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Gedenkorte Hersbruck und Happurg KZ-Häftlingen Gesicht und Stimme geben

Zwei neu gebaute Gedenkorte in Hersbruck und Happurg erinnern künftig an die Opfer des ehemaligen Außenlagers des KZ Flossenbürg. Sie setzen beide Orte miteinander in Bezug und rücken die Opfer der Nazi-Ära in den Mittelpunkt.

Stand: 25.01.2016

Holocaust-Gedenkorte Hersbruck und Happurg | Bild: picture-alliance/dpa

Der Landtag und die Stiftung Bayerische Gedenkstätten erinnerten in einer zentralen Gedenkveranstaltung am Montagmittag (25.01.16) an die Opfer des Nationalsozialismus. Dass diese Gedächtnisstätte nach Jahre langen Diskussionen jetzt bestehe sei "sehr, sehr notwendig", sagte der der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Zur Eröffnungsveranstaltung war auch der frühere Bayerische Ministerpräsident und gebürtige Hersbrucker, Günther Beckstein (CSU), gekommen.

"Als Nachgeborene sind wir nicht verantwortlich für das, was geschehen ist, aber wir sind sehr wohl verantwortlich dafür, die Erinnerung zu bewahren. (…) Mindestens das schulden wir den Opfern. (…) Ideologische Verblendung, Intoleranz, die Verweigerung von elementaren Menschenrechten können und wollen wir nach den furchtbaren Erfahrungen unserer Geschichte nicht dulden. Menschenrechte sind nicht teilbar und nicht verhandelbar."

Barbara Stamm (CSU), Landtagspräsidentin

9.000 Schicksale

Im Mittelpunkt der beiden Gedenkorte stehen die Gefangenen. In Hersbruck erinnert ein trapezförmiger Kubus an ihre Schicksale. Im Inneren befindet sich eine Multimedia-Installation mit einer Panorama-Projektion und einem Medientisch, auf dem die Namen der Häftlingen aufscheinen. Berührt sie der Betrachter, öffnen sich Bilder und Informationen über die 9.000 Einzelschicksale.

Interviews mit Zeitzeugen

Am Happurger Dokumentationsort stehen auf einer Plattform Stelen sowie ein Pressluft-Bohrhammer, wie er von den Häftlingen verwendet wurde. An einer wetterfester Audiostation berichten Zeitzeugen in Interviews über die Zwangsarbeit.

"Menschliche Wesen zu Millionen, denen man zuerst den Namen genommen und dann das Fleisch verbrannt hatte."

Vittore Bocchetta, 96-Jahre alter, ehemaliger Häftling des KZs Hersbruck/Happurg

Unterirdische Rüstungsfabrik

In Hersbruck befand sich von Juli 1944 bis April 1945 das zweitgrößte Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg. 9.000 Häftlinge aus ganz Europa wurden hier gefangen gehalten. Sie mussten im benachbarten Happurg eine unterirdische Stollenanlage für eine Rüstungsfabrik errichten. Vernichtung durch Zwangsarbeit: Mehr als 4.000 Häftlinge haben sich im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode gearbeitet.

Hersbruck: Lager für Produktion von BMW-Motoren

Die beiden NS-Konzentrationslager in Bayern, Dachau und Flossenbürg, hatten insgesamt etwa 240 Außenlager. In Hersbruck sollte die Herstellung von BMW-Flugzeugmotoren weitergehen, nachdem sie in Allach bei München wegen alliierter Luftangriffe gefährdet war. Ab Juli 1944 mussten KZ-Häftlinge am östlichen Rand der Kleinstadt Hersbruck ein Lager auf dem Gelände einer Reichsarbeitsdienst-Kaserne errichten: 30 Häftlingsbaracken und Funktionsgebäude bauten sie.

Erinnerung wachhalten

Karl Freller (CSU), der Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten, erinnerte bei der Vorstellung der Gedenkorte an das Leid, das die Menschen beim Stollenbau erleiden mussten.

"Es ist wichtiger denn je, an den historischen Orten über das damalige Geschehen zu informieren. Die Erinnerung an die Verbrechen in den Konzentrationslagern wandelt sich, wenn keine Zeitzeugen mehr unter uns sind."

Karl Freller (CSU), Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten


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