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Premiere in Nürnberg Eigene Unterkunft für homosexuelle Flüchtlinge

Zum ersten Mal geht in Bayern eine extra-Unterkunft für homosexuelle Flüchtlinge an den Start. Der schwul-lesbische Verein Fliederlich in Nürnberg hat dafür ein leerstehendes Gebäude im Stadtteil Gostenhof angemietet.

Stand: 01.02.2016

Regenbogen-Flagge | Bild: picture-alliance/dpa

In dem Haus stehen seit heute auf zwei Etagen bis zu zehn Plätze für schwule, lesbische und transsexuelle Flüchtlinge zur Verfügung. Diese seien in den voll belegten Flüchtlingsheimen oft Diskriminierung, Bedrohung und zum Teil Gewalt ausgesetzt, so Fliederlich. Nach Angaben des Vereins ist es in Bayern die erste Unterkunft dieser Art. Getragen wird sie von der Stadt Nürnberg.

25 Hilfegesuche

Noch wohnt in der Einrichtung zwar niemand, die ersten Asylsuchenden haben aber schon Anträge zum Einzug gestellt. "Wir sind jetzt davon abhängig, wie schnell die Behörden bei der Zuweisung arbeiten", erklärte Fliederlich-Geschäftsführer Michael Glas dem Bayerischen Rundfunk. Wer in die Unterkunft einziehen darf, entscheidet das Nürnberger Sozialamt.

Insgesamt hätten sich bisher 25 homosexuelle Flüchtlinge hilfesuchend an den Verein gewandt. Laut Glas sind bis zu 600 der 8.000 in Nürnberg untergebrachten Asylbewerber homosexuell.

In Nürnberg habe es in Flüchtlingsunterkünften bereits mehrere Übergriffe gegeben, erklärte Vereins-Geschäftsführer Michael Glas. Unter anderem sei eine lesbische Äthiopierin von Landsleuten geschlagen worden. Im Nürnberger Umland sei ein schwuler Iraker auf Mitglieder eines Schlägertrupps getroffen, die ihn bereits in der Heimat misshandelt hätten.

"Manche Moslems sehen in der Anwesenheit von homosexuellen oder transsexuellen Menschen in den Unterkünften einen Affront. Die Schwulen und Lesben geraten damit unter Dauerstress."

Ralph Hoffmann, Fliederlich e.V.

Claudia Stamm: Staatsregierung lässt Kommunen und Ehrenamtliche allein

Die neue Flüchtlingsunterkunft für Homosexuelle wird eingerichtet. Grünen-Landtagsabgeordnete Claudia Stamm schaut sich die Vorbereitungen an.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Claudia Stamm forderte bei der Vorstellung der neuen Unterkunft Ende Januar ein stärkeres Engagement der Staatsregierung beim Schutz von homosexuellen Flüchtlingen vor Diskriminierung und Ausgrenzung. Zu mehr als zur Einberufung eines Runden Tisches zu diesem Thema sei die Regierung Seehofer bisher nicht bereit, erklärte Stamm. Ihrer Ansicht nach lässt die Staatsregierung die Kommunen und Ehrenamtlichen mit diesem Problem allein.

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  • zur Sendungshomepage Regionalnachrichten Franken von 6.00 bis 18.00 Uhr, jeweils zur halben und zur vollen Stunde, Bayern 1

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