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Neue Flüchtlingsunterkunft "Luxus-Asyl" oder Marketing-Coup in Eckental?

"The Peoples Project" – hinter diesem Namen verbirgt sich eine Flüchtlingsunterkunft, die in Eckental entsteht. In sechs Reihenhäuser sollen 60 Asylbewerber einziehen. Eigentlich eine gute Sache, doch es regt sich Widerstand. Die Flüchtlingsunterkunft, bestehend aus modernen Reihenhäusern, die im Eckentaler Ortsteil Eckenhaid entsteht, soll Ende des Jahres bereit stehen.

Von: Alexander Loos

Stand: 21.07.2015

Noch wird gehämmert, gesägt und gebohrt auf dem Rohbau der doppelstöckigen Reihenhäuser. Gegenüber der Baustelle steht eine Gruppe von Anwohnern. Ein älterer Herr gibt seine Bedenken offen zu: "Wir wissen überhaupt nicht, wer hier herkommen soll. Am Ende sind es nur junge Männer aus Serbien oder dem Kosovo. Was sollen die denn den ganzen Tag hier machen?“

Abwehrhaltungen wie diese kommen immer wieder vor, wenn Asylbewerber in Wohngebieten untergebracht werden. Meist verschwinden diese Berührungsängste, sobald die Menschen da sind. So wird es sicher auch in Eckental sein. Doch bis dahin besteht noch viel Diskussionsbedarf, denn bereits im Vorfeld ist einiges schiefgelaufen.

Keine Information

"Wir sind überrumpelt worden. Kein Mensch wusste, was hier passiert. Das ist das Schlimmste an der Sache", beklagt eine Anwohnerin. Erst als vergangenen Mai die Bagger anrollten, haben sie und ihre Nachbarn erfahren, dass hier eine Flüchtlingsunterkunft entstehen soll. Schnell regte sich Widerstand. Eine Bürgerversammlung wurde einberufen und 200 Eckentaler unterzeichneten eine Petition gegen das Projekt. Bauherr ist der aus der Oberpfalz stammende Investor Markus Gildner. Er hatte mit der Regierung von Mittelfranken einen Vertrag geschlossen, die Häuser für zehn Jahre als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung zu stellen. Danach sollen sie als normale Wohnhäuser vermietet werden, so das Konzept. Die Gemeinde Eckental beteuert, dass sie weder von der Bezirksregierung, noch von dem Investor über den Hintergrund informiert wurde. Markus Gildner ist sich aber sicher, alles richtig gemacht zu haben.

"Ich denke, ich habe da ein einigermaßen reines Gewissen, dass ich zur rechten Zeit, nämlich vor über einem Jahr, das Thema angefangen habe und kein Geheimnis daraus gemacht habe, was es wird."

Investor Markus Gildner

Dem widerspricht die Regierung von Mittelfranken auf BR-Anfrage. Man sei davon ausgegangen, dass sich Gildner mit der Gemeinde Eckental im Dialog befinde. Das sei nicht der Fall gewesen, sagt Bürgermeisterin Ilse Dölle (Unabhänigige Bürger Eckental). Im Bauantrag sei lediglich von sechs Wohnhäusern die Rede gewesen. Die Flüchtlingsunterkunft befürworte sie, aber sie habe inzwischen Angst, dass das mediale Interesse die Stimmung weiter aufheizt. Ein Zeitungsartikel hatte gar vom Protest sogenannter Wutbürger gegen das angebliche "Luxus-Asyl" gesprochen.

Irritation statt Neiddebatte

Dass die anhaltende Diskussion um die neuen Unterkünfte so ein schlechtes Licht auf den Ort wirft, bedauert Henning Hoffmann, der Vorsitzende der Flüchtlingsinitiative Eckental "FLEck e.V.". Seit einem halben Jahr kümmern sich dutzende ehrenamtliche Helfer um über 100 Flüchtlinge, die in drei anderen Unterkünften untergebracht sind. Eine Neiddebatte oder gar offene Fremdenfeindlichkeit vermutet Hoffmann aber nicht hinter den Protesten im Ort: "Es ist eher die Irritationen über die Bauvergabe und darüber, wann was kommuniziert wurde." Viele Eckentaler hätten sich bereits bei "FLEck" gemeldet und ihre Hilfe für die 60 Neuankömmlinge im kommenden Winter angeboten. "Nur mit mehr Helfern können wir das stemmen", so Hoffmann.

Kostenlose Werbung?

Trotzdem befürchtet Hoffmann, dass die Debatte auch Helfer abschrecken könnte. Wem die Diskussion sicher nicht geschadet hat, ist Investor Markus Gildner. Für ihn ist die Eckentaler Unterkunft ein Modellprojekt, das in anderen Städten und Gemeinden Schule machen soll. Durch Berichte in landesweiten Medien hat Gildners Konzept viel Aufmerksamkeit erhalten: "Ich bin jetzt natürlich vermehrt angesprochen worden. Es war schon fast jedes Bundesland dabei, das den Kontakt zu mir gesucht hat."

Handelt es sich am Ende um einen Marketing-Coup eines findigen Geschäftsmannes? "Das sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge", gibt Gildner zu. "Ich habe mir die Situation nicht herbeigewünscht, aber man macht das Beste daraus."

Frühzeitige Information ist wichtig

Egal wie es zu der Debatte kam, sicher ist: Es müssen in Zukunft immer mehr Flüchtlinge untergebracht werden. Sie nicht in alten Gasthöfen oder Kasernen einzuquartieren, ist ein sinnvoller Ansatz. Doch bei Projekten wie dem in Eckental müssen die Nachbarn frühzeitig informiert und einbezogen werden, damit Bedenken und Ressentiments von Beginn an ausgeräumt werden können.

Konfliktpotenzial: Kontaminierter Baugrund?

Nebenschauplatz der Debatte um die neuen Flüchtlingsunterkünfte ist die angebliche Verunreinigung des bebauten Bodens. Anwohner beklagen, dass sie das Grundstück hätten kaufen wollen, was ihnen untersagt wurde. Der Grund ist die angebliche Kontaminierung des Bodens durch Lacke und andere Giftstoffe. Sie seien durch eine Schreinerei, die sich früher auf dem Gelände befunden hat, in den Grund gelangt. Auf Anfrage des BR erklärte der Vorbesitzer des Grundstücks, die Sparkasse Fürth, dass ein entsprechendes Bodengutachten aus dem Jahr 2004 keine Belastung festgestellt habe. Außerdem habe es außer Markus Gildner keine weiteren Interessenten für das Grundstück gegeben.


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