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Gedenken an die Opfer Franken erinnert an die Ereignisse der Reichspogromnacht

In vielen Orten in Franken wurde am Donnerstag der Opfer der Reichspogromnacht vor 79 Jahren gedacht. So erinnerten beispielsweise die Städte Hof, Fürth, Zirndorf, Ansbach und Gunzenhausen an die Ereignisse vom 9. November 1938.

Stand: 10.11.2017

Zerstörtes jüdisches Geschäft - Hermanns & Froitzheim mit zerbrochenen Glasscheiben | Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1970-083-42 / CC-BY-SA

In Hof fand die Feier an der ehemaligen Synagoge in der Innenstadt statt. Und in Zirndorf gab es einen Erinnerungsgang durch die Stadt. Stadtführerin Elke Eider führte die Teilnehmer zu den Häusern, in denen die jüdischen Opfer der Reichspogromnacht lebten und arbeiteten. Vor jedem Haus wurden ihre Namen und ein Psalm verlesen.

Feier und Filmabend in Fürth

Abriss der Fürther Synagoge 1938 durch die Nazis

In Fürth fand die Feier am Mahnmal in der Geleitgasse statt, in deren Nähe früher die Synagoge stand. Anschließend luden die Veranstalter – die Stadt Fürth, das Bündnis gegen Rechtsextremismus, die Israelitische Kultusgemeinde, das Evangelische und Katholische Dekanat Fürth und andere Organisationen – zu einem Filmabend im Kulturforum ein. Gezeigt wurde der Film "Dui Roma", der das Schicksal des deutschen Sinto Hugo Höllenreiner thematisiert. Höllenreiner war als Neunjähriger mit seiner Familie ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort vom KZ-Arzt Josef Mengele gefoltert worden.

Gedenkstunde in der Ansbacher Synagoge

Auch die Stadt Ansbach erinnerte an die Ereignisse der Pogromnacht und rief zusammen mit den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden zum Gedenken an die Opfer des NS-Regimes auf: Die Gedenkstunde war in der Ansbacher Synagoge in der Rosenbadstraße, teilte die Stadt Ansbach mit. Das Gebet "El male Rahamim" sprach den Angaben zufolge Autor Israel Schwierz. Schüler des Ansbacher Theresien-Gymnasiums sorgten für die musikalische Umrahmung.

Gunzenhausen beleuchtet Luthers Antisemitismus

In Gunzenhausen luden die Stadt, die Evangelische und die Katholische Kirchengemeinde sowie die Stiftung Hensoltshöhe zum Jahrestag der Reichspogromnacht in die Evangelische Stadtkirche Gunzenhausen ein. In einem Vortrag zum Thema "Martin Luther und die Juden" ist Pfarrer Claus Bergmann unter anderem der Frage nachgegangen, weshalb sich der Reformator in seinen Schriften massiv gegen Juden äußerte.

Gedenken in Unterfranken

In Würzburg wurde des Pogroms zum 79. Jahrestag am Standort der früheren Synagoge am Domerschulplatz gedacht. Anschließend fuhr ein Shuttlebus nach Kitzingen. Dort berichtete in der Alten Synagoge Eva Erben, wie sie als jüdisches Kind Konzentrationslager und Todesmärsche überlebte. Die Schweinfurter SPD lud an den Ort der ehemaligen Synagoge in Schweinfurt ein.

"Dieses Gedenken ist auch immer eine Mahnung für die Zukunft."

Ralf Hofmann, der Vorsitzende der Schweinfurter SPD-Stadtratsfraktion

Gerade jetzt, wo diese gefährliche Gesinnungwieder stärker öffentlich sichtbar werde und sogar in Parlamenten sitze, gebe die Erinnunerg den Auftrag, Hass und Ausgrenzung zu überwinden, heißt es von der SPD.

Klaus Hofmann von der "Initiative gegen das Vergessen" bot ab dem Martin-Luther-Platz eine rund eineinhalbstündige Stadtführung an. Hofmann ging zu Orten, in denen Juden Opfer der brutalen Attacken wurden. In Ebelsbach im Landkreis Haßberge wurde in der Schlosskapelle den Opfern der Reichspogromnacht gedacht. Juden lebten einst im Schloss Ebelsbach.

Am 10. November wurden in Gerolzhofen Geschäfte und Wohnungen von Juden zerstört. Ein halbes Dutzend Juden wurde verhaftet und ins KZ Dachau gebracht. Die Stadtführerin Evamaria Bräuer wird über die Ereignisse 1938 am Freitag bei einer Stadtführung ab 15.00 Uhr berichten. Treffpunkt ist die Bahnhofsstraße 16. Bis 1905 lebten in Gerolzhofen noch 135 Juden. 1938 waren es noch 86. 1942 waren es noch 25. Sie alle starben in Konzentrationslagern.

Pegida marschiert durch Fürth

In Fürth gab es im Vorfeld des Gedenktermins auch Misstöne. Zeitgleich zur Feier in der Geleitgasse will die rechtsgerichtete Pegida Nürnberg durch Fürth marschieren. Allerdings konnte sich die Stadt mit der Gruppierung darauf einigen, ihre Demonstration auf die Hardhöhe zu verlegen.


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