Flüchtlinge in Nürnberg Deutschlandweit erste Homosexuellen-Unterkunft bezogen

Zu Wochenbeginn sind die ersten Flüchtlinge in Deutschlands erste Unterkunft für Homosexuelle in Nürnberg eingezogen. Der schwul-lesbische Verein Fliederlich hat dafür ein leerstehendes Gebäude in Gostenhof angemietet.

Stand: 17.03.2016

Regenbogen-Flagge | Bild: picture-alliance/dpa

Die ersten Bewohner sind ein Iraner und ein Armenier. Außerdem laufen bei den zuständigen Behörden fünf weitere Anträge auf Zuweisung in die Unterkunft, so der Verein Fliederlich.

Eröffnung bereits im Februar

Der schwul-lesbische Verein Fliederlich hatte die zwei Wohnungen im Nürnberger Stadtteil Gostenhof als bundesweit erste Flüchtlingsunterkunft für Homosexuelle Anfang Februar eröffnet. Betroffene konnten erst diese Woche einziehen, weil die Genehmigung der Umzugsanträge länger gedauert hatte, als erwartet. Mittlerweile gibt es in Berlin eine vergleichbare Unterkunft.

Übergriffe auf Homosexuelle

In Nürnberg habe es in Flüchtlingsunterkünften bereits mehrere Übergriffe auf Homosexuelle gegeben, erklärte Vereins-Geschäftsführer Michael Glas. Unter anderem sei eine lesbische Äthiopierin von Landsleuten geschlagen worden. Im Nürnberger Umland sei ein schwuler Iraker auf Mitglieder eines Schlägertrupps getroffen, die ihn bereits in der Heimat misshandelt hätten.

"Manche Moslems sehen in der Anwesenheit von homosexuellen oder transsexuellen Menschen in den Unterkünften einen Affront. Die Schwulen und Lesben geraten damit unter Dauerstress."

Ralph Hoffmann, Fliederlich e.V.

Claudia Stamm: Staatsregierung lässt Kommunen und Ehrenamtliche allein

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Claudia Stamm forderte bei der Vorstellung der neuen Unterkunft Ende Januar ein stärkeres Engagement der Staatsregierung beim Schutz von homosexuellen Flüchtlingen vor Diskriminierung und Ausgrenzung. Zu mehr als zur Einberufung eines Runden Tisches zu diesem Thema sei die Regierung Seehofer bisher nicht bereit, erklärte Stamm. Ihrer Ansicht nach lässt die Staatsregierung die Kommunen und Ehrenamtlichen mit diesem Problem allein.