6

Mittlerweile fahrerlos Vor 50 Jahren begann der Bau der Nürnberger U-Bahn

Die Nürnberger U-Bahn wurde vor 50 Jahren als Prestigeprojekt belächelt. Heute ist sie nicht mehr wegzudenken. Als einzige Stadt in Deutschland hat Nürnberg sogar U-Bahnen ohne Fahrer.

Von: Ulrike Lefherz

Stand: 20.03.2017

Auf einer brachen Fläche in der Nähe der heutigen Bauernfeindstraße war am 20. März 1967 die Prominenz zusammengekommen. Oberbürgermeister Andreas Urschlechter schwor die Bevölkerung auf eine lange Bauzeit von mindestens zwölf Jahren ein. Und vor dem ersten Rammschlag einer Baumaschine wurde noch schnell die Baugenehmigung für den ersten 5,2 Kilometer langen ersten Bauabschnitt überreicht: vom damaligen mittelfränkischen Regierungspräsidenten Karl Burkhardt. Auch der Bundesbauminister war eigens angereist.

"Der erste Rammschlag für den Bau einer U-Bahn in Nürnberg ist etwa zu vergleichen mit dem Beschluss, den die Väter dieser Stadt gefasst haben, als sie die Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth bauen wollten. Ich hoffe, dass damit ein wichtiges Verkehrsproblem gelöst werden kann."

Georg Leber, Bundesbauminister 1967

U-Bahn-Netz in Nürnberg

Begeisterte Nürnberger

Nürnberg war nach Berlin, Hamburg und München die vierte Stadt Deutschlands mit einer U-Bahn. Sie wurde zunächst als Prestigeprojekt belächelt. Allerdings waren die Nürnberger Bürger von Anfang an begeistert. In der Eröffnungswoche im März 1972 drängten sich 150.000 Nürnberger Bürger zur Testfahrt in die U-Bahnen, die Pegnitzpfeile genannt wurden. Die drei ersten Kilometer in Richtung Langwasser Süd führten über offenes Gelände. Nur für die zwei Kilometer zwischen Langwasser Nord und Süd mussten die Bauarbeiter einen Tunnel bohren.

"Man hat erst mal Erfahrungen gesammelt, wie das U-Bahn-Bauen geht, bevor man sich dann in die Innenstadt gewagt hat und die großen bautechnisch schwierigen Maßnahmen unter der Lorenzkirche und am Weißen Turm in Angriff genommen hat."

Friedrich Hantke, Leiter des U-Bahn-Bauamtes in Nürnberg

Drei Linien auf 40 Kilometern

50 Jahre später wird immer noch an der U-Bahn gebaut. Das Netz ist bedeutend größer geworden, als die Stadtplaner damals je geträumt hatten. 40 Kilometer ist das Netz inzwischen lang, es gibt drei Linien. Nur an der U3 wird noch gebaut. Die beiden Bahnhöfe Klinikum Nord und Nordwestring werden Mitte Mai eröffnet. Drei Haltestellen in Richtung Gebersdorf sind noch im Bau. Mehr ist noch nicht geplant.

"Damit ist das Netz zunächst einmal fertiggestellt. Es gibt noch Überlegungen in den Landkreis Fürth hinaus oder nach Stein, eventuell am Marienberg einen Bahnhof nachzurüsten, wenn sich das Gebiet entwickelt."

Friedrich Hantke, Leiter des U-Bahn-Bauamtes in Nürnberg

Investitionen von jährliche zehn Millionen Euro

Das Nürnberger U-Bahn-Bauamt kümmert sich inzwischen vermehrt um Sanierungen. Jedes Jahr investiert die Stadt acht bis zehn Millionen Euro in neue Rolltreppen, Aufzüge, Schienen und Weichen. Der Bahnhof Scharfreiterring wurde bereits saniert.

Als einzige Stadt in Deutschland fährt die Nürnberger U-Bahn auf zwei Linien komplett ohne Fahrer. Seit neun Jahren sind die automatischen Züge im Einsatz. Sie werden von der Leitstelle am Plärrer zentral gesteuert. Wer sich in den Zügen vorne an die große Scheibe stellt, kann sich wie ein U-Bahn-Fahrer fühlen und den Weg in den dunklen Tunnel und hinein in den nächsten beleuchteten Bahnhof beobachten.

Ein Vorteil des automatischen Systems ist es, dass die VAG flexibel auf volle Bahnsteige reagieren kann:

"Wenn wir Bedarf sehen, können wir zusätzliche Züge auf die Reise schicken. Oder wir bringen statt eines kurzen Zuges einen langen auf die Reise. Dafür brauchen wir zehn bis 20 Sekunden."

Andreas May, Leiter Leitstelle der VAG

Außerdem spart die VAG Personalkosten. 95 U-Bahn-Fahrer mussten nicht neu eingestellt werden, so May. Ehemalige Fahrer wurden als Service-Mitarbeiter entlang der Strecke fortgebildet.


6

Kommentare

Inhalt kommentieren

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein:

Yenns, Montag, 22.Mai, 16:32 Uhr

2. Jaja die Nürnberger Fahrpreise - fast so hoch wie in der teuersten Stadt Europas

In Zürich kostet eine Tageskarte CHF 8.80 (sind ca. € 8.10), in Nürnberg die Tageskarte Euro 7.90. Zürich ist die teuerste Stadt Europas... in Nürnberg haben die Menschen im Durchschnitt nicht so viel Geld (bekommt ein U-Bahnfahrer da vielleicht 5000 brutto wie in Zürich???) Und noch eine kleine Anmerkung zur Tageskarte: Wenn man die Tageskarte um 16 Uhr kauft, gilt sie in Zürich bis 15:59 Uhr des nächsten Tages... In Nürnberg nicht... Einziger Nürnberger Vorteil: Wer am Samstag Morgen die Tageskarte kauft, kann sie bis Sonntag abend nutzen... Insgesamt sind die Nürnberger Preise viel zu hoch!!! Mit dem Auto ist man da meist billiger unterwegs!

Stefan, Montag, 20.März, 11:31 Uhr

1. falsche U- Bahn

...ausgerechnet auf dem Geburtstags-Bild eine der damals ausgeliehenen blauen Münchner U-Bahnzüge statt eines "roten Blizes" - die Nürnberger U-Bahnen sind rot...

  • Antwort von Peter, Montag, 20.März, 14:32 Uhr

    Rot sind vor allem die Fahrpreise !!!