Essen der Zukunft propagiert – dann sollte man selber auch mal zulangen."

Maik

"Du hast ja geschrieben, dass es Heuschrecken gibt. Ich hatte dann die vage Hoffnung, dass das ein Fehler der Rechtschreibkorrektur deines Handys war und dass du eigentlich Hirschrücken machen willst."

Thomas

Die gefriergetrockneten "Tafel-Insekten" werden in Plastikbeuteln geliefert.

Nein, ich mache tatsächlich Heuschrecken. Die wollte ich nämlich schon lange einmal probieren. Da müssen die Skeptiker unter meinen Freunden nun durch. Bestellt habe ich die Insekten im Internet – und das war nicht ganz billig. 100 Gramm gefriergetrocknete Heuschrecken kosten fast 80 Euro. Immerhin, die Mehlwürmer sind günstiger – 100 Gramm kosten 18 Euro.

Das Paket kommt schließlich per Post. Die "Tafelinsekten" – so steht es auf dem Etikett – sind in Plastikbeuteln verpackt. Und sie sind laut Etikett für den menschlichen Verzehr geeignet. Das war mir wichtig, denn ich habe mich nicht getraut, einfach im Baumarkt oder in der Zoohandlung einzukaufen.

Flügel und Hinterbeine mit fiesen Widerhaken

Flügel und Hinterbeine mit fiesen Widerhaken landen im Müll.

Wir öffnen den Plastikbeutel und schnuppern an den Heuschrecken. Sie riechen ziemlich würzig und lecker. Bevor sie auf den Teller kommen, müssen wir aber noch die Flügel abreißen - und die Hinterbeine, die fiese Widerhaken haben. Anschließend noch kurz anrösten und würzen – und schon ist die Suppeneinlage fertig. Als Vorspeise tische ich Kürbis-Kokos-Suppe mit Heuschrecken auf.

"So wie es da liegt, sieht es nur mäßig appetitlich aus. Also man könnte die Heuschrecken noch etwas mehr verfremden. Na ja, jetzt schauen wir mal. Die Suppe ohne Insekten – die sieht jedenfalls schon mal lecker aus."

Thomas

Ich bin auch ein wenig ernüchtert. Eklig sind sie nicht, die Heuschrecken. Gut gewürzt schmecken sie sogar ziemlich lecker. Nur sind sie ein bisschen trocken und fad. Und ich kaue und kaue, zermalme das Heuschrecken-Kleid – aber es will einfach nicht runter.

Nahrhafte Proteinprotze

Gut gewürzt schmecken Heuschrecken ziemlich lecker.

Die Mehlwürmer im Hauptgang sind ebenfalls ein wenig spröde. Immerhin: Gesund und umweltfreundlich sind sie, die Krabbeltiere, und nahrhaft. Die gefriergetrockneten Grillen beispielsweise sind wahre Proteinprotze: Sie bestehen zu knapp 70 Prozent aus Eiweiß und machen sich ganz gut im Fruchtgratin, das es zum Nachtisch gibt. Doch die Insekten schmecken nicht jedem am Tisch.

Wer es eklig findet, Insekten zu essen, verpasst aber womöglich einen Trend. Denn in vielen Ländern landen Krabbeltiere längst tagtäglich auf dem Teller. Als Alternative zum teureren Fleisch und weil sie einfach nährreich sind. Darin sind sich Ernährungswissenschaftler einig.

Ausgezeichnete Futterverwerter

Und die Krabbeltiere könnten dabei helfen, die wachsende Weltbevölkerung umweltfreundlicher zu ernähren. Denn die Krabbeltiere sind ausgezeichnete Futterverwerter. Während ein Rind zehn Kilogramm Futter frisst, bis es ein Kilogramm zunimmt, reichen bei Insekten durchschnittlich 1,7 Kilogramm Futter. Um ein Kilogramm Rindfleisch herzustellen, sind laut des Unsesco-Institute for Water Education außerdem 15.500 Liter Wasser nötig. Um ein Kilogramm Insekten herzustellen, genügen wenige Liter.

Ekel und gesetzliche Hürden

Deshalb sind Insekten in Asien, Afrika und Lateinamerika sehr beliebt. Auch in den USA entwickeln sich Insekten zum Trendessen. Doch in Europa sind die gesetzlichen Hürden noch sehr hoch, in vielen Ländern sind Insekten noch nicht zum Verkauf zugelassen. Und hierzulande ekeln sich einfach viele Menschen davor, Mehlwürmer oder Heuschrecken zu essen.

"Mir ist beim Anblick schon schlecht geworden, deshalb hab ich nichts davon gegessen. Ich esse für mein Leben gerne, ich esse gerne gut, aber wenn ich vor einem Teller sitze und mich überwinden muss, das zu essen, dann ist es kein Spaß mehr."

Steven

Während einer also hungrig nach Hause geht, haben andere ihren Ekel überwunden und essen alle drei Gänge auf. Es ist ein interessantes Menü. Aber so lecker, dass ich gleich nochmal Insekten kochen möchte, war es nicht.


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Kommentare

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Esser, Samstag, 14.Oktober, 16:04 Uhr

1. Alles Ansichtssache

warum wird um dieses Thema so ein Hype gemacht ?
Die Leute essen doch auch Krabbenbrötchen, Schnecken und Austern.