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"Islamschweinerei" Friedliche Demonstration in Altdorf und Vortrag von Mazyek

Über 500 Menschen haben in Altdorf friedlich gegen Islamfeindlichkeit und für Toleranz demonstriert. Danach hat der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, seinen Vortrag gehalten, wegen dem es zu islamfeindlichen Aussagen gekommen war.

Stand: 31.10.2016

Nach Polizeiangaben haben auf Seiten des Altdorfer "Bündnis für Toleranz und Respekt" 500 bis 600 Menschen vor der evangelischen Kirche demonstriert, während sich bei der islamfeindlichen Pegida-Bewegung rund 20 Teilnehmer in Altdorf zur Kundgebung einfanden. Der Abend in Altdorf verlief, so die Polizei, trotz der Brisanz sehr friedlich. Und der Anlass der Demonstrationen, die Rede des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, konnte wie geplant in der Altdorfer Laurentius-Kirche am Reformationstag stattfinden.

Appell an die etablierten Parteien

Restlos gefüllte Laurentius-Kirche in Altdorf

Mayzek hat in einer restlos gefüllten Kirche einen Vortrag zum friedlichen Miteinander der Religionen gehalten. In seiner Rede forderte er die etablierten Parteien auf, im Kampf um Wählerstimmen keine "gefährlichen rechtspopulistischen Parolen" zu kopieren. Seinen Appell richtete er vor allem an die konservativen Parteien "und hier in Bayern ganz besonders an die CSU". Das Konzept vom Sündenbock und Abwertungen von Minderheiten gehe nicht auf. "Stets wird das Original am Ende gewählt", so Mazyek.

"Gestalten statt spalten"

Stattdessen sollten sich die Parteien mit den Rechten handfest und klar auseinandersetzen. "Gestalten statt spalten – das muss unser Credo sein," so der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime weiter. Bereits jetzt seien eine "strukturelle und alltägliche Diskriminierung und Feindseligkeiten auch gegenüber den Muslimen Realität". Und er warnte: Rassistische Übergriffe auf Andersgläubige, Attentate auf Moscheen und Synagogen, Anschläge auf türkische Wohn- und Geschäftsstraßen seien "nur die Spitze eines Eisberges".

Der Dritte Bürgermeister Johann Pöllot (CSU) hatte die Veranstaltung im Vorfeld auf dem Anrufbeantworter des Dekanats als "Islamschweinerei am Reformationstag" bezeichnet, sich später jedoch für diese Aussage entschuldigt. Kurz vor Beginn der Veranstaltung hatte Mazyek die Entschuldigung Pöllots angenommen. "Was bleibt ist, dass diese Hasssprache weiter salonfähig gemacht wurde. Sie hat viel Gift rein gebracht", sagte Mazyek. Er erwarte von den Parteien, sich von einer solchen Sprache klar zu distanzieren. "Wir müssen aufpassen, dass das Niveau nicht weiter verroht."

"Altdorf ist bunt und soll es auch bleiben"

Er freue sich, dass eine Mehrheit im Stadtrat und auch die Demonstranten ein klares Zeichen der Abgrenzung setzten. Der Erste Bürgermeister Erich Odörfer (CSU) sagte bei der Demo, die Formulierungen seines Stellvertreters seien "falsch und nicht angebracht" gewesen. "Altdorf ist bunt und soll es auch bleiben", sagte Odörfer unter dem lauten Jubel der Demonstranten. Zahlreiche Redner aus Kirche und Politik betonten auf dem Marktplatz, dass der Islam zu Deutschland gehöre.

Regionalbischof Stefan Ark Nitsche sagte, "die Religion ist im Kern nicht das Problem, sondern die Lösung". Auch zahlreiche Vertreter der Altdorfer türkisch-islamischen Gemeinde nahmen an der Kundgebung teil. Sie äußerten sich empört über den dritten Bürgermeister Altdorfs und darüber, dass er die Veranstaltung im Vorfeld als "Islamschweinerei" bezeichnet hatte. Die Gemeinde behalte sich vor, ihn wegen Beleidigung anzuzeigen.

Gegenseitig in die Hölle schauen lassen

Erleichtert zeigte sich nach der Veranstaltung Dekan Breu: "Ich bin froh, dass viele Menschen da waren, dass sie ruhig waren und nicht gestört haben." Mit Herrn Pöllot stehe er in Kontakt:

"Wir haben uns gegenseitig die schlimmsten Hass-Mails gezeigt, die wir jemals bekommen haben. Wir haben uns sozusagen gegenseitig in die Hölle schauen lassen."

Dekan Breu


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