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Nürnberg Oscar-Gewinnerin eröffnet Filmfestival der Menschenrechte

Oscar-Preisträgerin Vanessa Redgrave hat in Nürnberg das 10. Internationale Filmfestival der Menschenrechte (NIHRFF) eröffnet. Anschließend rief sie die Zuschauer zum Engagement für Flüchtlinge auf. Von Karin Goeckel

Von: Karin Goeckel

Stand: 28.09.2017

"Es ist eine große Ehre, zu diesem Filmfestival nach Nürnberg eingeladen worden zu sein", sagte Redgrave in der vollbesetzten Tafelhalle. Anschließend zeigte die 80-Jährige ihr Regiedebüt "Sea Sorrow". In dem Film verknüpft die Britin ihre eigenen Erfahrungen, die sie als Kind auf der Flucht vor den Bomben der Nazis sammelte, mit dem Schicksal der Flüchtlinge im heutigen Europa. Der Film stellt das Schicksal von Kindern, die ohne Schutz vor Behördenwillkür und kriminellen Banden in Flüchtlingslagern leben müssen, in den Mittelpunkt.

Hilfe für Flüchtlinge gefordert

In der anschließenden Diskussion forderte Redgrave die Zuschauer zum Engagement für Flüchtlinge auf. Sie selbst engagiert sich schon seit Jahrzehnten für Flüchtlinge, unter anderem als Botschafterin für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR.

"Zustimmen kann jeder. Tun Sie etwas und helfen Sie!"

Vanessa Redgrave

Maly: "Meinungsfreiheit akzeptiert Grenzen"

Ausverkauftes Haus in der Nürnberger Tafelhalle

Für Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) ist Redgrave "eine Frau, die immer Haltung gezeigt hat". Sie sei gerade jetzt ein Vorbild, nachdem in Deutschland mit der AfD eine rechtsextreme Partei in den Bundestag eingezogen sei.

In seiner Begrüßungsrede setzte sich Maly mit der Meinungsfreiheit auseinander. Meinungsfreiheit bedeute nicht, dass alles erlaubt sei. Meinungsfreiheit akzeptiere auch Grenzen.

"Es gibt keine Meinungsfreiheit für Rassismus und für die Herabwürdigung der Menschenwürde."

Ulrich Maly (SPD), Oberbürgermeister von Nürnberg

Festivalleiterin Andrea Kuhn

Festivalleiterin Andrea Kuhn erinnerte daran, dass Filme den Austausch mit anderen Kulturen fördern. Außerdem würden Filme ermöglichen, andere Perspektiven einnehmen zu können. Solidarität zwischen Filmschaffenden verschiedener Länder sei selbstverständlich. Jüngstes Beispiel sei die Türkei, in der sich selbst Teile der freien Filmszene derzeit nicht mehr trauen würden, kritische Filme zu machen oder sich frei zu äußern.

"Zum Thema Solidarität gehört auch, dass viele Kolleginnen und Kollegen nicht so frei sind, wie wir."

Andrea Kuhn, Filmfestival-Leiterin

Horrorfilm und Dokumentationen

Insgesamt werden beim NIHRFF 59 Filme aus 42 Ländern gezeigt. Das Themenspektrum ist vielfältig: Zum Festivalprogramm gehören unter anderem ein feministischer Horrorfilm aus Algerien, ein experimentell umgesetzter Film über Kinderselbstmorde im ländlichen China sowie ein Dokumentarfilm über einen schwulen Mann aus Israel, der im Londoner Gay Men's Choir eine neue Familie findet. Das 10. Internationale Filmfestival der Menschenrechte läuft bis zum 4. Oktober.


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Michael D., Donnerstag, 28.September, 16:02 Uhr

1. Ach, ja , diese Künstlerseelen...

Die alte Britin hat gut reden! England hat sich (nicht ganz ohne Grund) aus der EU ausgeklinkt. Und die Dame Redgrave versucht nun, die restlichen EU-Länder zu animieren, gute Werke zu tun. Also, immer schon selbst voran gehen, ehe man mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf andere Staaten zeigt.

  • Antwort von Wolf, Donnerstag, 28.September, 18:27 Uhr

    Die Gründe für die Pro-Brexit Engländer waren bei den meisten wohl Dummheit,Ignoranz und Neid,das kann man Frau Redgrave wohl nicht vorwerfen ,man sollte froh sein um solche Künstlerseelen.

  • Antwort von Mittsechziger, Freitag, 29.September, 17:09 Uhr

    Wolf, seltsame Ansichten haben Sie, wenn Sie sowas von der Mehrheit der Briten behaupten! Denn es lässt sich nicht leugnen, dass der Brexit mit einer demokratischen Abstimmung beschlossene Sache wurde, oder? Können so viele Menschen irren? Die Nachbarin einer ehemaligen Kollegin hat eine Tochter, die mit einem Briten verheiratet ist. Sie haben mittlerweile drei Kinder und konnten in London trotz langer Bemühungen keine größere Wohnung finden, die finanzierbar gewesen wäre. Sie sind, trotz der guten Anstellung des Ehemannes in London, jetzt nach Deutschland gezogen, in das Elternhaus der Ehefrau. Der Frust sitzt tief, denn auch in England gab es für Zuwanderer enorme Unterstützungen, wie auch Sozialwohnungen, während die schlichten Steuerzahler sehen müssen, wie sie kommen...

  • Antwort von Renate E., Freitag, 29.September, 17:13 Uhr

    Wolf, sicher, der Brexit ist vom Himmel gefallen und hat die Briten eiskalt erwischt... Ironie aus: Die Mehrheit hat ihn gewollt, das ist nun mal Fakt! Also, die Mehrheit, die abgestimmt hat. Und da anzunehmen, dass die alle dumm oder dämlich sind, ist meiner Meinung nach, absurd! Vielleicht muss man an der Basis sein, um beurteilen zu können, wieso dieser Brexit kam. Denn wir wissen ja mittlerweile, "Papier ist geduldig" und auch die Medien urteilen eher nach ihrem Gusto, als objektiv...

  • Antwort von Wolf, Dienstag, 03.Oktober, 17:53 Uhr

    Würde man nochmal abstimmen,es wären vielleicht 20% für den Brexit,also: Dummheit,Neid und Ignoranz!