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Kaffee schlürfen mit gutem Gewissen Alternativen zum Coffee-to-go-Becher

In Deutschland werden stündlich 320.000 Einwegbecher verbraucht. Die Suche nach papierfreien Alternativen läuft – auch in Franken. Kulmbacher Schüler haben nun ein originelles Pfandsystem für Kaffeebecher entwickelt.

Von: Anne Chebu

Stand: 15.09.2016

100.000 Tonnen CO2-Emissionen und einen Haufen Müll produzieren Coffee-to-go-Becher jährlich. Für ihre Produktion werden 22.000 Tonnen Rohöl verbraucht. Die Masse an beschichteten Pappbechern ist eine echte Umweltsünde. Außerdem werden viele Becher liegen gelassen oder achtlos weggeworfen und verschmutzen Straßen, öffentliche Plätze und die Natur. Das wollen nicht alle hinnehmen. Immer mehr Café-Besitzer und Kaffeetrinker suchen nach papierfreien Alternativen – auch in Franken.

Einwegbecher aus Bio-Plastik

Bio-Plastik wird nicht mehr nur für Tüten benutzt, sondern auch für Kaffeebecher.

Eine vermeintliche Alternative ist der Becher aus "Bio-Plastik". Einmal benutzt lässt er sich wegwerfen und ist laut Herstellern kompostierbar – in der Theorie. In der Praxis bereitet das sogenannte "Bio-Plastik" aus nachwachsenden Rohstoffen wie etwa Mais den Abfallanlagen einige Probleme.

"Der Biomüll läuft über Fließbänder, da müssen Mitarbeiter in Sekunden entscheiden, ob das nun ein Becher aus normalem Plastik ist oder aus Plastik, das verrotten kann. Es ist unmöglich zu erkennen, um welches Material es sich da handelt. Das ist alles zerdrückt und verschmutzt."

Detlef Jahn, Betriebsleiter der Firma Veolia Umweltservice Süd GmbH & Co KG in Nürnberg.

"Bio-Plastik" wird in den Müllwerken also als Störstoff gesehen. Genauso wie normales Plastik wird es heraussortiert und verbrannt. Neben dieser Schwierigkeit braucht "Bio-Plastik" außerdem sehr lange, bis es zerfallen ist. Detlef Jahn hat das selbst schon ausprobiert. Der normale Bio-Haushaltsmüll bleibt circa 13 Wochen in seiner Kompostieranlage liegen. Ein Becher aus "Bio-Plastik" sei aber auch nach 19 Wochen immer noch nicht voll zersetzt. "Unter Laborbedingungen funktioniert das vielleicht, aber im Alltag nicht", so Jahn.

Eigenen Becher mitbringen

Für viele Umweltfreunde sind deswegen Mehrwegprodukte der einzige Weg – auch beim Kaffeetrinken. Die Münchnerin Julia Post hat die Aktion "Coffee to go again" ins Leben gerufen. Hier macht ein Logo darauf aufmerksam, dass in dem Geschäft der Kunde seinen eigenen Becher mitbringen kann. Dieser wird dann mit frischem Kaffee befüllt. Einige Cafés bieten hierfür sogar einen Rabatt an. In Franken machen fast 60 Cafés mit – deutschlandweit sind es knapp 300. Auch das Nürnberger Café Rösttrommel hat sich entschieden das "Coffee to go again"-Schild aufzuhängen. Die Kundennachfrage war schon länger da.

"Das war manchmal echt schwierig, da wir keine klare Regelung dafür hatten. Jeder unserer 20 Mitarbeiter hat anders darauf reagiert. Durch 'Coffee to go again' ist nun klar: wir befüllen die Kunden-Becher."

Bastian Reif, Café Rösttrommel.

Die Reaktionen sind positiv, aber verhalten – viele Kunden übersehen den Schriftzug an der Eingangstür. Oft würden Kunden auch ihre Becher vergessen und dann doch wieder zum Pappbecher greifen. Doch Bastian Reif ist sich sicher: "Wer Umweltschutz ernst nimmt, der denkt auch an seinen Becher. Man kann nun mal nicht vom Sofa aus die Welt retten, man muss schon auch aktiv etwas dafür tun."

Becher zurückgeben

Immer an den eigenen Becher denken zu müssen, das finden auch fünf Schüler der 8. und 11. Klasse des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums Kulmbach unpraktisch. Deswegen haben sie ein besonderes Pfandsystem entwickelt: Der Kunde kauft einmalig einen Mehrwegbecher mit einer Banderole, die dazu dient, sich die Finger nicht zu verbrennen. Diese ist gleichzeitig die "Pfandmarke". In teilnehmenden Cafés kann der Kunde nun seinen Becher jederzeit abgeben, er behält nur die Banderole. Zeigt er diese beim nächsten Kaffeekauf vor, erhalt er einen sauberen Mehrwegbecher, gefüllt mit leckerem Kaffee.

Auszeichnung für Schüler-Projekt

Das Schüler-Projekt "HEIR - Hey, earth is not renewable" wurde nun als eines der drei besten Umweltprojekte des Wettbewerbs "Ressourcenkönige" in München ausgezeichnet. Das freut die 15- und 16-Jährigen sehr.

"Dass wir gewonnen haben, zeigt, dass wir mit unserer Idee den Zeitgeist treffen. Wir hoffen, durch den Preis noch mehr in die Öffentlichkeit zu kommen, damit vielen Leuten klar wird, wie sehr Coffee-to-go-Becher der Umwelt schaden."

Nicolas Landgraf, Schüler in Kulmbach

Nun möchten die Gruppe die Kulmbacher Café-Besitzer überzeugen. Von 14 Anfragen wurden zwar erst drei beantwortet, darunter ist aber auch eine Bäckereikette. Das Interesse ist also schon mal geweckt und die Motivation der Schüler wächst. Finanziell werden die jungen Umweltschützer vom Förderkreis ihrer Schule und der Stadt Kulmbach unterstützt. Das Projekt soll sich über den Becherverkauf irgendwann selbst finanzieren.


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