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Proteste bei Wöhrl "Wir werden nur hingehalten"

Die Gesamtbetriebsräte der Modehaus-Kette Wöhrl haben vor dem Stammhaus in Nürnberg protestiert. Die Gewerkschaft Verdi wollte damit auf die unklare und schwierige Situation für die Wöhrl-Beschäftigten aufmerksam machen.

Von: Karin Goeckel, Simone Schülein und Judith Dauwalter

Stand: 26.10.2016

Ver.di-Protestaktion bei Wöhrl in Nürnberg | Bild: BR-Studio Franken/Nicole Schmitt

Seit Wochen spreche die Unternehmensleitung nicht mehr mit ihnen, beklagen die Wöhrl-Gesamtbetriebsräte. Vor dem Stammhaus des Unternehmens am Weißen Turm in Nürnberg machten die 19 Arbeitnehmervertreter aus ganz Deutschland am Mittwoch (26.10.16) ihrem Ärger Luft. Keiner der Beschäftigten wisse, wie es weitergehe, beklagte etwa Harald Pusl, Betriebsratsvorsitzender aus Fürth.

"Wir werden nur hingehalten, es kommen keine Informationen. Wir erwarten einen Austausch. Was passiert vor Ort? Was passiert mit uns?"

Harald Pusl, Wöhrl-Betriebsratsvorsitzender aus Fürth.

Die Gesamtbetriebsräte vor dem Wöhrl-Stammhaus.

Jeden Tag kämen Mitarbeiter, die wissen wollten, wie es weitergeht. "Wir können unseren Mitarbeitern keine Auskunft geben, weil wir selber keine Informationen haben," so Pusl. Die Unternehmensleitung habe ihn aufgefordert, mit der Tarifkommission in Kontakt zu treten, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

"Es fehlen klare Aussagen, klare Konzepte. Da fühlen sich die Mitarbeiter im Moment in der Luft und vergessen."

Gabriele Ziegler, Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Sabine Dötsch und Heinz Hackl vom Gesamtbetriebsrat

Selbst mit den Mitarbeitern, die in einem der Kaufhäuser arbeiten, die geschlossen werden, redet die Geschäftsleitung nach Aussage der Gesamtbetriebsräte nicht. "Wir sind schriftlich informiert worden, dass im Dezember die Kündigungen rausgehen und wir uns neu bewerben können bei der Firma Wöhrl", berichtet Sabine Dötsch vom Wöhrl-Kaufhaus München-Neuperlach.

Sanierung in Eigenregie

Wöhrl hatte Anfang September angekündigt, mit einer Sanierung in Eigenregie aus der wirtschaftlichen Schieflage wieder herauskommen zu wollen. Dazu sollen vier von 34 Modehäusern in Deutschland geschlossen werden, drei davon in Bayern. Außerdem kritisieren die Gesamtbetriebsräte, dass Wöhrl Tarifverhandlungen ablehnt. Für die Beschäftigten gilt aktuell kein Tarifvertrag. Derzeit arbeiten rund 2.000 Menschen für Wöhrl.

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dildoldi, Mittwoch, 26.Oktober, 09:03 Uhr

1. Wöhrl

Das mit der Insolvenz kämpfende Unternehmen soll also Kosten übernehmen, damit Verdi was herausfinden kann ? Sich beraten lassen ? Wobei ? Dann lasst gefälligst einen von euren Verdi Experten aus der Zentrale antanzen, oder haben die etwa keinen ? Ein Skandal ist, dass ihr Betriebsräte nicht sofort bei Bekanntgabe der Wöhrl Pläne zum sofortigen Streik aufgerufen habt und somit der Geschäftsleitung noch Zeit verschafft habt, Werte zu verschieben. Dass der Laden zugemacht werden soll, dürfte ja wohl allen klar sein, aber mit so einem Betriebsrat sind die Beschäftigten verloren. Aber sie bekommen nur das, was sie gewählt haben.

MfG

  • Antwort von Francesco, Mittwoch, 26.Oktober, 11:24 Uhr

    Bin grundsätzlich Ihrer Meinung. Jedoch muss ich - aus jahrelanger Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Betriebsräten und Gewerkschaften - eine Lanze für die örtlichen Betriebsräte brechen. Sie haben noch Idealismus und vertreten wirklich die Interessen des jeweiligen Betriebes. Allerdings scheitern sie zu oft an den "überbetrieblichen Interessen" der Gewerkschaften bzw. deren fehlender Unterstützung....

  • Antwort von Anonym, Mittwoch, 26.Oktober, 13:21 Uhr

    Herr MfG, ihre Aussage macht keinen großen Sinn- scheinbar ist hier die Gewerkschaft doch relativ aktiv?

  • Antwort von Anonym, Mittwoch, 26.Oktober, 13:23 Uhr

    @ 1. Wöhrl
    Es ist vollkommen normal, dass sich Betriebsräte in solchen Situationen externen Sachverstand (ich nehme stark an, dass hier ein redaktioneller Fehler vorliegt im Zusammenhang mit "externer Betriebsrat") an Land ziehen- unabhängig von der Zusammenarbeit mit Gewerkschaften. Außerdem können Betriebsräte nicht zum Streik aufrufen.

  • Antwort von dildoldi, Donnerstag, 27.Oktober, 10:19 Uhr

    anonym 1: relativ aktiv, wie wärs mal mit ner Definition ? Also Aktivitäten wie gehabt : mit irgendwelchen Plakaten oder Trillerpfeifen irgendwo rumstehn, Passanten oder Anwohner belästigen oder behindern, und sich dann als grosse Arbeiterkämpfer gerieren. Da werden sich die skandalösen Arbeitgeber aber so richtig in Grund und Boden fürchten....
    anonym 2 : es gibt in jedem Gewerkschaftsbezirk eine Zentrale, in der Experten für alles Mögliche sitzen, zumindest was den Bereich "Arbeitskampf und alles, was dazugehört" betrifft. Was sollten Externe denn besser wissen, als die, die seit Jahren vor Ort sind ? Sind solche Infos wohl streng geheim ? Und natürlich rufen Betriebsräte zum Streik auf, der wird dann von den Gewerkschaftshäuptlingen für die Gewerkschaftsindianer des jeweiligen Betriebes ausgerufen. Dann streikt mal schön in der Pampa, wo es keinen interessiert!

    MfG