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Nach Tod seines Bruders Gustl Mollath stellt Strafanzeige

Wie starb Jürgen Mollath? Diese Frage beschäftigt die Ansbacher Staatsanwaltschaft. Nach dem Tod seines Bruders im Bezirkskrankenhaus (BKH) Ansbach Anfang September hat Gustl Mollath nun Strafanzeige gestellt.

Von: Michael Reiner und Rainer Aul

Stand: 04.10.2016

Gustl Mollath | Bild: dpa-Bildfunk

Zwei Wochen vor seinem Tod war Gustl Mollaths Bruder ins BKH eingeliefert worden - per Beschluss des Amtsgerichts Nürnberg und auf Veranlassung seines Betreuers, erklärte der Nürnberger Justizsprecher Friedrich Weitner dem Bayerischen Rundfunk. Jürgen Mollath war demnach in einem sehr verwahrlosten Zustand und stark abgemagert.

Zudem habe der 70-Jährige in seiner Wohnung in einem Nürnberger Altenheim einen Papierkorb angezündet. Grund für die Einweisung sei gewesen, "erheblichen gesundheitlichen Schaden von dem Betroffenen abzuhalten", so Weitner.

"Nicht natürliche Todesursache"

Michael Schrotberger von der Staatsanwaltschaft Ansbach sagte im BR-Interview, nach Mollaths Tod war von Seiten des BKH eine "nicht natürliche Todesursache" angegeben worden. Deshalb wurde durch das rechtsmedizinische Institut der Uni Erlangen eine Obduktion an dem Leichnam vorgenommen. Das Ergebnis der amtlichen Untersuchung: Todesursache Herzversagen.

Mollath: Lücken im Obduktionsbericht

Gustl Mollath will dagegen Missbrauchsspuren an der Leiche seines Bruders gesehen haben. Er hatte sie etwa zwei Wochen später in der Kühlkammer eines Ansbacher Friedhofs zu Gesicht bekommen. Mollath habe Fotos von Hämatomen am Hals- und Kopfbereich des Leichnams gemacht. Im Obduktionsbericht sei von diesen allerdings nichts erwähnt worden.

Zeigen Mollaths Fotos eher Leichenflecken?

Mollath erstattete daraufhin Anzeige gegen Unbekannt. Im Rahmen der angestoßenen Ermittlungen wurde nach Angaben des Ansbacher Oberstaatsannwalts Schrotberger ein rechtsmedizinisches Gutachten angefordert, um die angeblichen Verletzungen zu untersuchen. Nach einer vorläufigen Einschätzung der Experten könnte es sich dabei aber "durchaus um Fäulniserscheinungen handeln", sagte Schrotberger, landläufig Leichenflecken genannt. Auf Fotos, die zwei Wochen zuvor bei der Obduktion des Leichnams entstanden waren, seien die Flecken nicht zu sehen gewesen, so Schrotberger weiter.

Seit Jahren ohne Kontakt zum Bruder

Das Gutachten wird derzeit noch erstellt und wird nach Schrotbergers Angaben wohl erst in einigen Tagen fertig. Inzwischen hat Gustl Mollath seinen Bruder beerdigt: im reaktivierten Grab seiner Eltern auf dem Nürnberger Südfriedhof. Während Mollaths jahrelangem Aufenthalt im Bezirksklinikum Bayreuth war es zwischenzeitlich aufgelöst worden. Mollath beklagte unmittelbar vor der Beerdigung, nur mit großen Mühen an Informationen zum Tod seines Brudes herangekommen zu sein. Zu ihm hatte Gustl Mollath nach Informationen der Süddeutschen Zeitung seit Jahren keinen Kontakt mehr gehabt.

Der Fall Gustl Mollath

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