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Erinnern an Legenden Als Dylan und Joel in Nürnberg gegen Nazis sangen

Rock gegen Rechts – immer wieder engagieren sich große Musikstars gegen Extremisten. Das Nürnberger Dokuzentrum hat nun an gleich zwei legendäre Konzerte erinnert. Von zwei Juden auf Hitlers Zeppelinfeld: Bob Dylan und Billy Joel.

Stand: 24.02.2016

Im Sommer 1978 frönten 80.000 Anhänger des "Meisters" Bob Dylan seinem ersten Konzert auf deutschem Boden. Dylan sang Friedenslieder und Hymnen, mit Blick auf die Steintribüne, auf der Hitler die Massen für sein NS-Regime aufgepeitscht hatte. Musikfans folgten dem Konzert mit langen Hippie-Mähnen, auf Picknickdecken, in Hotpants und der Sage nach mit 250.000 Bierdosen.

Autoren, Sänger, Fotografen erinnern

Das Konzert war damals im Vorfeld heftig umstritten, vordergründig wegen Lärmbedenken der Anwohner und organisatorischen Problemen, erzählt Steffen Radlmaier. Er organisierte am Dienstag (23.02.16) ein Gesprächskonzert im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände – in Gedenken an die Konzerte von Bob Dylan und Billy Joel im Jahr 1994. Dabei kamen Autoren, Fotografen, Musiker und Schriftsteller zu Wort, die damals dabei waren.

"Damals hat die Generation von Hippies triumphiert, die Hitler zuvor sicher gerne ausgelöscht hätte. Dort stand ein kleiner Jude und singt auf diesem Grund Lieder, die Millionen anziehen. Das war eine tolle Erfahrung."

Helmut Haberkamm, fränkischer Mundart-Schriftsteller

Bob Dylan soll sein Debut in Deutschland später als Meilenstein seiner Karriere bezeichnet haben. Für seinen Auftritt auf dem Zeppelinfeld hatte er auf seine zu dieser Zeit üblichen Glitzeranzüge verzichtet und trat in Alltagskleidung auf.

Konzert nur für Amerikaner

Das Konzert von Billy Joel im Jahr 1994, ebenfalls auf dem Zeppelinfeld, lief unter ganz anderen Umständen ab. Joel sang nur für Amerikaner. Das Konzert wurde durch die Armee abgeriegelt. Lediglich auf der Steintribüne konnten nicht-amerikanische Fans dem Auftritt von Billy Joel folgen.

Gegen "Nazi-Shit"

Die Familie des Sängers stammt aus der Nähe von Ansbach. Sie betrieb einen florierenden Versandhandel, musste dann aber vor den Nazis fliehen und begann im Ausland ein neues Leben. Billy Joel erklärte beim Konzert auf dem Zeppelinfeld, dass er gegen den "Nazi-Shit" anspielen wolle. 1995 kehrte er nach Nürnberg zurück und gab in der Meistersingerhalle ein viel diskutiertes "Frage und Antwort-Konzert".

Dabei gab er nur wenige seiner Hits zum besten. Wie Besucher von damals erzählen, verließen viele Fans deswegen schon vorzeitig die Halle.

Das Gelände – Dokumentation. Perspektiven. Diskussion

Das Gesprächskonzert rund um Bob Dylan und Billy Joel fand im Rahmen der Ausstellung "Das Gelände" im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände statt. Sie beleuchtet noch bis zum 13. März, wie mit dem Hitlers Aufmarsch-Gelände nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs umgegangen wurde.  


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