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Doku-Zentrum sucht Speer-Werke Bücher sollen auf einem Haufen landen

Das Doku-Zentrum in Nürnberg sucht nach Büchern von Albert Speer. Diese sollen dann im Rahmen einer Ausstellung über den NS-Architekten auf einem Haufen landen. Zu etwas anderem, so Ausstellungsleiter Alexander Schmidt, taugen die Bücher eh nicht mehr.

Von: Michael Franz

Stand: 11.01.2017

Doku-Zentrum sucht Bücher von Albert Speer für Ausstellung | Bild: Doku-Zentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg

Die Ausstellung will nämlich zeigen, wie viele Lügen Hitlers Stararchitekt in seinen Werken verbreitet hat. Die berühmtesten, von Speer veröffentlichten Bücher "Erinnerungen" und "Spandauer Tagebücher" sind in viele Sprachen übersetzt und mehrfach neu aufgelegt worden.

"Wir sind auf pure Masse aus."

Alexander Schmidt, Ausstellungsleiter

Auf Buch-Spenden angewiesen

Mit der Sammelaktion zielt Schmidt darauf ab, die massenhafte Verbreitung der Bücher in der Ausstellung sichtbar zu machen. In den ersten drei Tagen der Sammelaktion seien bereits fast 40 Exemplare bei ihm abgegeben worden. Er hofft darauf, dass 200 zusammenkommen. So viele Bücher einfach anzukaufen, könne sich das Doku-Zentrum nicht leisten. Deswegen sei man auf die Buch-Spenden angewiesen.

Schmidt: "Völlig unbrauchbar"

Einen Verlust für die Heimbibliothek müsse nach Schmidts Ansicht kein Spender befürchten. Die Bücher würden so viele Unwahrheiten enthalten, dass sie heute nicht mehr als ernsthafte Darstellung der NS-Zeit betrachtet werden könnten. Dafür, so der Ausstellungsleiter, seien sie "völlig unbrauchbar".

Von schlimmen Dingen nichts gewusst

Flossenbürger KZ-Häftlinge stellen Werksteine her | Bild: Nederlands Instituut voor Orlogsdocumentatie (Niederländisches Institut für Kriegsdokumentation = NIOD), Amsterdam zur Übersicht Flossenbürg Lager der "zweiten Generation"

In der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre dienten KZs den Nazis nicht mehr nur dazu, ihre Gegner zu inhaftieren. Für die nun errichteten Lager wie Flossenbürg galt das Motto "Vernichtung durch Arbeit". [mehr]

Schmidts Kritik zielt vor allem darauf ab, wie Albert Speer seine eigene Rolle im Nazi-Regime beschreibt. Er stelle sich so dar, als habe er von den wirklich schlimmen Dingen nichts gewusst. Als Beispiel nennt Schmidt den geplanten Bau des Deutschen Stadions in Nürnberg, aus dem später nie etwas geworden ist. Dieses größte Stadion der Welt sollte 400.000 Menschen fassen. Wie neuere Forschungen belegten, sei Speer selbst auf die Idee gekommen, den massenhaft benötigten Granit für diesen Bau durch KZ-Häftlinge (zum Beispiel in Flossenbürg) abbauen zu lassen. In seinen Büchern und in Interviews nach seiner Entlassung aus dem Kriegsverbrechergefängnis in Spandau 1966 habe Speer aber stets beteuert, über die Gräueltaten in den KZs nie informiert gewesen zu sein, so Schmidt.

Die Ausstellung "Albert Speer in der BRD - Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit" wird vom 28. April bis 26. November im Dokumentationszentrum Reichparteitagsgelände in Nürnberg gezeigt.

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